Elbphilharmonie: Stufenmarkierungen anbringen!

Ein so prestigeträchtiges Gebäude wie die Elbphilharmonie muss für alle Hamburgerinnen und Hamburger – auch die 3.000 blinden und rund 40.000 sehbehinderten Menschen – gefahrlos zugänglich sein. Den Worten der Verantwortlichen müssen jetzt schnell Taten folgen und normgerechte, gut sichtbare Stufenmarkierungen angebracht werden. Wir hoffen, dass die Elbphilharmonie nicht nur architektonisch und musikalisch Maßstäbe setzt, sondern auch bei der Barrierefreiheit.

(Heiko Kunert, Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg, über gefährliche Stolperfallen in der Elbphilharmonie)

Perspektiven (17): Vom Behinderungs-Ballast befreien

Im Internet wird allerlei Lesenswertes zu den Themen Blindheit, Sehbehinderung, Barrierefreiheit und Inklusion veröffentlicht. Vieles davon geht im Social-Media-Nachrichtenstrom unter und findet kaum Beachtung. Ab sofort findet Ihr in unregelmäßigen Abständen in dieser Rubrik wieder Links, Tweets, Facebookposts oder Youtube-Videos, bei denen sich das Anklicken lohnt – ich schwör.

Berufs- und Uni-Alltag als Mensch mit geringem Sehvermögen kann ganz schön stressig sein. Einen offenen und ehrlichen Einblick gibt es im Sehungeheuer-Blog. „Was bleibt und sich den ganzen Tag nicht verdrängen lässt, ist die Frage: Bist Du gut genug für diesen Job in der akademischen Elite? Jeder Angriff auf Deine Arbeit, jeder Fehler, den Du begehst, muss erst mal von dem Behinderungs-Ballast befreit werden“, heißt es da.

Der weiße Stock ist für die meisten blinden Menschen der Alltagshelfer #1. Jennifer Sonntag erinnert er an Sanitätshaus. Sie findet, dass ein bisschen mehr Mode und Lifestyle unseren Hilfsmitteln gut tun würde. Das Akzeptieren der eigenen Behinderung würde dann leichter fallen.

Die Elbphilharmonie sieht gut aus, sagen die Meisten. Allerdings fehlen beim Treppendesign wohl die Stufenmarkierungen. shz.de berichtet jedenfalls von ersten Unfällen. Für sehbehinderte Menschen sind kontrastreiche Stufenmarkierungen ein Must Have, für die Star-Architekten Herzog & de Meuron wohl nicht.

Apropos, Elbphilharmonie: Über meinen letzten Blogpost wurde fleißig bei Facebook diskutiert. Dabei ging es auch um die Elphi. Die Journalistin Christiane Link schrieb da: „Die Hamburger sind so besoffen, was dieses Gebäude angeht, dass die Definition von Barrierefreiheit („grundsätzlich ohne fremde Hilfe“) offensichtlich nicht mehr gilt. Dann ist es plötzlich ok, dass man vom Restaurant nicht alleine zum barrierefreien WC kommt, es im Café nur Stehtische gibt und in der teuersten und größten Preisklasse laut Saalplan keine Rollstuhlplätze. Darum geht’s eigentlich, nicht um den Ton oder die Sprache der Behindertenbewegung, sondern um Beleidigung eines Wahrzeichens.“

Dass wir Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen einander noch viel mehr zuhören, noch mehr miteinander diskutieren und – wenn’s sein muss – auch mal streiten sollten, haben der großartige Raul Krauthausen und ich neulich bei einem Kaffee festgestellt.

Danke, Raul, Du machst mich schwach.

Mehr Lieblingslinks findet Ihr auf meinem Twitter-Profil.

Leitstreifen für blinde Menschen: Bitte Weg frei!

Hamburgs Hauptbahnhof ist unübersichtlich: Täglich nutzen ihn 500.000 Menschen. Es gibt 14 Gleise, dazu die Stationen der vier U-Bahn-Linien. Ich behalte den Überblick dank der weißen Leitstreifen. Unterschiedliche Boden-Indikatoren weisen den Weg. Mit meinem Stock kann ich sie ertasten. Rillen- und Noppenplatten warnen vor Bahnsteigkanten und Treppen, leiten durch die Wandelhalle und führen zum gewünschten Gleis. Gerade in der großen Halle ist es schwer, Geräusche exakt zu orten. Auch kann ich mich nicht an Wänden orientieren, da hier Bäcker, Fahrkarten-Automaten und Menschenschlangen sind.

Die Leitstreifen sind ein Segen. Sie sind aber häufig versperrt. Menschen stehen plaudernd auf ihnen, Gepäck und Kinderwagen werden darauf abgestellt. Für mich ist das ein Problem. Habe ich den Streifen einmal verloren, um einem Hindernis auszuweichen, ist es nicht immer möglich, ihn in der wuseligen Halle wiederzufinden. Außerdem bin ich darauf angewiesen, die sog. Abzweigefelder mitzubekommen. Diese zähle ich, um zum richtigen Bahnsteig zu gelangen.

Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund hat anlässlich der Woche des Sehens eine Aktion am Münchener Hauptbahnhof durchgeführt. Blinde Aktivisten verteilten am 14. Oktober 2016 Postkarten an sehende Passanten, die über die Funktion der Boden-Indikatoren aufklärten. Das Motto sprach mir aus dem Herzen: „Bitte Weg frei!“

Galaabend: 15 Hamburger und ihre Tweets

Der große „Ein Tweet und seine Geschichte“-Galaabend findet statt am 26. Februar um 18 Uhr. Er ist Teil der diesjährigen Social Media Week Hamburg. Martin Fuchs – seines Zeichens Hamburger Wahlbeobachter – beschreibt das Konzept des Abends so:

Nach inoffiziellen Schätzungen soll es in Hamburg ca. 470.000 Twitternutzer geben. Wir haben uns 15 davon ausgesucht und bringen sie aus dem Netz auf die Bühne der Markthalle. Inspiriert vom wunderbaren Format 140 Sekunden (AVE/Blinklichten Produktion) soll jeder Twitterati einen seiner Lieblings-Tweets der letzte Jahre und die Geschichte hinter den 140 Zeichen präsentieren. Warum hat er den Tweet damals gesendet? Was hat er dabei gedacht & gefühlt? Was ist danach passiert? Wie waren die Reaktionen? Und warum denkt er/sie heute noch an diesen Zeilen?

Ich freue mich sehr darüber, einer der 15 Hamburgerinnen und Hamburger zu sein, die über ihren Tweet erzählen dürfen. Noch mehr würde ich mich über Ihren Besuch in der Markthalle freuen. Seien Sie gespannt, über welchen meiner aktuell 13.409 Tweets ich plaudern werde – ich bin es auch.;-) Für die Veranstaltungen der Social Media Week können Sie sich hier anmelden. Der Eintritt ist frei.