Zu Gast im Inklusions-Podcast

Ich war zu Gast im wunderbaren Inklusions-Podcast. Constantin Grosch und ich sprechen über Blindheit, Sehbehinderung, fehlende Barrierefreiheit beim Zugang zur Literatur und im Web. Außerdem widmen wir uns der Inklusion an Schulen, dem Blindengeld in Zeiten des Bundesteilhabegesetzes und der Geschichte der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe. Die Folge könnt Ihr auf inklusions-podcast.de hören. Danke, Constantin, für die Einladung! Hat sehr großen Spaß gemacht – nur der HSV-Teil hätte ruhig etwas länger ausfallen können.;-)

Social Media und Selbsthilfe (2): Die Nische besetzen

Am 4. Juli 2013 fand in Düsseldorf das Forum Verbandskommunikation mit dem Themenschwerpunkt Social Media statt. Ich war als Referent eingeladen. „Social Media und Selbsthilfe: Zwischen Authentizität und kleinem Budget“ hieß mein kurzer Vortrag, auf dessen Grundlage ich hier im Blog eine kleine Serie veröffentliche. Im ersten Teil ging es um Authentizität als Chance.

Themen wie Blindheit und Sehbehinderung gelten in klassischen Medien häufig als Rand-Themen. umso wichtiger ist für eine Selbsthilfe-Organisation wie dem Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) die Präsenz im Internet. Mit Social Media steigt zum einen die Auffindbarkeit im Web. Zum anderen haben wir unseren Verein Stück für Stück als Experten für unsere Nische aufgebaut.

Das heißt aber nicht, dass wir dank Facebook-Profil plötzlich die breite Masse erreichen. Eine Nische bleibt eine Nische – auch im Social Web. So haben wir aktuell 317 „Gefällt Mir“-Angaben. Darunter ist aber ein Kern sehr interessierter Menschen. Dazu gehören von Blindheit oder Sehbehinderung Betroffene, Vereinsmitglieder, Studierende der Blindenpädagogik, einige meiner eigenen Facebook-Freunde und Interessierte. Diese Heterogenität ist eine Herausforderung für unsere Social-Media-Strategie.

Wir liefern via Facebook Infos über die Themenfelder Behinderung, Inklusion, kündigen unsere Veranstaltungen an und verweisen auf neue Artikel auf unserer Website. Und wir rufen unsere Fans zu Aktionen auf.

Daneben ist der BSVH auch auf Twitter aktiv. Derzeit folgen uns 2.076 Accounts. Die veröffentlichten Inhalte sind ähnlich wie auf unserer Facebook-Seite. Beim Aufbau von Social Media gab es in meinem Fall viel Learning by Doing. So hat sich unser Twitter-Profil aus meinem persönlichen Account @HeikoKunert entwickelt. Dort hatte ich schon früh Links zu interessanten Artikeln rund um Blindheit, Sehbehinderung und Augenerkrankungen gepostet. Das große Interesse daran zeigte mir, dass die Inhalte auch für ein Twitter-Profil des Vereins geeignet waren.

Es ist eine Social-Media-Binsenweisheit: Interaktion ist auf Facebook, Twitter und Co. entscheidend, will man dort erfolgreich sein. Leider sind die personellen Ressourcen von Selbsthilfe-Organisationen hierfür häufig zu begrenzt.

Im nächsten Teil dieser Serie geht es um das kleine Budget als Herausforderung.

Social Media und Selbsthilfe (1): Authentizität als Chance

Am 4. Juli 2013 fand in Düsseldorf das Forum Verbandskommunikation mit dem Themenschwerpunkt Social Media statt. Ich war als Referent eingeladen. „Social Media und Selbsthilfe: Zwischen Authentizität und kleinem Budget“ hieß mein kurzer Vortrag, auf dessen Grundlage ich hier im Blog eine kleine Serie starte. Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Es gibt so Tage, an denen ärgere ich mich über aufgedrängtes Mitleid. Ich werde im Alltag häufig gefragt, ob ich Hilfe brauche, beim Einsteigen in die U-Bahn, beim Überqueren einer Straße usw. Auf mir vertrauten Wegen brauche ich diese Hilfe in der Regel nicht. Ich habe in einem Orientierungs- und Mobilitätstraining gelernt, wie ich mich mit meinem weißen Blindenstock und meinem Gehör orientieren kann. Das können sich die meisten sehenden Menschen verständlicherweise nicht vorstellen.

Daher antworte ich immer freundlich „nein, danke. Das geht so“ o.Ä. Leider gibt es immer wieder Menschen, die mir das nicht glauben und dann trotzdem meinen Arm greifen, mich zur U-Bahn-Tür schieben. Das kann auch mal nerven. Auch Mitleidsbekundungen wie „Sie Armer. So ein junger Mann… Wie schrecklich…“ wollen wir Menschen mit Behinderung nicht ständig hören.

Nach einer solchen alltäglichen Begebenheit habe ich mir in meinem Blog einmal Luft gemacht: „Umgang mit behinderten Menschen: Euer Mitleid kotzt mich an“ heißt der Post aus dem Jahr 2010. Sie werden vielleicht sagen, das ist nicht sehr wohl formuliert, vielleicht zu provokativ. Dennoch brachte der Artikel auf den Punkt, was sehr viele Menschen mit Behinderung alltäglich erleben und was sie fühlen. Das zeigten auch die durchweg positiven Kommentare der Betroffenen. Allerdings gab es auch viele kritische Kommentare von nichtbehinderten Menschen, die sich angegriffen fühlten. Auf jeden Fall war dies der meistdiskutierte Artikel in meinem Blog – bis heute mit 289 Kommentaren.

