Sonntag auf der Bühne: Gestrandet in Bombay

Vielleicht ist es die letzte Chance, unser aktuelles Stück live zu erleben. Die Blinden Passagiere stehen an diesem Sonntag, 26. Oktober 2014, endlich wieder in Hamburg auf der Bühne, nach krankheitsbedingter Pause nun auch wieder mit mir als Capitano. „Gestrandet in Bombay – Die See-Revue mit Schlagern der 50er Jahre“ beginnt um 15 Uhr. Veranstaltungsort ist der Hamburgsaal (Haus U) im Berufsförderungswerk Hamburg. Eingeladen wurden wir vom Freundeskreis Pflegeheim Farmsen. Karten kosten im Vorverkauf 10 Euro, vor Ort 12 Euro. Erhältlich sind die Tickets im Weinshop im EKT (Berner Heerweg 173) und im Seniorenzentrum Pflegen und Wohnen (August-Krogmann-Str. 100).

Blinde Passagiere: eine berauschende Seepremiere

Das wollte ich schon immer mal erleben: beim Umziehen – verschwitzt im Kreise der ebenso verschwitzten Ensemble-Kollegen – von der Kultursenatorin in der Umkleidekabine ein Lob für unseren Auftritt bekommen. Im Ernst: die Unterstützung und Anerkennung, die die Blinden Passagiere inzwischen von Kulturpolitik und zunehmend auch von den Medien erfahren, tun gut. Sie und der Applaus auf der ausverkauften MS Bleichen entschädigen für die teilweise nervenraubenden Proben, für das ständige Wiederholen ein und derselben Szene, das permanente Umordnen von Abläufen in letzter Minute, für die Proben-Abende, die für mich keine Feierabende waren. Wenn aber die Aufführung beginnt, ich höre, dass die Lacher der Zuschauer immer lauter werden, der Szenenapplaus immer häufiger und langanhaltender wird, wenn die Energie durchs Ensemble fließt, alle noch eine Schippe drauf legen, spielerische Gags hinzukommen, dann ist das berauschend.

Ein Musical mit Schlagern der 50er Jahre, das auf einem alten Frachter spielt, im umgebauten Frachtraum des 50er-Jahre-Schiffs MS Bleichen zu spielen, ist schon ganz besonders. Und als wir gestern zusammen mit dem Publikum auf einer Barkasse zurück Richtung Landungsbrücken fuhren, der Schiffsmotor brummte, es leicht schaukelte, der Abendwind um unsere Nasen wehte und Hamburgs Hafen um uns herum leuchtete, da war bei uns nur ungläubiges Staunen: Über die Lautsprecher erklang unsere frisch fertiggestellte CD. Konnte es einen schöneren Ort und einen passenderen Zeitpunkt geben, diese erstmals zu hören?

Sie können „Blinde Passagiere“ heute um 19:30 Uhr und Samstag und Sonntag um 17:30 Uhr auf der MS Bleichen erleben. Dort können Sie auch das Album erwerben. Von jeder verkauften CD gehen zwei Euro als Spende an den Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg.

Blinde Passagiere: Volle Kraft voraus

Es wird. Die blinden Passagiere nehmen Fahrt auf, Richtung der Auftritte im Juli. Unser Ensemble aus blinden, sehbehinderten und sehenden Schauspielerinnen und Schauspielern spielt vom 8. bis 11. 7. auf der MS Bleichen. Unser See-Musical mit Schlagern der 50er Jahre spielt auf einem alten Frachtschiff. Da passt die MS Bleichen im Museumshafen Hamburg Veddel perfekt als Spielort. Davon geträumt hatten wir bei unserer Besichtigung des Schiffes im vergangenen Jahr. Dass es jetzt wirklich klappt, freut mich sehr.

Den Besucher erwarten tolle Stunden im Hafen. Eine Barkasse nimmt das Publikum an den Landungsbrücken an Bord und fährt es zum Auftrittsort. Dort kann man mit Blick auf die Elbe ein Gläschen trinken. Dann gibt es unser Stück im umgebauten Frachtraum und schließlich die Rückfahrt zu den Landungsbrücken. Mehr Infos zum Stück und dem Event gibt es auf unserer neuen Homepage www.blindepassagiere.org. Dort können Sie auch gleich Eintrittskarten bestellen. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie dabei wären.

Bis dahin ist noch viel zu tun. Die Promotion-Maschinerie ist bereits angelaufen: Hunderte Plakate hängen in der Stadt, Infoscreens in den U-Bahnen werben für die Aufführungen, wir hatten ein Foto-Termin mit dem Hamburger Abendblatt und wir waren im NDR Hafen-Konzert. Letzteres war ein echter Spaß! Da sangen wir in der ältesten Radio-Sendung der Welt mit 250.000 Zuhörern. Das war aufregend. Dass unser kleines Theater-Projekt sich so entwickeln würde, hätte ich 2008 nicht erwartet. Und als wäre das alles noch nicht genug, nehmen wir am kommenden Wochenende eine CD in einem Hamburger Tonstudio auf. Dazu später mehr.

Theater: Blinde Passagiere suchen neuen Hafen

Blinde Passagiere
Blinde Passagiere

Theater öffnet Räume: Räume der Freude, der Erinnerung und der Begegnung. „Blinde Passagiere“ sind bisher dreimal in See gestochen. In der Kultur Bühne Bugenhagen spielten fünf sehbehinderte und blinde und fünf sehende Schauspieler ein Musical mit Liedern der 50er Jahre. Dabei war auch der Autor dieser Zeilen als Kapitän des italienischen Frachters Tantici II.

Die Erleichterung von Regisseur Jörn Waßmund und der Crew war groß, als die zahlreichen Besucher lachten, mitsangen und frenetisch jubelten. Nach fünf Monaten Proben wurde uns erst bei den Aufführungen wirklich klar, dass das Stück funktionierte, dass es beim Publikum Erinnerungen an Kindheit und Jugend wach rief und dass es Spaß und Freude verbreitete. Und ganz nebenbei zeigt es, dass eine Behinderung keine Rolle mehr spielt, wenn man zusammen an einem Ziel arbeitet.

„Die Darsteller sind bei den Proben für die beiden Stücke weit über sich hinausgewachsen und zu einem eingespielten Team geworden, sodass es auf jeden Fall weiter gehen soll“, sagte Jörn Waßmund im TAZ-Interview. Damit es weitergehen kann, brauchen wir Ihre Hilfe: Haben Sie Kontakte zu Bühnen, die „Blinde Passagiere“ zu einem Gastspiel einladen könnten, haben Sie andere Ideen für originelle Auftrittsorte für ein See-Musical oder kennen Sie Theater-Begeisterte und -Schaffende, die Sie auf unser besonderes Ensemble aufmerksam machen können? Ich freue mich auf Ihre Ideen und Anregungen in den Kommentaren oder per E-Mail.