Der Weißwurst-König

Der Sonntag nach der Hochzeit gehörte der Weißwurst. Zum letzten Mal hatten wir die Chance, Schlachtermeister Böckes Spezialität zu genießen. Mit ihr hat er Preise in Hülle und Fülle abgeräumt. Er hat seine Bayerischen Konkurrenten dabei regelmäßig abgehängt. Böckes Weißwurst ist eine Wucht. 1500 Stück verkauft er wöchentlich. Und er trug so manches Mal zu einem zünftigen Frühstück bei, das ganz im Sinne der bayerisch-hanseatischen Völkerverständigung stand. Mit siebzig Jahren geht der Meister in den Ruhestand. Zum Glück hat er sein Rezept an seinen Nachfolger weitergegeben, so dass unsereins sich auch weiter auf die beste Weißwurst Deutschlands freuen kann – schon gut, wenn man in Hamburg lebt.

Sie sind ein Paar

Wenn eine der aufmerksamsten Blind-PR-Leserinnen und einer meiner ältesten Freunde sich vor Gott das Ja-Wort geben, dann sollte

das einen Blog-Eintrag wahrlich wert sein. Das Schöne am Bloggen ist, dass man immer top-aktuell und umgehend seine Erlebnisse und

Gedanken niederschreiben kann. Das beweise ich einmal mehr mit diesem Post. Schließlich war die Hochzeit erst am 2. August.;-)

Tante und Onkel Trevor sind jetzt ein echtes Ehepaar – mit Ja-Wort im

Standesamt und vor der Pastorin. Sie versprachen sich die ewige Treue in einem Garten unter freiem Himmel. Ein schöner Ort: wenn es

ein Gotteshaus gibt, dann duftet es gewiss nach Blumen und grüner Wiese, dann scheint in diesem die Sonne und es zwitschern die

Vögel. Die wehmütig-sentimental-zerrüttete Grundstimmung des Autors paarte sich mit der Romantik der Hochzeit zu einem Kloß im Hals

und zu feuchten Augen. Aber es ist zugleich ein aufbauendes Ritual, so eine Hochzeit. Sehr persönliche und anrührende Fürbitten

gingen ans Herz, das Ehe-Versprechen der Trevors bewegte, „Danke für meine Arbeitsstelle“ zu singen, sorgte für ein humorvolles

Gegengewicht auf der Studenten-Hochzeit. Spätestens mit dem fulminanten Buffet war der Kloß im Hals hinfortgemampft, und ich

erfreute mich den restlichen Abend an fröhlich-stolzer Verwandtschaft, an einer Musik-Mischung, die wirklich alle Generationen auf

die Tanzfläche brachte (das schafft nicht jeder DJ – Plattenmann Jens lebe hoch!) und an meinem grandiosen Freundeskreis. Gerade

wenn es mal nicht so rund läuft, merke ich, was ich an ihm habe. Schön, dass es Euch alle gibt! Und den Trevors wünsche ich, dass

sie ihre Versprechen einhalten, und dass sie sich verzeihen, wenn es einer von ihnen mal nicht schafft! Ihr seid super!!!

Moderne Sozialpolitik

Die drastischen Blindengeld-Kürzungen haben in Mecklenburg-Vorpommern eine weitere Hürde genommen. Am Montag beschloss das Kabinett, die Leistung von 546 auf 333 Euro monatlich zu reduzieren. „Die Kürzungspläne treiben blinde Menschen in die Armut – und das ohne Not, denn der Landeshaushalt ist ausgeglichen“, sagte Gudrun Buse, Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Mecklenburg-Vorpommern, im Newsletter DBSV-Direkt, „Wie passt eine solche Entscheidung zulasten behinderter Menschen zu einer modernen Sozialpolitik der SPD?“ Buse sprach heute auch noch einmal mit Sozialminister Erwin Sellering, der sich bisher aber uneinsichtig zeigte. Möchte sich hier der zukünftige Ministerpräsident als durchsetzungsstarker und knallharter Machtpolitiker profilieren? Andererseits machte sich Sellering für bedürftige Kinder stark, die inzwischen kostenloses Mittagessen in den Tagesstätten erhalten. Peter Ritter, Chef der Linken in Meckpom, kritisierte diese Form der Sozialpolitik Die SZ zitierte ihn mit den Worten: „Das Mittagessen wird dadurch finanziert, dass man das Blindengeld kürzt.“ Die von der unsozialen Kürzung Betroffenen scheinen jedenfalls entschlossen, den Kampf anzunehmen. Am Montag empfingen protestierende Blinde den SPD-Vorsitzenden Kurt Beck in Güstrow. Und gestern gab es eine Mahnwache vor der Schweriner Staatskanzlei. Gudrun Buse: „Wir haben uns ja gerade erst warmgelaufen!“

Blind auf der Bühne

Meine Theater-Pläne musste ich – trotz der großen

Freude an den ersten Proben – aufgeben. Das fiel mir

wahrlich nicht leicht, versprach das Projekt doch etwas ganz besonderes zu werden. Der zusätzliche Zeitaufwand war aber einfach

nicht drin. Um so gespannter bin ich auf das Ergebnis. Die Kulturbühne Bugenhagen teilte

jetzt in einer Pressemitteilung mit:

Zusehen oder Nichts zu sehen

Sehen oder nicht sehen, das ist nicht die Frage, wenn sich am 18.9. der Vorhang öffnet für die Premiere eines außergewöhnlichen

Theaterprojektes an der Kultur Bühne Bugenhagen in Barmbek-Süd. Seit Mai proben dort sieben blinde oder sehbehinderte

Laiendarsteller und fünf sehende ausgebildete Schauspieler an einem selbstentwickelten Theaterstück. Im spannenden Probenprozess

erlebten die Zwölf Darsteller in verschiedenen Schritten Theater und auch die Frage nach der Bedeutung der Sinne durch

theaterpädagogisches Training, eine Schreibwerkstatt und viele Gespräche in einer sehr intensiven Weise.

In der turbulenten Geschichte gibt es eine Truppe von Schauspielern, die sich unter der Regie einer sehr eigenwilligen

Regisseurin an Shakespeares Sommernachtstraum versucht. Zugleich lernt man eine lustige Gruppe von ebenfalls sehr individuellen

blinden Persönlichkeiten in der „Königin der Nacht“ kennen, einer angesagten Szene-Bar im Dunkeln. Wie es der Zufall will, gehören

sie einer erfolgreichen Laientheatergruppe an. Doch nicht nur das. Franziska, die in der Bar arbeitet, lernt Oliver, einen der

sehenden Schauspieler kennen. Darüber verwickeln und vermischen sich die Sehnsüchte und Träume Aller in berührenden wie frechen und

komischen Begegnungen. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei Puck, der kecke Kobold der Nacht.

Shakespeares Sommernachtstraum lebt von seinen Verirrungen und der Suche nach den großen Antworten des wer mit wem, wann und

wieso. Die Kultur Bühne Bugenhagen hat sich von dem Stoff inspirieren lassen und unter der Regie des Theaterpädagogen Jörn Waßmund

ihre ganz eigenen Antworten gefunden: mit viel Spielwitz, Phantasie, Musik und vielen Überraschungen.

Premiere am 18.9. um 20 Uhr in der Kultur Bühne Bugenhagen, Biedermannplatz 19. Weitere Aufführungen sind am 19., 26. und 27.9.,

sowie am 4.10. jeweils um 20 Uhr. Kartenvorbestellungen unter Tel.: 040-63947041 oder unter info@kbb-hamburg.de.