Der Artikel wurde u.A. im BILDblog verlinkt, war Platz 1 in den deutschsprachigen WordPress.com-Charts, erschien inzwischen in einem Schulbuch und ist bis heute der am häufigsten aufgerufene Artikel in meinem Blog. Insbesondere über den Suchbegriff „Umgang mit Behinderten“ landen viele Menschen via Google bei diesem Artikel.

Mit einer authentischen Alltagserfahrung konnten viele Menschen erreicht werden, die ansonsten mit den Themen Blindheit/Sehbehinderung keine Berührungspunkte hatten.

Im nächsten Teil dieser kleinen Serie geht es um das Besetzen von Nischen im Web.

DVBS-Selbsthilfetage: Inklusion, Android, Vorstandswahlen

Vom 17. bis 19. Mai 2012 fanden in Marburg die Selbsthilfetage des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) statt. Im Zwei-Jahres-Rhythmus treffen sich Mitglieder der Selbsthilfe-Organisation in der Lahn-Stadt. Das Themen-Spektrum reichte diesmal von der Inklusion bis zur Zugänglichkeit von Android-Handys – und ein neuer Vereinsvorstand wurde auch noch gewählt.

Selbsthilfe und Inklusion

Ein engagiertes und humorvolles Plädoyer für mehr Inklusion hielt Aktion-Mensch-Vorstand Martin Georgi. Menschen mit und ohne Behinderung würden von einer inklusiven Gesellschaft profitieren. Die große Herausforderung für eine Organisation wie Aktion Mensch sei es, den Begriff Inklusion für Jedermann verständlich zu machen. Viele Menschen hielten die Vision einer inklusiven Gesellschaft für nicht realisierbar. Georgi verwies dagegen auf die Emanzipation der Frauen. Heute ist es für uns normal, dass Frauen die Fächer studieren können, die sie wollen, und einem Beruf nachgehen. Bis vor wenigen Jahrzehnten war das noch eine Ausnahme. So könne sich auch das Verständnis von Behinderung ändern. Dafür brauche es aber einen langen Atem.

Die UN-Behindertenrechtskonvention habe in Deutschland schon einiges verändert, so Georgi. Allerdings dürften wir nicht darauf warten, dass der Gesetzgeber die Inklusion einfach umsetze. Im Gegenteil: Der nationale Aktionsplan der Bundesregierung sei eine Enttäuschung gewesen. Inklusion koste auch Geld. Die Mittel hierfür müssten erstritten werden. So hätten am 5. Mai – dem Aktionstag für Gleichstellung und gegen Diskriminierung behinderter Menschen – über 600 Veranstaltungen für mehr Barrierefreiheit in Deutschland stattgefunden, unterstützt von der Aktion Mensch.

Für mich hat Georgis Vortrag noch einmal deutlich gemacht, dass Inklusion nicht nur ein Umdenken bei der nichtbehinderten Mehrheit verlangt, sondern auch bei uns Menschen mit Behinderung. Georgi forderte, dass sich Förderschulen für nichtbehinderte Schüler öffnen sollten. Und er verwies darauf, dass die Aktion Mensch im Rahmen ihrer Inklusionskampagne ausschließlich Projekte fördert, die Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen. Dieser Ansatz bedeutet, dass sich auch Selbsthilfe-Organisationen wie die Blinden- und Sehbehindertenvereine stärker als bisher öffnen müssen, dass sie ihren Teil zu einer inklusiven Gesellschaft, zu mehr Miteinander statt Nebeneinander beitragen können – und müssen, wenn sie zukunftsfähig sein wollen.

Android und Barrierefreiheit

Nachdem Apples iPhone schon seit einigen Jahren für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich ist, werden auch Smartphones mit dem Betriebssystem Android zunehmend barrierefrei. Damit steigt auch das Interesse an diesem Thema. „Aktueller Stand der Zugänglichkeit mobiler Endgeräte mit Android Betriebssystem“ hieß ein Vortrag von Willi Lutzenberger von der Firma ProTak. Ab Android-Version 4 ist nun auch ein Screenreader mit Sprachausgabe standardmäßig Bestandteil der Software. Der Vortrag machte deutlich, dass dies ein großer Schritt zu mehr Barrierefreiheit bedeutet, dass die Bedienbarkeit aber noch nicht so ausgereift ist wie bei Apples VoiceOver. Dafür hat der Android-Nutzer mehr Möglichkeiten der Anpassung, so hat er die Wahl zwischen unterschiedlichen Screenreadern und unterschiedlichen Stimmen. Außerdem können sehbehinderte Nutzer Sprachausgabe und Vergrößerung gleichzeitig nutzen, was Apple nicht bietet. Mehr Infos zum Thema Android und Accessibility gibt es von Oliver Nadig im TuKSuB-Podcast: Teil 1, „Einrichtung des Telefons“ und Teil 2, „Grundlegende Einstellungen“.

Wahl-Ergebnisse

Der DVBS-Vorstand ist weiblicher geworden. Der Hamburger Karsten Warnke war nicht erneut angetreten – er hatte dem fünfköpfigen Vorstand zwölf Jahre angehört. Neu im Team als Beisitzerin ist Ursula Weber aus Dresden. Als 1. Vorsitzender wiedergewählt wurde Uwe Boysen (Bremen), zweiter Vorsitzender (und damit Nachfolger von Karsten Warnke) ist Heinz Willi Bach aus Marburg. Als weitere Beisitzer bestätigt wurden Andrea Katemann (Marburg) und Uwe Bruchmüller (Möser).

Auch im Leitungsteam der DVBS-Fachgruppe Medien, dem ich die letzten vier Jahre angehörte, gab es Veränderungen. Mein Nachfolger als Gruppenleiter wurde der Kelkheimer Stefan Müller. Ich selbst hatte aus beruflichen Gründen auf eine erneute Kandidatur verzichtet.