Facebook und Twitter: Tools für Barrierefreiheit im Web

Wenn blinde Menschen soziale Medien wie Twitter und Facebook nutzen, stoßen sie hierbei immer wieder auf Barrieren. Es gibt aber auch positive Entwicklungen. Meinen Beitrag über aktuelle Tools für mehr Barrierefreiheit im Netz finden Sie auf leidmedien.de.

Lieber @HSV, wann wird Deine Website barrierefrei?

Fußball-Fans haben es nicht immer leicht. In meinem Fall kommt erschwerend hinzu, dass mein Vater leidenschaftlicher FC-Bayern-Anhänger war und dass ich 1976 geboren wurde. Diese unglückliche Gemengelage brachte es mit sich, dass ich in einer Zeit meine Trotzphase durchlebte, in der Bayern und der Hamburger Sportverein große Rivalen im Kampf um die Deutsche Meisterschaft waren. Was soll ich sagen? Seitdem bin ich HSV-Fan.

Und das ist, wie gesagt, nicht immer ganz leicht. Der Sieg von Athen 1983 war ja noch recht hübsch oder der DFB-Pokal-Erfolg 1987. Die vier Jahre Dauerkarte von 1997 bis 2001 hatten auch ihren Reiz – zumindest hatte man zweiwöchentlich einen Grund, sich zu besaufen.

Aber die letzten Jahre… Die Spiele der Schmach gegen Bremen in 2009 und die Relegationen 2014 und 2015 waren echt übel. Das Bangen, das Leiden, angespannt, mit Kopfhörern und dem Sport1.fm-Kommentar im Ohr auf dem Sofa. Fluchend, am Ende vor Glück jubelnd. Das war die Hölle für mich – und wohl auch für meine Frau und unsere Katze.

So, lieber HSV! Ich mach hier diesen ganzen Quatsch jetzt seit fast 40 Jahren mit – und von 90 Mio. € Schulden und verlorenen Rucksäcken haben wir ja noch gar nicht gesprochen – und da dachte ich, dass es Dir gut zu Gesicht stehen würde, mal etwas zurückzugeben. Ich liebe Twitter – und Du ja seit vorigem Jahr auch. Zumindest hat Dein Social-Media-Team ordentlich zugelegt. Es beantwortet inzwischen auch Fragen: Welche Spieler verletzt sind, ob das Training öffentlich ist.

Ich dachte mir, ich frag mal, ob Du, lieber HSV, als größter Sportverein der Stadt mit Deiner Tradition und alledem nicht mal Deine Website überarbeiten willst, so, dass auch blinde Menschen wie ich diese nutzen können.

Vielleicht weißt Du ja gar nicht, dass wir mit Hilfe von sog. Screenreadern auch im Web surfen – sei es am Windows-PC oder mit dem iPhone. Eine Sprachausgabe liest die Inhalte vor, auf einer Braillezeile erscheint der Bildschirminhalt in Blindenschrift und was für sehende Menschen die Maus, sind für mich Tastenkombinationen.

Damit das aber richtig funktioniert, müssen Regeln beim Erstellen der Website berücksichtigt werden: Grafiken und Schaltflächen brauchen Alternativ-Texte, Überschriften müssen im HTML als Headlines ausgezeichnet werden usw. Das alles ermöglicht mir das eigenständige Surfen im Web.

Doch Deine Website, lieber HSV, Du mein einzigwahrer Lieblingsverein bis in den Tod, Deine Website ist eine Katastrophe, was ja auch wieder irgendwie zum Fußball der letzten Jahre passt. Allein schon die Vorschaltseite, die mich in Empfang nimmt, signalisiert: „Blinder Nutzer, Du musst leider draußen bleiben“. Dabei zeigt Dein Konkurrent Wolfsburg, dass so eine Vorschaltseite auch so gestaltet sein kann, dass der Screenreader erkennt, wohin die angezeigten Links führen. Aber mal ehrlich, wen interessiert denn Wolfsburg?

Ich frag Dich also über Twitter, ob Du nicht barrierefrei werden willst. Und ich biete Dir auch gleich die Lösung für Dein Problem an. Wir vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg betreiben eine Beratungsstelle für barrierefreies Internet (der Werbeblock: Wenn Sie, Ihre Agenturen, Ihre Unternehmen barrierefreie Websites haben und damit die 150.000 blinden, 1,2 Mio. sehbehinderten und 10 Mio. behinderten Menschen in Deutschland erreichen wollen, dann melden Sie sich bitte bei mir, Sie finden mich auf Twitter). Wir könnten Dir, lieber HSV, also helfen, im Web endlich barrierefrei zu werden.

Aber leider reagierst Du nicht auf dieses grandiose Angebot. Kein Reply, kein Like. Gut kann ja mal untergehen, denke ich, vielleicht hatte gerad der Praktikant Dienst. Also, frage ich nach, nochmal via Twitter. Wieder nix, keine Antwort.

