Im Gedenken an Fräulein ReadOn

Mir ist Marie Sophie Hingst mit den Jahren ans Herz gewachsen. Ich mochte ihre melancholischen Texte in ihrem Blog, ihre Sprache, ihre Komik und ihre Menschlichkeit. Wir folgten uns auf Twitter. Sie war eine der Wenigen, die auf Twitter zuverlässig ihre Fotos mit einer Bildbeschreibung für blinde Menschen versahen. Sie hatte mich mal hierzu um Feedback gebeten. Meine Frau hatte hin und wieder Kontakt mit ihr, seit sie beim von Marie Sophie initiierten Hashtag #KunstgeschichteAlsBrotbelag mitgemacht hatte und es auch in das gleichnamige Buch geschafft hatte. Marie Sophie, das Fräulein ReadOn, fragte im Januar, ob sie jemand bei der Goldenen-Blogger-Verleihung vertreten könne. #KunstgeschichteAlsBrotbelag war als Hashtag des Jahres nominiert. Meine Frau hatte Lust, und so fuhren wir Dank Marie Sophie zur Verleihung nach Berlin. Bei unserer nächsten Dublin-Reise wollten wir drei uns auf einen Tee treffen. Hierzu wird es nicht mehr kommen. Marie Sophie wurde in dieser Woche begraben. Diese ganze traurige Geschichte, ihre schönen Texte, ihre Lügen, ihre wahrscheinlich erkrankte Seele, die Art und Weise wie herablassend manche nach ihrer Enttarnung über sie schrieben, auf Twitter oder im Spiegel, ihr wahrscheinlicher Selbstmord. Das alles beschäftigt mich, vielleicht mehr als es sollte. Aber es ist einfach so, man lernt Menschen im Internet kennen, nimmt wahrscheinlich noch viel weniger von ihnen wahr als im echten Leben, aber doch schimmern die Menschen hinter der digitalen Fassade durch. Und hinter ddem medialen Getöse um sie, hinter ihrem Lügen, hinter ihrer Literatur war Marie Sophie ein Mensch, den es jetzt nicht mehr gibt. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass sie in einer humaneren Welt noch leben würde.

Ruhe in Frieden, Fräulein ReadOn!!!

Hilfsmittel für Blinde: Die sehende Perspektive in den Medien

Hilfsmittel und Apps für blinde Menschen gibt es mittlerweile viele. Die Berichterstattung über sie fällt jedoch häufig unkritisch und überschwänglich aus. Bei Leidmedien.de habe ich mich an einer Einordnung versucht. Hier geht es zu meinem Artikel „Gadgets lassen Blinde nicht wieder sehen“.

Journalismus inklusiv: Freundliche Übernahme bei der taz

Menschen mit Behinderung sind im deutschen Journalismus unterrepräsentiert. Umso erfreulicher ist die Aktion der Tageszeitung taz, die am 2. Dezember 2016 eine komplette Ausgabe von Autorinnen und Autoren mit Behinderung schreiben ließ. Behinderte Fotografen lieferten das Bildmaterial. Die „freundliche Übernahme“ fand anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung statt und ist für den hiesigen Journalismus ein bedeutsames Signal für mehr Teilhabe auch am Medienbetrieb. Hoffentlich wird es zukünftig selbstverständlicher, dass Menschen mit Behinderung In Redaktionen und als freie Journalisten tätig sind – und das nicht nur als Autoren fürs Thema Behinderung.

Ich selbst durfte zur taz.mit Behinderung fünf Artikel beitragen: Sie befassten sich mit der Auswirkung einer Sehbehinderung auf die Angehörigen der Betroffenen, mit der mangelhaften Versorgung mit Blindenschriftbüchern, mit dem Fehlen von Barrierefreiheit im Web, mit Barrieren in Arztpraxen und mit ungewollten Berührungen im Alltag.

Herzlichen Dank an Leidmedien.de und die taz für dieses großartige Projekt!

Behinderung in den Medien: Workshop beim NDR

Wie werden Menschen mit Behinderung in den Medien dargestellt? Welche Vorurteile haben Einfluss auf Berichterstattung und fiktionale Formate? Und wie sollte die Darstellung sein? All diesen Fragen widmete sich ein Workshop beim NDR. Raul Krauthausen und Lilian Masuhr von Leidmedien.de und ich haben Positiv- und Negativbeispiele vorgestellt und mit den Workshop-Teilnehmern diskutiert. Infos und Stimmen zum Tag finden Sie auf bsvh.org und auf ndr.de.