Aufbruch zu neuem Denken: ARD Alpha über Inklusion

„Aufbruch zu neuem Denken – Herausforderung Inklusion“, unter dieser Überschrift stand gestern das alpha-Forum extra auf ARD Alpha. In der Sendung diskutierten die Diversitätssoziologin Prof. Dr. Elisabeth Wacker, der Präsident des Bayerischen Bezirkstags Josef Mederer und ich über Inklusion in Deutschland. Die Moderation hatte Zuhal Soyhan. Aktuell können Sie die Sendung in der BR-Mediathek ansehen oder hier nachlesen.

Fragwürdiges Happy End: Blindheit in Literatur und TV

Die Darstellung von Blindheit in Literatur, TV und medialer Berichterstattung bewegt sich zwischen Mitleid und Bewunderung. Und sie ist immer noch nicht frei von Stereotypen. Da sind die „Superblinden“, die auf keinerlei Hilfe angewiesen sind, deren verbleibende Sinne extrem geschärft sind, die überaus musikalisch und frei von jeder Oberflächlichkeit sind. Und auf der anderen Seite gibt es die hilflosen Blinden, die keinen Schritt allein gehen können, die ein Leben in absoluter Dunkelheit führen, die traurig und wütend sind und sich nach ihrem Sehen sehnen.

Oft wird die mit Blindheit verbundene Ausgangslage in Filmen, Serien und Büchern in einem Happy End aufgelöst. Ulrike Backofen vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg hat 266 Romane und Kurzgeschichten und 433 Spielfilme und Serien, in denen blinde Figuren auftauchen, systematisch nach Happy Ends durchforstet. Ihr spannendes Ergebnis können Sie in dem Artikel „Zwischen Mitleid und Happy End: Blindheit in Literatur und TV“ nachlesen, den Ulrike Backofen und ich verfasst haben. Der Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift „Horus“ (Heft 2/2013), die vom Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf und der Deutschen Blindenstudienanstalt herausgegeben wird.

Fernsehen als Blinder: Sound aufregender als im Hörspiel

Blinde Menschen sehen fern. Christian Ohrens (26) beweist dies. Er studiert Medienwissenschaften an der Uni Hamburg. In einem Interview erklärt er mir, wie er als Blinder Filme analysiert, was er über die TV-Gewohnheiten blinder Jugendlicher herausgefunden hat und woher ein blinder DJ weiß, ob das Publikum tanzt.

Heiko: Christian, Du forschst zum Thema Fernsehen und bist blind. Woher kommt Dein Interesse am TV?

Christian: Das Interesse für Film und Fernsehen war schon immer da, nicht erst seit Studienbeginn. Ich bin in meiner Kindheit quasi mit allen damals vorhandenen Medien (Buch, Audiomedien, Fernsehen, Video, etc.) groß geworden. Meine Eltern haben mir, trotz meiner Blindheit, den Zugang zum Fernsehen und zu Filmen ermöglicht, sind mit mir ins Kino gegangen etc., auch wenn ich die Bilder ja nicht sehen konnte. Ich habe entweder viel alleine oder auch gemeinsam mit anderen (z. B. meinen Eltern) fern- oder Filme geschaut und so bin ich mit damaligen Kinderserien und –Filmen sowie dem „Familienprogramm“ dieser Zeit aufgewachsen, kenne viele Kinder-TV-Helden der 90er Jahre – was unter ebenfalls blinden Kindern, dies musste ich in meiner Schulzeit dann feststellen, bei Weitem nicht selbstverständlich war. Mich faszinierten bei Cartoons beispielsweise die Storys, Figuren, die Welten, in denen sie sich bewegten, aber auch Spielfilme und –Serien oder Shows zogen mich in ihren Bann, also alles das, was auch sehende Kinder unter Anderem vor die Glotze zieht, jedoch gab es noch einen weiteren Faktor. Ich musste schon damals feststellen, dass Film und Fernsehen soundtechnisch mehr aufregendes bieten konnte als manch damaliges Hörspiel. Natürlich habe ich Hörspiele gehört, keine Frage, und das nicht zu knapp. Doch konnten mich auch Filme und Fernsehserien früh begeistern und begeistern mich auch heute noch.

