Seminar für Blinde und Sehbehinderte: Social Media in der PR

Nach knapp vier Jahren ging es am Sonntag wieder nach Frankfurt, an den Ort meiner PR-Ausbildung in die Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Ich war eingeladen, ein zweitägiges Seminar zum Thema „Social Media und Public Relations“ zu halten. Eine Gruppe von acht zukünftigen PR-Juniorberatern – alle sehbehindert oder blind – diskutierte engagiert und interessiert über Chancen und Risiken von Facebook und Co. Ich lieferte Grundlagen-Wissen und gab den Teilnehmern Tipps für den Umgang mit Barrieren im Web.

Ein bisschen aufgeregt war ich schon: Allein diese zwei kompakten Tage zu gestalten, war eine Herausforderung, zumal die Seminar-Teilnehmer sehr unterschiedliche Vorkenntnisse mitbrachten. Aber der Feedback-Runde zufolge haben alle viel gelernt und mitgenommen. Einige der zukünftigen PR-Profis haben sich bereits während des Seminars Blog-Adressen gesichert und Twitter-Profile eingerichtet. „Du hast mir ein Teil meiner großen Skepsis gegenüber Social Media genommen und mir gezeigt, welch große Bedeutung das Thema für die Unternehmenskommunikation hat“, sagte mir einer der Teilnehmer nach den zwei Tagen. Das freut mich sehr.

Und ich hoffe, dass alle acht Auszubildenden nach bestandener Prüfung eine berufliche Chance erhalten. Sie hätten es verdient. Sprich: Wenn Sie Arbeitgeber sind und einen PR-Profi suchen, dann stellen Sie doch einmal einen Mitarbeiter mit einer Sehbehinderung ein.

Die Presseagentur DAPD hat uns übrigens bei unserem Seminar besucht und einen ausführlichen Artikel veröffentlicht. Mehr Infos zur PR-Ausbildung erhalten Sie auch direkt bei der Stiftung für Blinde und Sehbehinderte.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und selbst blind. Er ist Vorstandsmitglied der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen, der Stiftung Centralbibliothek für Blinde, der Norddeutschen Blindenhörbücherei und der Erich-Quenzel-Stiftung. Er ist freier Journalist und engagiert sich für Inklusion und Barrierefreiheit.

3 Kommentare zu „Seminar für Blinde und Sehbehinderte: Social Media in der PR“

  1. Wünschenswert, dass sich das rumspricht. Braucht es denn eine spezielle Software, oder kannst du grundsätzlich mit der „normalen“ Ausstattung arbeiten? Ich frage, weil ich auch viel für und in PR-Agenturen arbeite und feststelle, dass man dort möglichst wenig in eine indivuelle Arbeitsausstattung investieren möchte.

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  2. … und noch was, hab ich gerade gefunden: http://kamaschaefer.wordpress.com/2013/02/02/blinden-sehbehinderte-und-horbehinderteo-interviewpartner-fur-ein-zukunftiges-projekt-gesucht/comment-page-1/#comment-9
    Es geht um ein Projekt des Hessischen Sozialministeriums, blinde, seh-/hörbehinderte, gehörlose Menschen in die freie Wirtschaft zu vermitteln. Der Blogger sucht im Rahmen dieses Projekts nach „sinnesbehinderten Interview-Partnern, die sich in einer unbefristeten Anstellung einer Firma der freien Wirtschaft befinden und die Probezeit bereits hinter sich haben bzw. die Selbstständig eine eigene Firma führen“.

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  3. Ich benötige eine besondere Software: einen sog. Screenreader. Das ist eine Software, die den Bildschirminhalt so umsetzt, das ihn mir eine Sprachausgabe vorlesen kann. Außerdem wird er auf einer Braillezeile ausgegeben. Hierbei handelt es sich um ein Gerät, auf dem der Bildschirminhalt zeilenweise in Blindenschrift ertastet werden kann. Diese Zusatz-Anschaffungen muss aber nicht der Arbeitgeber finanzieren, sondern das Integrationsamt, die Arbeitsagentur oder die Rentenversicherung. Der Arbeitgeber spart sogar häufig, wenn er blinde oder sehbehinderte Mitarbeiter einstellt, da für diese häufig Teile der Lohnkosten übernommen werden. Leider sind diese Fakten vielen Arbeitgebern nicht bekannt.

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