Blind auf dem Bike

Wofür ich meinen Job liebe? Für seine vielen überraschenden, ungewöhnlichen und interessanten Begegnungen mit Menschen, denen ich privat wohl nie begegnet wäre. Und andersherum treffe ich Leute, die mit mir zum ersten Mal Kontakt zu einer blinden Person haben. So war es auch gestern beim Biker-Stammtisch Norderstedt. Was verschlug mich und drei Kolleginnen und Kollegen dorthin? Motorradfahren assoziiert der geneigte Blind-PR-Leser wohl nicht mit einem Blinden- und Sehbehindertenverein? Eben drum. Kaum ein Mensch ohne Augenlicht saß schon einmal auf einer knatternden, vibrierenden Maschine. Viele Betroffene wissen nicht einmal, wie sich Harley und BMW anfühlen, welche Kluft die Fahrer tragen. Daher hatten wir die Idee, anlässlich unseres 100jährigen Vereinsjubiläums diese Wissenslücke zu schließen. Mit der Biker-Union haben wir einen Partner gefunden, der für unsere Idee offen war. Und nun steigen am 6. Juni blinde und sehbehinderte Hamburger auf die Motorräder. Sie drehen mit den Bikern einige Runden und gewinnen neue Eindrücke. Und neue Eindrücke sammelte auch ich gestern in Wallis Eck Casino: kernige norddeutsche Männer – weniger Frauen – in Lederkluft, immer einen trockenen spruch auf den Lippen und, das ist das wichtigste, offen für neues. Ich freu mich auf den 6. Juni und meine erste Tour auf dem Motorrad.

Auch für Sie gibt es am 6. Juni beim fest der Sinne viel zu erleben: Testen Sie Ihre sinne im Dunkeln, entspannen Sie in unserem snoezelen-Raum, spielen Sie blind Ballspiele, oder fahren Sie erstmals auf einem Tandem. Für Livemusik und Verpflegung ist natürlich auch gesorgt. Also, den Termin schon einmal vormerken!

Mehr Infos beim BSVH.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und selbst blind. Er ist Vorstandsmitglied der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen, der Stiftung Centralbibliothek für Blinde, der Norddeutschen Blindenhörbücherei und der Erich-Quenzel-Stiftung. Er ist freier Journalist und engagiert sich für Inklusion und Barrierefreiheit.

Ein Gedanke zu „Blind auf dem Bike“

  1. Moin Heiko

    Der Ansprechpartner Achim von der der BU-Norderstedt hat uns den Link zu diesem Blog empfohlen. Schöner Kurzbericht, besonders da ich an dem Abend auch anwesend war und Euch erleben durfte.
    Schön das es keine Berührungsängste in beide Richtungen gab, was leider bis heute keine Selbstvertsändlichkeit ist.

    Es grüßt Euch
    Jolle Johnrud

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