Ich bin übrigens erst verhältnismäßig spät mit Audiodeskription in Berührung gekommen, was anfangs daran lag, dass ich über derartige Angebote schlichtweg nichts wusste ich aber auch später anfangs nichts davon wissen wollte. Die Vorstellung, dass jemand, wie der Erzähler beim Hörspiel, in die Geräuschkulissen und die Filmmusik reinquasselt war mir ein Gräuel. Ich mag z. B. auch sehr gerne Hörspiele, die von ihrer Aufmachung stark am filmischen Sounddesign angelehnt sind und zum Teil ohne Erzähler auskommen. Das lässt viel Spielraum für die eigene Fantasie und Interpretation und ist somit nichts anderes, als wenn man einen Film ohne Audiodeskription sieht.

Heute nutze ich sowohl beides, Filme mit, als auch ohne Audiodeskription, da ich gemerkt habe, dass ein Hörfilm manchmal Dinge vermitteln kann, die auf der akustischen Ebene eher weniger oder überhaupt nicht greifbar sind. Jedoch sind die meisten Sendungen im Fernsehen und Filme, die ich mir anschaue, weiterhin ohne Audiodeskription, ich mache eine Filmauswahl auch nicht abhängig von solchen Faktoren, denn viele Filme und Serien sind viel zu schade, als dass ich auf sie verzichten müsste, bloß weil sie über keine Bildbeschreibung verfügen.

Heiko: Welche Themen interessieren Dich in Deiner Forschung besonders?

Christian: Das ist sehr vielfältig und ist schwer an ein bestimmtes Interessensgebiet festzumachen. Zum einen wäre da das oben bereits erwähnte Sounddesign eines Films, welches in der Medienwissenschaft sehr oft nur in Verbindung mit dem Bild analysiert wird, jedoch bei einem genaueren Blick sehr viel vielschichtiger und aussagekräftiger sein kann.

Das zweite große Thema ist die mediale Vermittlung von Menschenbildern, so z. B. die Verwendung von gängigen Klischees und Stereotypen in TV-Sendungen und was diese beim Zuschauer auslösen oder bewirken können. Jeder kennt das Beispiel des Blinden, welcher in einer Filmszene eine andere Person abtastet. Oder wer erinnert sich nicht an den „Wetten, dass…“ –Auftritt, bei dem ein Teilnehmer vorgab, Farben fühlen zu können. Wer noch nie mit einem Blinden zu tun hatte könnte jetzt denken, dass beide Situationen – auch wenn die erste nur fiktiv, d. h. für den Film erfunden ist -,, dass blinde Menschen so handeln. Dass ist nur ein kleines Beispiel unter vielen.

Dann wären da noch die Themen Nutzungsforschung und Programmanalyse – Ersterem habe ich mich ja in meiner Bachelor-Studie zugewandt, letzterem Thema widme ich mich derzeit in einem Forschungsprojekt, bei dem es, grob umrissen, um die Veränderungen im Kinderfernsehen in den letzten zwanzig Jahren geht.

Heiko: Viele Menschen können sich nur schwer vorstellen, wie man als Blinder Filme analysiert. Erzähl mal: Wie arbeitest Du konkret?

Christian: Die Basics zur Filmanalyse, also Grundkenntnisse über Erzählstrukturen, Kameraeinstellungen, Wirkung von Filmmusik etc., werden ja während der Seminare, die ich besucht habe bzw. besuche, vermittelt und anhand derer hangelt man sich dann entlang. Generell ist es so, dass mir die Filme, die wir uns innerhalb eines Seminars an der Uni anschauen, von einem Kommilitonen beschrieben werden. Diese Beschreibung geht jedoch oftmals weit über die rudimentären Audiodeskriptionen hinaus. Sie erfolgt synchron zur Filmhandlung, d. h. die Handlung am Bildschirm wird sofort und nicht erst in einer Dialogpause beschrieben und ist somit zwangsläufig genauer, da derjenige, der den Film beschreibt, nicht auf eine kurze Dialogpause im Film angewiesen ist. Neben der direkten Filmhandlung werden natürlich auch die Einstellungen und Perspektiven der Kamera beschrieben.

