Blindengeld: Sparkurs alternativlos

Die NDR-Journalistin Dagmar Pepping hat auf meinen Brief reagiert. Sie schrieb mir heute:

Sehr geehrter Herr Kunert,

vielen Dank für Ihren Brief. Es tut mir leid, dass Ihnen mein Kommentar zum Sparpaket der schleswig-holsteinischen Landesregierung nicht zugesagt hat.

Sie schreiben, ich hätte in meinem Kommentar die Kürzung des Landesblindengeldes „begrüßt“. Dem ist keineswegs so. Ich habe in meinem Text lediglich diverse Sparvorhaben der Koalition aufgezählt: Neben der Streichung des kostenlosen 3. Kitajahres, der Heraufsetzung des Pensionsalters für Polizisten auch die Kürzung des Landenblindengeldes. Ob diese einzelnen Vorhaben gerechtfertigt bzw. sozial ausgewogen sind, habe ich in meinem Kommentar nicht bewertet. Dass die Landesregierung einen strikten Sparkurs einschlägt, um Schleswig-Holstein vor der Pleite zu retten, halte ich jedoch für alternativlos.

Selbstverständlich wird NDR Info in den kommenden Monaten die Details des Sparpaketes kritisch beleuchten und hinterfragen, ob die Maßnahmen angemessen sind oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen,

Dagmar Pepping

Redakteurin NDR Info

Blindengeld: Antwort auf einen NDR-Kommentar

Es gibt manchmal Kommentare in den Medien, die kann ich nur als zynisch bezeichnen. Konkret hat mich ein Kommentar des NDR zu den Sparplänen in Schleswig-Holstein dazu bewogen folgende Mail an die Redakteurin Dagmar Pepping zu verschicken:

Sehr geehrte Frau Pepping,

ich nehme Bezug auf Ihren Kommentar zu den Sparplänen in Schleswig-Holstein . Sie begrüßen hierin u.A. die drastische Kürzung des Blindengeldes. Ich selbst bin blind.

Sie schreiben u.A., dass Schleswig-Holstein über seine Verhältnisse gelebt habe. Das trifft beim Blindengeld definitiv nicht zu. Im Gegenteil: der dringend benötigte Nachteilsausgleich fällt mit 400€ bereits jetzt deutlich niedriger aus als der im Sozialgesetzbuch definierte Mehrbedarf von rund 600€. Das Blindengeld wurde bereits mehrfach gekürzt.

Ihrer Bewertung der Sparpläne liegt zugrunde, dass Sie sagen, dass alle Bürger betroffen seien. Ich bezweifle aber, dass dies gleichermaßen für alle Betroffenen gilt. Während z. B. die Landespolitiker mit dem späteren Pensionsalter und geringeren Diäten sicherlich auch weiterhin ein menschenwürdiges Leben führen können, wirkt sich eine Halbierung des Blindengeldes in Sachen Selbstständigkeit der blinden Menschen deutlich negativer aus. Ganz praktisch bedeutet das, dass man sich weniger oder keine Blindenschriftbücher mehr kaufen kann (sie kosten rund das Zehnfache von Schwarzschriftbüchern), man nicht mehr das Theater oder Konzerte besucht, weil man sich keine Begleitperson mehr leisten kann, aus demselben Grund nicht mehr verreist. Man kann nicht länger selbstständig zum Arzt, zu Behörden oder zu Freunden fahren, weil man sich kein Taxi mehr leisten kann.

Über 40 Prozent der blinden Menschen sind 80 Jahre und älter. Die allermeisten von ihnen sind erst im hohen Alter erblindet. Für sie ist der Verlust des Augenlichts eine persönliche und seelische Krise. Das Blindengeld kann ein bisschen dazu beitragen, aus dieser Krise herauszukommen. So können die Betroffenen z. B. davon sprechende Uhren oder Küchenwaagen usw. kaufen. und somit einen Teil ihres bisherigen Lebens eigenständig fortführen.

Ich wünsche mir, dass Sie und NDR Info diese konkreten Auswirkungen der Sparpolitik ebenfalls thematisieren. Gern stehe ich Ihnen hier in meiner Funktion als zuständiger Mitarbeiter für die Pressearbeit beim Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg mit Infos zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Heiko Kunert

TV-Beitrag: Blind Shoppen

Blind Kleidung zu kaufen, ist nicht immer ganz leicht: unübersichtliche Kaufhäuser und überforderte Verkäufer können den Shopping-Spaß schnell verderben. In einem Beitrag zeigen die RTL-Journalistinnen Laura Schneider und Frauke Steffens, dass es auch anders gehen kann. Einkaufsbegleiterinnen im Kaufhof, Online-Shops oder eine Modenschau des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg, bei der die Kundinnen anfassen dürfen, können Sie sich in dem sehenswerten TV-Beitrag anschauen.

Web 2.0: Bloggen ohne Barrieren

Mitmachen steht im Zentrum des Web 2.0: Posten, kommentieren, Vernetzen. Gerade für Menschen mit einer Behinderung bietet das Internet enorme Chancen. Sie können Kontakte knüpfen, auf ihre Situation aufmerksam machen und auf einer Augenhöhe mit nichtbehinderten Usern kommunizieren. Ich bin blind. Mein Computer spricht und hat eine Braillezeile – ein Gerät, das den Bildschirminhalt in Blindenschrift ausgibt. Ich blogge über Kultur, den Alltag als blinder Mensch und über meine Arbeit beim Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg
. Und ich lese gern Blogs. Damit ich das kann, sollten sie barrierefrei sein. Wie Sie Ihr Blog barrierefrei bekommen, können Sie in meinem Gastbeitrag auf julia-emde.de nachlesen. Ich danke Julia herzlich fürs Veröffentlichen.