Also, nicht gerade das, was man eine klassische Erfolgsgeschichte nennt. Aber vielleicht wird sie das ja noch, wenn ich die Geschichte in meinem Blog veröffentliche und Sie diese über Twitter fleißig verbreiten – vielleicht reagiert der HSV ja dann. Und wenn nicht, muss ich meinem geliebten Lieblingsverein wohl doch einen Brief schreiben – ist halt ein Traditionsclub.

(Dieser Text war mein Beitrag zum Galaabend der Social Media Week 2016)

Contao Konferenz: So surfen blinde Menschen

Barrierefreiheit ist zwar für viele Webentwickler kein Fremdwort mehr, dennoch bleiben die Accessibility-Regeln häufig abstrakt, da der persönliche Austausch mit behinderten Menschen fehlt. Daher war ich sehr erfreut über die Einladung zur Contao-Konferenz, auf der ich am Freitag (29. Mai 2015) zeigen konnte, wie ich als blinder Mensch das Internet nutze.

Zu diesem Anlass hat mich Dennis Thomas von der Lüneburger Landeszeitung interviewt. Einleitend schreibt er:

Wie man sich als Blinder im Internet bewegt, wissen die meisten Menschen nicht. Auch die Entwickler von Webseiten nicht. Bei der vom Lüneburger Joe Ray Gregory organisierten zweitägigen “Contao Konferenz 2015″ im Hotel Seminaris, die heute beginnt, wird als einer von 31 Referenten Heiko Kunert sprechen. Der Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg referiert vor den Teilnehmern aus dem Entwicklerbereich zum Thema “Blind im Netz Zwischen Freiheit und Barrieren”. Kunert ist seit dem siebten Lebensjahr blind. Im LZ-Interview berichtet er, wofür er als Blinder das Internet nutzt, welche Hilfsmittel er einsetzt und welche Schikanen ihn auf schlecht durchdachten Internetseiten besonders nerven.

Das vollständige Interview können sie auf landeszeitung.de nachlesen.

Blog-Relaunch: Neue Seiten und Widgets auf Blindpr.com

Einer meiner guten Blogvorsätze für dieses Jahr war, diese Seite etwas aufzufrischen. Aufgrund meiner plötzlichen Krebs-Erkrankung mussten meine Vorhaben für 2014 etwas warten, aber zumindest der Blind-PR-Relaunch ist nun weitgehend abgeschlossen. Neben einem neuen Layout, das auch einige Verbesserungen hinsichtlich Barrierefreiheit bietet, finden Sie auch einige neue Inhalte und Widgets.

Dieser Blog stellt nun – noch mehr als ohnehin schon – das Zentrum meiner Onlineaktivitäten dar. Daher habe ich mehrere neue Seiten erstellt, auf denen ich mich Ihnen vorstelle. Neben der „Heiko Kunert persönlich“-Seite finden Sie nun auch ein berufliches Profil von mir. Des Weiteren finden Sie eine Seite „Heiko Kunert als Experte“, auf der Sie eine Liste von Vorträgen, Workshops u.Ä. entdecken können, die ich bereits angeboten habe. Außerdem gibt es nun einen verlinkten Pressespiegel, eine Auswahl meiner journalistischen Texte und eine Liste meiner weiteren Onlineprofile. Und schließlich stelle ich die Themen dieses Blogs auf einer eigenen Seite vor.

Ein weiteres Ziel des Relaunchs war es, Ihnen das Stöbern im Blog zu erleichtern. Sie finden daher in der rechten Seitenleiste nun einige neue Widgets. Neu ist das Blind-PR-Archiv, das Ihnen die Artikel nach Monaten sortiert zugänglich macht. Außerdem finden Sie eine Schlagwörter-Wolke mit 75 Tags, die Sie zum Blättern im Blog nutzen können. Natürlich gibt es auch weiterhin – ebenfalls in der rechten Seitenleiste – die Blind-PR-Suche, eine Liste der Top-Beiträge und eine der neuesten Kommentare. Auch alle Möglichkeiten zum Verfolgen dieses Blogs finden Sie rechts, ganz oben: Sie können Blind-PR weiterhin per E-Mail abonnieren bzw. mit Ihrem WordPress.com-Account verfolgen oder die RSS-Feeds nutzen. Neu ist, dass Sie mein Blog nun auch mithilfe der Blogbox-App abonnieren können.

In der Hauptseitenleiste, links, finden Sie nun meine neuesten Audioboos und Tweets, außerdem die neuesten Posts aus dem Inklusionsblog der Aktion Mensch. In der Fußleiste schließlich finden Sie nun meine About.me- und Gravatar-Profile und die Facebook-Seite des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg.

Ich hoffe, Ihnen gefallen die neuen Inhalte und Funktionen. Wie immer freue ich mich auf Ihr Feedback in den Kommentaren oder per E-Mail.