Es ist klar, dass ich nur schwer einen Film anhand der visuellen Ausgestaltung analysieren kann. Aber meistens wird die Analyse im Rahmen eines Referats im Seminar eh auf mehrere Teilnehmer aufgeteilt, d. h. ich kann einen Bereich auswählen, den ich dann analysiere. Das kann beispielsweise die Erzählstruktur sein, also Erzählperspektive, Personen, Ebenenwechsel wie z. B. in „Existence“, wo die Figuren in ein Computerspiel eintauchen etc. Hier spielen natürlich Dinge wie die visuellen Effekte und Kameraeinstellungen eine große Rolle, aber hier hilft es, wenn ich mir noch mal die zu analysierenden Szenen genau beschreiben lasse. Aber auch Dinge wie Sounddesign, Dialoge u. v. m. können Teil einer Filmanalyse sein.

Heiko: Du hast Dich unter Anderem mit den TV-Gewohnheiten blinder Kinder auseinandergesetzt. Was waren die zentralen Erkenntnisse Deiner Forschung?

Christian: Auch blinde Kinder und Jugendliche schauen fern und das in einem größeren Umfang, als der Sehende es vielleicht vermuten mag. Nicht nur für sehende Jugendliche ist Fernsehen Leitmedium, auch blinde junge Menschen schauen Soaps, Castingshows, Serien, Spielfilme, Nachrichten etc. Einziger Unterschied besteht in der Sendungsauswahl und der zeitlichen Zuwendung. Beides ist bei blinden Zuschauern ein wenig anders gelagert. Die Zeit, die blinde Zuschauer vor dem Fernsehen verbringen ist geringer als bei Sehenden. Bei der Sendungsauswahl wird hier mehr auf wortlastige Formate zurückgegriffen. Das Fernsehen ist auch bei blinden Jugendlichen Gesprächsthema, wobei sich einige Befragte auch mehr Austausch wünschen würden. Es dient primär zur Entspannung, bei der Informationsbeschaffung werden andere Medien bevorzugt.

Heiko: Oft tun sich Menschen im Gespräch mit uns Blinden schwer, das Wort Sehen in den Mund zu nehmen. Was antwortest Du denen?

Christian: Das Wort Sehen ist bereits durch so viele Begriffe in unsere Sprache integriert, dass es oftmals schwer ist, eine Alternative für ein Wort oder einen Ausdruck zu finden. Denn wenn man alle Wörter und Phrasen, die das Wort „Sehen“ beinhalten, umschreiben und durch andere Ausdrücke ersetzen würde, so würde eine eigene „Blindensprache“ entstehen und das ist ja am wenigsten sinnvoll. Denn wir Blinde benutzen die Ausdrücke ja auch. Aber viele sind ja vorsichtig, weil sie Angst haben, mit dem, was sie sagen, jemanden zu „verletzen“. Aber gesetz dem Fall, dass ein Blinder nicht mit seiner Blindheit umgehen kann und mit einem Ausdruck, welcher das Wort „Sehen“ beinhaltet, so seine Schwierigkeiten hat, so ist das ja nicht das Problem des Sehenden.

Heiko: Dein Leben besteht nicht nur aus der Uni. Du arbeitest als DJ. Wo kann man Dich hören und was legst Du auf?

Christian: Ich arbeite ja seit elf Jahren schon bei Lokalradios, zuerst in Marburg, seit 2005 ja hier in Hamburg. Auf TIDE 96.0 bin ich jeden Freitag ab 23:00 Uhr sowie auf einem kleinen berliner Internetradio (www.tm-productionradio.de) mit einer eigenen Sendung on Air, bei der ich Musik aus den verschiedensten Genres der elektronischen Musik spiele, Bands vorstelle und interviewe, über Konzerte berichte etc.

Zudem bin ich als DJ unterwegs und bin regelmäßig im Imoto, einer kleinen Bar in Ottensen alle zwei Wochen Mittwochs. Dort gibt es dann auch elektronische Musik auf die Ohren.

Heiko: Und noch eine Blinden-Frage: Kriegst Du eigentlich mit, wie Deine Musik im Club ankommt? Schließlich siehst Du ja nicht, wie viele Besucher zu den Sounds tanzen.

Christian: Niemand schweigt, wenn er – vor allem mit mehreren anderen – eine Bar oder einen Club besucht. Man hört ja, ob die Stimmen sich bewegen etc. Natürlich bin ich auch auf Feedback angewiesen, aber so lange niemand etwas verlauten lässt gehe ich immer davon aus, dass alles in Ordnung ist. Dies verschafft mir natürlich einen gewissen Spielraum für Experimente. Denn ich glaube, wenn ich sehen würde, wie die Leute sich zu bestimmten Titeln bewegen, würde ich vielleicht nur auf ähnliche Titel zurückgreifen und dafür Anderes, das aber stilistisch auch gut ins Set passen würde, gar nicht erst auflegen.

Heiko: Kann man Dich buchen?

Christian: Ja, das kann man, für Partys jeglicher Art. Und hier beschränkt sich die Musik nicht nur auf Electro und Ähnliches. Dies ist mein persönliches Steckenpferd, was aber nicht bedeutet, dass ich nicht in der Lage bin, auch andere Styles aufzulegen. Von 80s bis aktuell ist alles drin, wenn es gefordert wird auch Schlager oder, wer es ganz ausgefallen mag, auch z. B. Gothic.

Heiko: Werfen wir noch einen Blick in Deine Zukunft: Wie geht’s weiter mit Uni und dem DJ-Dasein?

Christian: Im Winter diesen Jahres werde ich meine Masterarbeit schreiben und abgeben, sodass ich im Februar 2012 mit der mündlichen Prüfung mein Masterstudium abgeschlossen habe. Tja, und dann? Ich habe gemerkt, dass mir Forschung sehr viel Spaß macht und werde natürlich versuchen, in diese Richtung irgendwo was passendes zu finden. Und wenn das nicht klappt, so könnte ich mir auch vorstellen, im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu arbeiten. Mein ursprüngliches Ziel, einmal zum Radio zu gehen und dort irgendwas im Musikbereich zu machen, habe ich größtenteils aufgegeben, denn ich habe während des Studiums festgestellt, wie Radio wirklich gemacht wird, vor allem der „Dudelfunk“ und das ist nichts, was mich wirklich anspricht. Da bleib ich lieber bei lokalen Kanälen. Da hat man zwar weniger Hörer, kann dafür aber seine Sendungen nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten.

Aber wer weiß schon, wo er einmal landen wird? Viele mögen diese Einstellung als ziellos abwerten. Aber es gibt so viele, die blindlinks auf ein einziges Ziel zusteuern, ohne die Abzweigungen am Wegesrand zu sehen.

Weiterführende Links

Christian on Air

Joana Zimmer im Interview: „Mein persönlichstes Album“

Heute erscheint „Miss JZ“, das neue Album von Joana Zimmer. Die blinde Sängerin spricht in einem Interview mit mir über ihre neue musikalische Seite, über ihre TV-Pläne und über den Umgang mit ihrer Behinderung. Alle Infos rund ums neue Album finden Sie auf missjz.com. Joana freut sich auf Ihre Freundschaftsanfragen bei Facebook.

Joana Zimmer

Heiko: Heute erscheint Dein neues Album „Miss JZ“. Was erwartet Deine Fans musikalisch und stilistisch?

Joana: Momentan bin ich häufig auf Promotion-Terminen. Da bekomme ich viel positives Feedback: „Internationaler Sound“ oder „Dein bestes Album“. Das freut mich sehr. Erstmals ist auch ein Song mit einem Rap-Part auf der CD. Und ich kann sagen, dass es mein persönlichstes Album ist. Es ist stimmungsvoll und zeigt eine neue Seite von mir, die ich bisher noch nicht in meiner Musik ausdrücken konnte.

Heiko: Du kommst ursprünglich vom Jazz. Vermisst Du manchmal, diese Musik zu performen?

Joana: Ich baue Jazz bis heute immer wieder in meine Liveshows ein. Als ich anfing mit der Musik, hatte ich noch keinen eigenen Stil. Da habe ich eben Songs nachgesungen. Ich liebe aber den modernen Sound. Meine Inspiration hole ich mir aus ganz verschiedenen Sparten. Ein Track auf meinem Album ist zum Beispiel von einem Bach-Präludium inspiriert. Ich halte nicht viel von Kategorisierungen in der Musik.

Heiko: Neben der Musik warst Du auch schon vor der Kamera zu sehen, z. B. in der Telenovela „Rote Rosen“. Steht Schauspielerei auch zukünftig auf Deiner To-Do-Liste?

Joana: Ja, auf jeden Fall. Das hat damals viel spaß gemacht. Ich habe früher auch Theater gespielt. Songs sind für mich wie kleine Theaterstücke. Bei „Rote Rosen“ mitzuspielen war wirklich witzig.

Heiko: Kürzlich warst Du für die Dokusoap „Verrückt nach Meer“ auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs. Die Sendung läuft voraussichtlich im Januar 2011. Wie war es auf hoher See und was bedeutet das Meer für Dich?

Joana: Ich liebe das Meer. Das war eine coole und spannende Erfahrung. Ich hatte vorher noch nie eine Kreuzfahrt mitgemacht. Eigentlich bin ich bei Dokusoaps etwas skeptisch. Aber „Verrückt nach Meer“ war eine tolle Möglichkeit, mich meinen Fans von einer persönlicheren Seite zu zeigen. Das Schiff hat schon ein bisschen geschwankt. Das war aber vergleichsweise harmlos. Toll waren die Landgänge. Wir waren in Indien und den Arabischen Emiraten. Ständig die TV-Kameras dabei zu haben war schon sehr speziell. Aber das Team war nett und rücksichtsvoll. Dennoch werde ich das jetzt sicher nicht ständig machen.

Heiko: Während der Reise hast Du u. A. das Helen-Keller-Institut in Mumbai besucht. Was ist das für eine Einrichtung?

Joana: Das ist eine Einrichtung für taubblinde Menschen. Wenn man in einem Land wie Indien zu den Nichtprevilegierten gehört und dann noch ein Handicap dazu kommt, hat man es sehr schwer. Wir haben auch eine Augenklinik besucht, was für die Zuschauer sicher spannend wird. Gezeigt wird zum Beispiel ein Junge, der im Krankenhaus geheilt werden konnte. Beeindruckend sind die Schilderungen seiner Mutter. Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass man den behinderten Menschen dort helfen kann. Ich finde es immer sehr ermutigend, dass das doch möglich ist. Daher bin ich auch Botschafterin der Hilfsorganisation Christoffel-Blindenmission.

Heiko: Im vergangenen Jahr bist Du beim Louis-Braille-Festival in Hannover und beim Fest der Sinne des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg aufgetreten. Welchen Stellenwert hat für Dich die Blindenschrift Louis Brailles und was hältst Du von den Selbsthilfe-Organisationen blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland?

Joana: Louis Braille ist einer der ganz, ganz Großen. Ich bin ein Punktschrift-Fan, obwohl ich natürlich auch hörbücher auf dem iPod höre. Eine Freundin von mir hat mir neulich einen langen Brief in der Brailleschrift geschickt, in dem sie Zu jedem Song des Albums etwas geschrieben hat. Den hatte ich auf meiner Reise dabei. Ich bin selbstverständlich Mitglied im Berliner Blinden- und Sehbehindertenverein, hab aber wenig Zeit, hier aktiv etwas zu machen. Ich versuche mit öffentlichen Auftritten für unsere Themen zu sensibilisieren.

Heiko: Du hast an einer Blindenschule Abitur gemacht. Im Musik- und TV-Geschäft arbeitest Du heute ständig mit sehenden Menschen zusammen. Ist Deine Behinderung für Dich und Dein künstlerisches Umfeld überhaupt noch ein Thema?

Joana: Eigentlich nicht. In Interviews werde ich immer wieder darauf angesprochen. Aber es hängt viel davon ab, wie man selbst damit umgeht, wie offen man ist. Als ich eine neue Promoterin bekam. hat sie erstmal mein Management angerufen und gefragt, ob sie etwas im Umgang mit mir berücksichtigen müsste. „Ja“, war die Antwort. „Buche für sie nur Nichtraucherzimmer.“ Ich rede ja offen über mein Handicap. Und so wurde meine Promoterin immer entspannter. Irgendwan kennt man sich. Und dann spielt die Behinderung keine Rolle mehr.

Heiko: Du bist im so genannten Web 2.0 unterwegs. Du hast einen Account bei Facebook und bist bei Twitter. Warum?

Joana: Ich mache das, um Kontakt zu meinen Fans zu halten. Ich kann sie Dank des Internets viel schneller updaten als früher. Das Web bietet da tolle Möglichkeiten. Für die Popularität einer Musikerin ist das Internet ganz, ganz wichtig. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich das Web 2.0 auch als Privat-Person so stark nutzen würde.