Wie werden Menschen mit Behinderung in den Medien dargestellt? Welche Vorurteile haben Einfluss auf Berichterstattung und fiktionale Formate? Und wie sollte die Darstellung sein? All diesen Fragen widmete sich ein Workshop beim NDR. Raul Krauthausen und Lilian Masuhr von Leidmedien.de und ich haben Positiv- und Negativbeispiele vorgestellt und mit den Workshop-Teilnehmern diskutiert. Infos und Stimmen zum Tag finden Sie auf bsvh.org und auf ndr.de.
Schlagwort: Journalismus
Tagung: Medien-Schaffende diskutieren über Inklusion
Beim Verwirklichen einer inklusiven und barrierefreien Gesellschaft kommt den Medien eine Schlüsselfunktion zu. Medien prägen das Verständnis von Behinderung maßgeblich, besonders in einem Land wie Deutschland, in dem Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung im Alltag leider immer noch die Ausnahme darstellen. Ob Teilhabe gelingt, hängt auch davon ab, wie sich das mediale Bild von Behinderung wandelt.
Sind behinderte Menschen Kuriositäten der Berichterstattung, bemitleidenswerte Menschen oder Superhelden? Werden sie auf ihre Behinderung reduziert, oder wird diese als eine Eigenschaft von vielen präsentiert? Wird die Verantwortung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft thematisiert, oder kommt die Darstellung über das Einzelschicksal nicht hinaus? Wird aufgeklärt, oder bedienen Sprache und Bilder vor allem Vorurteile?
Neben der Frage nach der Darstellung von Behinderung gehört zu dem Themenfeld Inklusion und Medien aber auch, ob Menschen mit Behinderung Zugang zu TV, Radio, Print und Web haben. Das Stichwort hier ist Barrierefreiheit. Soll gesellschaftliche Teilhabe gelingen, müssen wir uns informieren können, müssen wir an den Debatten in diesem Land teilnehmen können. Auch hier stehen wir in Deutschland erst am Anfang. So sind Inhalte in Gebärden- oder in leichter Sprache in den Medien die absolute Ausnahme. Hörfilme für blinde und sehbehinderte Menschen sind im öffentlich-rechtlichen TV zu selten, im Privatfernsehen gar nicht vorhanden. Im Internet stoßen behinderte Menschen immer wieder auf unüberwindbare Hürden.
Mit beiden Aspekten – der Darstellung von Behinderung und dem Zugang zu Medien – befasste sich kürzlich eine Tagung der Grimme-Akademie in Berlin. Am 26. September 2013 diskutierten über 150 Teilnehmer über Inklusion und Medien. Wissenschaftler, Journalisten und Schauspieler lieferten anregende Inputs. Ich selbst durfte in einem Workshop über Barrierefreiheit im Web berichten. Die Tagung zeigte, dass es viele offene Fragen zum Thema gibt. Da sehr viele – vielleicht zu viele – Themen angeschnitten wurden, war für Antworten Zuwenig Platz. Bleibt zu hoffen, dass es Folgeveranstaltungen gibt. Hoffentlich gelingt es dann, noch stärker nichtbehinderte Journalisten zu erreichen – und nicht primär die „Behinderten-Szene“.
Eine gelungene Link-Liste zur Tagung hat das MDR-Entwicklungslabor zusammengestellt. Die Tweets rund um die Tagung hat Christina Quast auf Storify gebündelt. Nachberichte und weiterführende Gedanken gibt es u.A. auf der Zapp-Website, in den Blogs von Franz-Josef Hanke und Christiane Link und beim Nachrichten-Portal Kobinet. Und schließlich waren Dr. Ingo Bosse, Andi Weiland und ich am Tag nach der Veranstaltung im Deutschlandfunk zu gast. Die Sendung können Sie auf der DLF-Website nachhören.
Behinderung in den Medien: vorurteilsbeladen, mitleidserregend, klischeehaft
Wie wird über Menschen mit Behinderung in den Medien berichtet? Zumeist „vorurteilsbeladen, mitleidserregend, klischeehaft oder einfach falsch“. Zu diesem Schluss kommen Christiane Link und Martin Ladstätter. Gemeinsam haben sie ein Medien-Watch-Blog gestartet. „Aufgerollt“ heißt es. In ihm dokumentieren und kommentieren die beiden Journalisten – sie sitzen selbst im Rollstuhl – Medien-Beiträge über Menschen mit Behinderung.
„Aufgerollt“ ist nach Leidmedien.de ein weiterer Versuch, für ein neues Bild von Behinderung in den Medien zu werben. Ist der Ansatz von Leidmedien.de aufklärerisch, ohne erhobenen Zeigefinger, so ist der „Aufgerollt“-Ton eher kritisch und kämpferisch. Sicherlich können Ladstätter und Link nicht für alle Menschen mit Behinderung sprechen. Ihre Texte sind „völlig subjektiv“, aber anregend sind ihre Posts allemal.
Journalismus und Behinderung: Tipps auf Leidmedien.de
Leidmedien.de ist online. Das Projekt der Sozialhelden ist ein Ratgeber über Sprache und Behinderung und wendet sich an Journalisten. Die Website gibt Tipps für eine angemessene Berichterstattung über Menschen mit Behinderung. Ein Besuch der Seite lohnt sich – nicht nur für Medienschaffende. Ich freue mich, dass auch ich mit einem Gastbeitrag vertreten bin. Ich wünsche Leidmedien.de viel Erfolg und viele Leser.