Blog-Aktion: Mein Blog hat eine Stimme

Die Blogosphäre ist ein bunter Ort. Hier tummeln sich die unterschiedlichsten Menschen. Sie informieren, kritisieren, diskutieren aufgeregt oder nachdenklich. Sie veröffentlichen spannende, lustige, aufrüttelnde Texte, posten Fotos und Filme. Meist steht ein Mensch hinter einem Blog, gibt ihm ein ganz persönliches Gesicht. Viele Blogger stehen mit ihrem Gesicht zu ihrem Blog, begrüßen die Leser mit einem Lächeln, einem ganz persönlichen Blick. Wenn Sie, liebe Blind-PR-Leser, sehen können, dann vermittelt Ihnen dieses Bild häufig einen ersten Eindruck von dem Blogger, dessen Tagebuch Sie angeklickt haben. Er oder sie wirkt auf Sie sympathisch, lustig, vielleicht aber auch kühl oder abweisend.

Blogs haben zwar ein Gesicht, aber meist keine Stimme. Das möchte ich mit einer kleinen Blog-Aktion ändern. GEBEN SIE IHREM BLOG EINE STIMME – Ihre Stimme. Die Stimme vermittelt Ihren blinden und sehbehinderten Lesern einen Eindruck von Ihnen – ersetzt sozusagen ein Foto. Und auch Ihre sehenden Fans werden sich über eine zusätzliche Dimension, ein bisschen mehr Lebendigkeit in Ihrem Blog freuen. Mein Vorschlag: Veröffentlichen Sie in Ihrem Blog – am Besten auf der Start- oder der Über-Mich-Seite – einen Audiofile mit Ihrer Stimme. Dabei ist der Fantasie keine Grenze gesetzt. Sie könnten z. B. Ihre Leser kurz begrüßen, oder Sie lesen einen Text vor, Sie könnten singen oder einen Vortrag von sich posten, vielleicht nehmen Sie auch eine Alltagssituation oder ein Reiseerlebnis auf und veröffentlichen es. Meine Stimme können Sie übrigens hier hören. Wenn Sie nun Lust haben, an meiner Blog-Aktion teilzunehmen, dann posten Sie doch bitte den Link zu Ihrer Blog-Stimme als Kommentar unter diesen Beitrag. Und toll wäre natürlich auch, wenn Sie meine Idee in die Webwelt tragen, damit schon bald viele, viele Blogs eine Stimme bekommen.

Blindengeld: Großdemo in Kiel

Da es meinen heimischen PC nach allen Regeln der Windows-Kunst zerlegt hat, kann ich derzeit nur recht sporadisch bloggen. Ich möchte Ihnen aber zumindest schon jetzt den 16. Oktober ans Herz legen. Bitte kommen Sie an diesem Tag nach Kiel und unterstützen Sie die sehbehinderten und blinden Schleswig-Holsteiner in ihrem Kampf für den Erhalt des Landesblindengeldes. Lesen Sie hierzu im Folgenden den Demonstrationsaufruf des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein.

Aufruf zur Demonstration am 16. Oktober in Kiel!

wir rufen Sie zur Demonstration am 16. Oktober in Kiel gegen die geplante Halbierung des Blindengeldes in Schleswig-Holstein auf!

Es geht auf die Straße! Am Samstag, den 16. Oktober, findet in der Landeshauptstadt eine Demonstration im Rahmen der Kampagne „Hände weg vom Blindengeld“ statt, zu deren Teilnahme bundesweit aufgerufen wurde.

Die Teilnehmer der Demonstration sammeln sich ab 12 Uhr auf dem Vorplatz des Kieler Hauptbahnhofs. Gegen 13 Uhr startet der Protestzug und führt uns ca. 1 Km durch die Innenstadt zum Rathausplatz, wo eine Abschlusskundgebung geplant ist. Veranstaltungsende ist spätestens 17 Uhr.

Wir rufen alle Mitglieder, Freunde und Bekannte des BSVSH auf, Gruppenreisen per Bus oder Bahn zur Blindengeld-Demo nach Kiel zu organisieren. An der Seite des BSVSH werden unter anderem der Paritätische Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein und der Sozialverband Deutschland stehen. Um die Allianz der Blindengeldkämpfer noch zu verbreitern, laufen weitere Gespräche. Mit dem Rückhalt der Selbsthilfe aus ganz Deutschland möchte der Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein (BSVSH) den Druck auf die Politik erhöhen und lautstark gegen die drohende Halbierung des Landesblindengeldes protestieren.

„Schleswig-Holstein ist überall“, sagt die DBSV -Präsidentin Renate Reymann. „Wenn wir uns hier nicht erfolgreich zur Wehr setzen, werden andere Landesregierungen folgen und ebenfalls versuchen, unseren Nachteilsausgleich zu stutzen. Das können wir nicht zulassen. Auf Deutschland rollt eine Sparwelle von nie da gewesenem Ausmaß zu. Deshalb müssen wir jetzt klarmachen: Das Blindengeld darf nicht zu einem Notgroschen für klamme Landesregierungen verkommen. Der Blindengeldkampf in Schleswig-Holstein geht uns alle an und fordert uns alle heraus. Lassen Sie uns gemeinsam kämpfen für eine soziale Leistung, die auch ganz aktuell von der Behindertenrechtskonvention gefordert wird.“

Die Farbe der Demo ist Gelb, so wie bei allen Aktivitäten der Kampagne „Hände weg vom Blindengeld“. Wer noch ein gelbes Protest-T-Shirt mit dem Kampagnenlogo oder eine gelbe Baseball-Kappe braucht, kann seine Bestellung an die Geschäftsstelle des BSVSH richten und damit auch die Kampfkasse des Vereins etwas aufbessern (für Mitglieder des BSVSH ist die Ausstattung kostenlos).

