Deutscher eBook Award mit Sonderpreis für Barrierefreiheit

An diesem Donnerstag (12. Oktober 2017) wird auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche eBook Award verliehen. In diesem Jahr gibt es einen Sonderpreis für Barrierefreiheit im digitalen Literaturraum. In einem Gastbeitrag habe ich im Award-Blog über sperrige Braille-Bände, gekürzte Hörbücher und digitale Barrieren geschrieben. Den Post findet Ihr auf deutscher-ebook-award.de. Aktuelle Infos zur Preisverleihung gibt’s außerdem auf buchreport.de.

Trotz Inklusion: Blinde Studierende bleiben auf sich allein gestellt

Sehbehinderte und blinde Studierende – aber z.B. auch Studierende mit Legasthenie – sind auf barrierefrei zugängliche Fachbücher, Artikel, Präsentationen oder Klausuren angewiesen. Das können Ausdrucke in Blindenschrift oder Großdruck, tastbare Pläne oder Grafiken oder zugängliche Dateien für den PC sein. Für die barrierefreie Aufbereitung von Studienmaterialien bedarf es Umsetzungsdiensten an den Unis und Hochschulen. Nun veröffentlichte Ergebnisse einer Umfrage der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) des Deutschen Studentenwerks zeigen, dass es einen solchen Service erst an wenigen Hochschulen gibt. Die Folge: Studierende müssen die Umsetzung selbst organisieren. Trotz des Rechtes auf Inklusion bleibt der Mehraufwand also bis heute bei den Studierenden mit Behinderung hängen.

Von 308 angeschriebenen Hochschulen beteiligten sich 99 an der Umfrage. Hiervon wiederum verfügten lediglich 18 über einen eigenen Umsetzungsdienst, zwei weitere kooperierten beim Erstellen von barrierefreien Dokumenten mit anderen Hochschulen. Was sich hinter den genannten Umsetzungsdiensten verbirgt, ist – der IBS zufolge – sehr unterschiedlich und „reicht von der Umsetzung durch die Beauftragten und Berater_innen für Studierende mit Behinderungen selbst über Digitalisierungsservices von Bibliotheken, die Studierende mit Beeinträchtigungen mit versorgen, bis zu eigenständigen Stellen für die Umsetzung.“

Die IBS fragte auch danach, ob die Umsetzungsdienste ausreichend ausgestattet sind. Das Ergebnis: „Die zur Verfügung stehenden Ressourcen werden von mehr als der Hälfte der Umsetzungsdienste – grundsätzlich oder bezogen auf Spitzenzeiten – als nicht ausreichend erachtet.“

Die vollständigen Ergebnisse findet Ihr auf Studentenwerke.de (PDF).

Behindert ist kein Schimpfwort

Einer der seltenen sonnigen Sommerabende in Hamburg. Entspannt mit alten Freunden im Biergarten. Ein Pärchen fragt, ob bei uns noch Platz ist und setzt sich zu uns.

Etwas später: Tangomusik erklingt. Mein Kumpel: „Oh, da tanzen schon ein paar Leute.“

Unser Tischnachbar: „Naja, im Moment sieht es eher so aus, als würden die für die Paralympics trainieren.“

Kurzes betretenes Schweigen, verlegenes Lachen. Ich bin baff. Später werde ich mich ärgern, dass ich nichts dazu sage. Ich weiß nicht, ob der Herr gecheckt hat, dass ich blind bin, dass ein Mensch mit Behinderung am Tisch sitzt.

So oder so, sind solche Sprüche ziemlich armselig.

Individuell muss zwar keine explizite Behindertenfeindlichkeit bestehen, aber solche Aussprüche sind ein Zeichen für unterschwellige Verachtung in unserer Gesellschaft.

Und wie häufig höre ich zum Beispiel von Jugendlichen – selbst wenn ich mit meinem weißen Stock in der Hand neben ihnen in der U-Bahn stehe – Sätze wie „Das ist voll behindert!“

„Behindert“ ist also ein Synonym für etwas schlechtes, negatives. Das fühlt sich für Menschen mit Behinderung nicht gut an, kann manchen aufs Gemüt schlagen, kann sich wie eine Abwertung anfühlen. Manch ein Leser mag jetzt sagen, das sei übertrieben. Aber wenn man als Betroffener ein Leben lang den Begriff der Behinderung immer nur negativ besetzt wahrnimmt, prägt sich das ein, schleicht sich ins Unbewusste und wirkt – ob man will oder nicht.

Insofern ist dies ein Appell für einen bewussteren Umgang mit Sprache: Behindert, geisteskrank oder blind sind keine Schimpfworte, so einfach ist das!

House of Ghosts: Dunkellesungen in Köln und Leipzig

Frank Reifenberg und Heiko Kunert auf der Bühne
Autor Frank M. Reifenberg kann nur bei Licht vorlesen, Heiko Kunert übernimmt, dank Brailleschrift, im Dunkeln

Im vergangenen Jahr erschienen in Deutschland 89.506 Bücher, in Blindenschrift aber nur 500. Die Versorgungslücke ist so groß, dass die Weltblindenunion von Büchernot spricht. Auch von den Kinder- und Jugendbüchern wird nur ein Bruchteil in die Punktschrift übertragen. Ein Kinder- und Jugend-Roman, der übersetzt wurde, ist Frank Maria Reifenbergs „House of Ghosts – Das verflixte Vermächtnis“.

Der Autor und ich machen in diesem Jahr mit gemeinsamen Lesungen auf die Büchernot aufmerksam und informieren über das Thema Blindheit. Vor allem aber hoffen wir, die junge Zuhörerschaft mit einer spannenden, aber auch humorvollen Story zu unterhalten.

Wie es sich für eine anständige Geister-Geschichte gehört, spielt „House of Ghosts“ natürlich hin und wieder im Dunkeln. Da liegt der Gedanke nah, auf der Bühne das Licht auszuschalten. Da Frank dann mit dem Vorlesen überfordert ist, hat er mich ins Boot geholt – dank Brailleschrift kein Problem.

Die nächsten Termine: