Behinderung, Medien und Gesellschaft: Blogger-Themen-Tage vom 1. bis 3. März

Morgen beginnen die Blogger-Themen-Tage „#EinfachSein Behinderungen, Medien und die Gesellschaft„. Hinter der Aktion stehen die Macherinnen und Macher von Quergedachtes, Autzeit und Aspergerfrauen. Sie schreiben zu ihrer Idee:

Einzelne Stimmen werden selten gehört, viele Stimmen finden Gehör! Viele Stimmen finden Gehör, wenn einzelne untergehen! Mit diesem Gedanken starteten vor einigen Tagen Überlegungen, einen Aktionstag zum Medien- und Gesellschaftsbild von Behinderungen zu machen. Herausgekommen ist die Idee der Blogger-Themen-Tage 2013! Viele Blogger möchten an mehreren Tagen zu einem Leitthema einen Beitrag leisten und so dazu beitragen, dass auch Themen und Blogger, die weniger „massentauglich“ sind, Gehör in der Gesellschaft und den Medien finden. Damit kein Chaos entsteht, haben wir uns entschlossen, ein Programm dazu zu machen. An den Themen-Tagen werden die Blogposts zu bestimmten, vorab festgelegten Uhrzeiten veröffentlicht. So kann man als Leser den ganzen Tag über immer wieder neue Eindrücke sammeln und neue Blogs kennenlernen. Natürlich sind die Blogposts auch nach den Themen-Tagen noch einsehbar.

Und hier können Sie das Programm der Blogger-Thementage nachlesen:

Das Programm klingt vielversprechend. Ich wünsche den Leserinnen und Lesern der Posts viele anregende Gedanken und Informationen und den Organisatorinnen und Organisatoren viel Erfolg mit ihrer tollen Aktion.

Sehende sind häufig unsicher, wenn sie auf blinde Menschen treffen. „Wie soll ich mich verhalten?“, fragen sie sich. Zehn einfache und verständliche Antworten auf diese Frage gibt es im Blindblog.

Blindblog

10 Tipps

10 Tipps zum richtigen Umgang mit blinden Menschen

1. Spreche so mit blinden Menschen, wie Du auch mit allen anderen Menschen sprichst. Nicht laut, denn ihr Gehör funktioniert. Direkt, nicht über die Begleitperson. Ohne Scheu, denn Worte wie „sehen“ oder „blind“ benutzen blinde Menschen selbstverständlich auch.

2. Biete blinden Menschen immer zuerst mündlich Deine Hilfe an. Wer wird schon gerne ohne Vorwarnung angefasst? Und ob man Hilfe braucht, weiß man selbst am Besten.

3. Führe einen blinden Menschen, in dem Du ihm Deinen Arm anbietest. Er wird sich an Deinem Ellbogen festhalten und Dir folgen, ohne dass Du ihm Richtungsänderungen mündlich mitteilen musst.

4. Beschreibe blinden Menschen einen Weg, als würdest Du mit ihm telefonieren: „Da“ und „dort“ liegen ihnen im Verborgenen. „Rechts“, „Links“ und hör-, riech- oder tastbare Orientierungspunkte helfen weiter.

5. Beschreibe mit Hilfe des Ziffernblattes einer Uhr, um einer blinden Person die Lage von Gegenständen…

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Seminar für Blinde und Sehbehinderte: Social Media in der PR

Nach knapp vier Jahren ging es am Sonntag wieder nach Frankfurt, an den Ort meiner PR-Ausbildung in die Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Ich war eingeladen, ein zweitägiges Seminar zum Thema „Social Media und Public Relations“ zu halten. Eine Gruppe von acht zukünftigen PR-Juniorberatern – alle sehbehindert oder blind – diskutierte engagiert und interessiert über Chancen und Risiken von Facebook und Co. Ich lieferte Grundlagen-Wissen und gab den Teilnehmern Tipps für den Umgang mit Barrieren im Web.

Ein bisschen aufgeregt war ich schon: Allein diese zwei kompakten Tage zu gestalten, war eine Herausforderung, zumal die Seminar-Teilnehmer sehr unterschiedliche Vorkenntnisse mitbrachten. Aber der Feedback-Runde zufolge haben alle viel gelernt und mitgenommen. Einige der zukünftigen PR-Profis haben sich bereits während des Seminars Blog-Adressen gesichert und Twitter-Profile eingerichtet. „Du hast mir ein Teil meiner großen Skepsis gegenüber Social Media genommen und mir gezeigt, welch große Bedeutung das Thema für die Unternehmenskommunikation hat“, sagte mir einer der Teilnehmer nach den zwei Tagen. Das freut mich sehr.

Und ich hoffe, dass alle acht Auszubildenden nach bestandener Prüfung eine berufliche Chance erhalten. Sie hätten es verdient. Sprich: Wenn Sie Arbeitgeber sind und einen PR-Profi suchen, dann stellen Sie doch einmal einen Mitarbeiter mit einer Sehbehinderung ein.

Die Presseagentur DAPD hat uns übrigens bei unserem Seminar besucht und einen ausführlichen Artikel veröffentlicht. Mehr Infos zur PR-Ausbildung erhalten Sie auch direkt bei der Stiftung für Blinde und Sehbehinderte.

Thommie Bayers Romane: Die Suche nach dem Glück

Es gibt Bücher, die sind leicht im Ton und stellen doch die ganz großen Fragen. Das gilt zum Beispiel für die Romane von Thommie Bayer. Zwei von ihnen kenne ich inzwischen, und beide haben mich sehr berührt.

Bayers neuestes Werk hat den traurig-schönen Titel „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“. Alte Schulfreunde treffen sich in der Mitte ihres Lebens wieder. Ihre gemeinsamen Tage in Venedig sind nicht spannungsfrei. Sie haben sich teils auseinandergelebt, sind sich fremd geworden. Alte Konflikte aus jungen Jahren haben sich manifestiert. Und doch liegt über allem eine Vertrautheit, wie sie nur eine gemeinsame Jugend in Freundschaft schaffen kann. Alle Vier sind sie auf ihre jeweilige Art gescheitert, gescheitert an der Liebe. Aber selbstverständlich gibt es – und das kann man von einem Buch wie diesem ja wohl auch erwarten – Hoffnung, Mut und vielleicht sogar neues Glück.

Glück hat der Ich-Erzähler in „Heimweh nach dem Ort, an dem ich bin“ schon lang nicht mehr erlebt. Früh in dieser charmanten Geschichte spürt der Leser, dass in der Vergangenheit des Helden wirklich üble Dinge geschehen sein müssen. Heute ist sein Leben beruflich und privat eingefahren. Es gibt wenige emotionale Ausschläge. Erst als er vor einem drohenden Skandal – er sieht sich Plagiatsvorwürfen (wie aktuell) ausgesetzt – aufs Land flieht, in einen Bungalow inmitten von Weinbergen und Tabakfeldern, da löst sich seine Erstarrung. In Zwiegesprächen mit Einer ihm zugelaufenen Katze und in einer beginnenden Freundschaft mit den Vermietern des Ferienhauses, findet er zu sich, zu seiner Geschichte und zu dem was zählt im Leben. Das ist nicht nur für den Erzähler befreiend, es lohnt sich auch für den Leser.