T-Shirts sollten möglichst bis 04. Oktober bestellt werden, damit keine Lieferengpässe entstehen (gern nehmen wir Ihre Bestellung auch auf unserer Messe „Einblick-Ausblick“ am 02. und 03. Oktober in Neumünster entgegen und teilen solange der Vorrat reicht, T-Shirt und Baseball-Kappe aus). Für Personen, die nicht Mitglied im BSVSH sind beträgt der Solidaritätsbeitrag je T-Shirt 10 Euro.

Wir zählen auf Ihre Unterstützung!

Für meine Hamburger Leser gibt es noch einige praktische Anreise-Infos auf bsvh.org. Also, wir sehen uns in Kiel!

Perspektiven (12): Von unsozialen Kürzungen und beruflichen Chancen

Schleswig-Holsteins Landesregierung aus CDU und FDP will das Blindengeld halbieren. Marc von Kopylow hat für die Lübecker Nachrichten eine 80jährige blinde Frau befragt, wofür sie den finanziellen Nachteilsausgleich benötigt. Dabei wird eines klar: Eine Kürzung bedeutet weniger Selbstständigkeit und weniger Teilhabe am gesellschaftlichen Leben:

Während die Kasse nur normale Lupen finanziert, braucht Wera Zimmermann spezielle Lupen, die sich auch noch schnell verbrauchen. Eine sprechende Körperwaage und sprechenden Uhren, ein Monokular, eine Fernsehlupenbrille und eine Brille mit Kantenfiltergläsern musste Zimmermann komplett selbst bezahlen. Das Bildschirmlesegerät erleichtert der Schwarzenbekerin vieles, doch länger als eine halbe Stunde schafft sie sich nicht durch die wackelig zu lesenden Großbuchstaben von normalen Texten zu hangeln. Oft sind ihr da schon zehn Minuten zu anstrengend. Und Bilder lassen sich nur dort anschauen. Von ihrer Kasse, so erzählt sie, hätte es nur ein Schwarz- Weiß-Gerät gegeben, mit schlechten Einstellmöglichkeiten. Zimmermann musste für bunte Bilder und bessere Bedienung des Gerätes 1000 Euro dazu bezahlen. Regelmäßige Kosten entstehen dadurch, dass Zimmermann eine Hilfe braucht, die sie zum Einkaufen fährt und ihre Wohnung reinigt. Und zweimal im Jahr gönnt sich die alleinstehende Frau für jeweils zehn Tage eine Fahrt in ein Blindenhotel in Timmendorf. Das kostet mit etwas Programm jeweils um die 750 Euro. Für Zimmermann, deren Töchter weit weg wohnen, ist das die Chance, ihre vier Wände zu verlassen und unter Menschen zu kommen, die Verständnis für ihre starke Sehbehinderung haben. Zimmermann weiß, dass immer mehr alte Leute von Blindheit betroffen sind. Sollte die Halbierung des Blindengeldes kommen, verbleiben ihr nur 83 Euro im Monat.

Viele nichtbehinderte Menschen können sich nur schwer vorstellen, wie sehbehinderte und blinde Menschen Ausbildung und Beruf meistern. Dass mit den geeigneten Hilfsmitteln und in einem Klima der Offenheit sogar Topleistungen möglich sind, zeigt folgende Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung vom 3. September 2010:

Fachangestellter für Medien und Informationsdienste von der IHK ausgezeichnet Peter Hahling, sehbehinderter Auszubildender des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte, hat den besten Abschluss als Fachangestellter für Medien und Informationsdienste (FaMI) seines Jahrgangs in Hessen erreicht. Für seine herausragenden Leistungen wurde er gestern Abend von der Industrie und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main ausgezeichnet. Im Rahmen eines Festaktes wurden insgesamt 230 Absolventinnen und Absolventen aller IHK-Ausbildungsberufe des Bezirks Frankfurt, die mit sehr gut bestanden haben, geehrt.

Schon seit 15 Jahren bildet das DIPF Blinde und Sehbehinderte aus und kooperiert dabei eng mit der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Die behinderten Auszubildenden sind bestens integriert und die Bedingungen sind hervorragend, beschreibt Peter Hahling die Grundlage des Erfolgs. Während seiner Lehrzeit profitierte er beispielsweise von Computern mit Spezialsoftware oder verschiedenen Vergrößerungshilfen. Seit 1995 haben am DIPF 18 Blinde oder Sehbehinderte ihre Ausbildung zum FaMI oder ihr Volontariat zum Wissenschaftlichen Dokumentar gemeistert.

2006 erreichte die blinde Auszubildende Ursula Hartmann sogar den besten FaMI-Abschluss in ganz Deutschland. Ob dies Peter Hahling möglicherweise erneut gelungen ist, steht noch nicht fest. Die Ehrung der bundesweit besten Auszubildenden erfolgt im Dezember in Berlin. Zunächst freut sich der FaMI aber erst einmal, dass er direkt im Anschluss an seine Ausbildung vom DIPF übernommen wurde.

In „Perspektiven“ stelle ich lesenswerte Beiträge rund um Augenerkrankungen, Sehbehinderung und Blindheit vor. Viele weitere Linktipps erhalten Sie von mir via Twitter.