Eine zweite Chance

Viel zu selten erhalten wir eine zweite Chance im Leben. Sowas gibt es nur im Theater. „Wir brauchen Dich“, sagte Jörn mir am Telefon. Ein blinder Laien-Schauspieler war aus dem Projekt ausgestiegen. Seine Rolle war plötzlich unbesetzt. Und jetzt bin ich doch noch dabei und spiele den Leiter einer blinden Schauspieltruppe. Text hab ich nicht so viel. Das Komplizierteste scheinen mir die Auf- und Abgänge zu sein. Das bedarf klarer Ansagen und kluger Koordination. Schließlich müssen sieben blinde und hochgradig sehbehinderte Schauspieler ihre Einsätze und Wege finden. Da geht viel nach Geräusch – von wo kommt die Musik, die Stimmen der anderen Protagonisten – und Gefühl – wo steht in welcher Szene der Hocker, welcher Teil der Bühne wird wann bespielt? Aber bis zur Premiere am 18. September werden die Wege sitzen.

Es regnet Jaya the Cat

Der Herbst hielt am vergangenen Wochenende Einzug in die Hansestadt. Zwei Tage Dauerregen. Gut, dass sich diese Stadt nicht auf ihr Klima verlassen muss. Wenn man die Sommer-Abende halt nicht auf einer Decke im Stadtpark verbringen kann, dann geht man halt auf den Rathausmarkt und hört Livemusik. Am Freitag Abend waren Michi und ich beim Rockspektakel-Konzert von Jaya the Cat. Die Bostoner – mit Wahlheimat Amsterdam – machten einfach Party. Ich kannte vor dem Konzert nur den Hit Closing Time. Da war ein Konzert für lau genau das Richtige, um einmal mehr kennenzulernen. Die Mischung aus Reggae mit E-Gitarre, Psychedelic und Ska hat mich vollkommen überzeugt. Bei einem so schrecklichen Wetter ein Publikum zu rocken, das kaum einen Song kennt, das schafft nicht jeder. Sehr gut möglich, dass ich mir die Jungs im September noch einmal anschaue. Dann spielen sie im Logo. Hier kommt es auch manchmal nass von oben, dann aber, weil es so heiß ist.

Howie im Harz

Gut, der Harz hat nicht gerad den Ruf, ein hippes und junges Reiseziel zu sein. Aber vielleicht gefällt es mir deswegen dort so gut. Schon als ich aus dem Zug aussteige, begeistert mich die frische Bergluft. Es duftet nach Wald, nach feuchten Böden und klaren Winden. Ich bin in Bad Sachsa. Familie Trevor hat mich eingeladen, mit ihr vier gemeinsame Tage zu verbringen. Schön, das glückliche Ehepaar hier zu treffen, mit ihm über menschenleere, unfassbar ruhige Wanderwege zu stiefeln und den Sonnenschein zu genießen. Tante Trevors Eltern haben in der Uffe-Stadt (komisch, dass der Ort mit einem Fluss wirbt, den kein Mensch kennt) eine Ferien-Wohnung. Und die hat es in sich. Am schönsten sind die über 20 Jahre alten Kassetten, die hier – wahrscheinlich seit über 20 Jahren liegen – und darauf warten gespielt zu werden. Das Warten hat sich für sie gelohnt. Howie hat Dank der „Ein Herz für Kinder 1987“-MC seinen zehnten Frühling in Bad Sachsa – und wir drei haben bis heute einen verstörenden Ohrwurm und ein „Dadadadada – Disch“ auf den Lippen, das bei unseren Mitmenschen nur ein verwundertes Lächeln hervorruft. Zwischendurch hat der Südharz aber auch ganz andere Klänge für uns parat. Der Markt der Nationen bringt uns am Samstag Nachmittag Irish Folk von der anständigen Sorte zu Gehör, dazu wird Guinness serviert. Seit meinen Irland-Reisen ist das für mich der Inbegriff von Urlaub: Folk, Pint und Frischluft. Schön, dass man das auch in Norddeutschland haben kann.

Schwarz-Grün hält Wort

GAL und CDU halten Wort. Während des Wahlkampfes hatte sich der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg für eine Anhebung und eine Dynamisierung des Blindengeldes in der Hansestadt stark gemacht. Im Koalitionsvertrag versprachen die Parteien eine Kopplung der Leistung an die Renten. Heute gibt die Grün-Alternative Liste in einer Presse-Erklärung bekannt:

„Auf Initiative der GAL-Fraktion wurde gestern gemeinsam mit der CDU ein Antrag zur Änderung des Hamburgischen Blindengesetzes in die Bürgerschaft eingebracht. Die Änderung beinhaltet, dass  Blinde Menschen rückwirkend zum 1. Juli 2008 eine Erhöhung des Blindengeldes auf 453 Euro erhalten. Zukünftig wird zudem regelmäßig zum 1. Juli eines Jahres die Höhe des Betrages an die Rentenentwicklung angepasst.

Bei der letzten Änderung des Blindengesetzes 2005 war diese Dynamisierung gegen die Stimmen der GAL abgeschafft und das Blindengeld erheblich gekürzt worden.
Fortan wurde ein einheitlicher Betrag für Kinder und Erwachsene ausbezahlt. Die Folge davon war, dass Menschen über 18 Jahre erhebliche Kürzungen hinnehmen
mussten und dass Inflationsschwankungen nicht berücksichtigt wurden.

 

Martina Gregersen, Sprecherin der GAL-Bürgerschaftsfraktion für Menschen mit Behinderung: „Ich freue mich, dass nun das Blindengeld wieder leicht steigt
– und dieses nun auch jährlich. Denn blinde Menschen haben einen höheren finanziellen Aufwand als Sehende. Durch das Blindengesetz von 2005 mussten sie
eine starke Kürzung hinnehmen. Dass ist nun anders, denn jetzt werden jährliche Anpassungen vorgenommen.“

 

Das Blindengeld dient dazu, Nachteile und Folgekosten einer Erblindung oder Sehbehinderung auszugleichen: Das können Kosten für eine Putzhilfe, Taxifahrten,
Schreib- und Lesehilfen, Texte in Braille-Schrift und vieles mehr sein.“