Wollen Sie hinzu lernen? Sind Sie interessiert an Infos und Wissen rund um die Themen Blindheit und Sehbehinderung? Na, klar. Sonst wären Sie ja nicht hier. Dann hab ich einen Tipp für Sie: Wir vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg haben eine Facebook-Seite erstellt. Hier veröffentlichen wir wohl dosiert spannende Links und mehr. Das Ganze ist noch im Werden, aber es wird. Also, wenn es Ihnen gefällt, was wir da so posten, dann klicken Sie auf „Gefällt mir“. Erstens machen Sie mich damit ein bisschen glücklicher, und zweitens – das ist für Sie wohl noch entscheidender – bekommen Sie dann unsere Beiträge in Ihrem Neuigkeiten-Strom bei Facebook angezeigt. Klicken Sie mal rein. Ihre Anregungen, Kritik und Fragen nehme ich wie immer gern entgegen. Ach ja, der Link fehlt noch. Er lautet www.facebook.com/BSVH.eV. Viel Vergnügen!
Schlagwort: Web 2.0
Audioboo: Social Media zum Hören
Dass ich als blinder Web-2.0-Fan schon beinahe naturgemäß ein großer Freund von Audio-Beiträgen im Netz bin, habe ich ja bereits in meiner Aktion „Mein Blog hat eine Stimme“ ausgedrückt. Eine weitere tolle Seite, die den Online-Alltag etwas akustischer macht ist Audioboo.com. Hier kann man – z. B. mit seinem Smartphone – kurze Audiofiles aufnehmen und hochladen, die dann von der geneigten Öffentlichkeit angehört werden können. Ich gehe seit einigen Tagen erste Schritte mit meinem Audioboo-Profil. Wenn Sie mögen schauen und hören Sie doch mal vorbei. Ich freue mich auf Ihr Feedback. Und vielleicht bekommen Sie selbst ja Lust, mal einen Boo zu posten.
Blind im Web: Sozialer Kontakte beraubt
Wie gelangen sehbehinderte und blinde Menschen an Informationen? Diesem Thema widmet sich das Jahrbuch des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV), das am vergangenen Sonntag in Hamburg vorgestellt wurde. In Reportagen, Kurzgeschichten und Interviews werden ganz unterschiedliche Aspekte beleuchtet: Ein Team von Hörfilm-Beschreibern wird bei seiner Arbeit begleitet. Ein Künstler, der Tastmodelle von Städten und Gebäuden aus Bronze gießt wird vorgestellt. Die Arbeit von Stadion-Kommentatoren wird lebendig, die sehbehinderten und blinden Fußball-Fans das Spielgeschehen schildern. Und selbstverständlich ist auch das Internet ein Thema.
Zwei Artikel widmen sich den Chancen und Risiken im Web. In meinem Beitrag schreibe ich u. A.:
Web 2.0 ist das Schlagwort für das Mitmach-Internet. Heute lesen wir nicht nur Homepages. Wir bringen uns aktiv ein. Auch ich bin mit Hilfe meines sprechenden Computers und einer Braillezeile im Internet. Ich lese und schreibe Kurzmeldungen auf Twitter, habe Freunde auf Facebook und schreibe in meinem Blog. (…) Im Internet ist es leicht, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Unsicherheiten zwischen Blind und Sehend spielen kaum eine Rolle. Das ist eine große Chance. Vorausgesetzt die Websites sind barrierefrei. Das ist nicht immer der Fall. Da tauchen bei Facebook plötzlich unbeschriftete Schaltflächen oder Grafiken auf, mit denen meine Sprachausgabe nichts anfangen kann. Und ich bin ausgegrenzt. Dennoch sollten sich sehbehinderte und blinde Menschen und ihre Vereine von diesen Hürden nicht entmutigen lassen. Aktuell besuchen 2,9 Mio. Bundesbürger Twitter. Das soziale Netzwerk Facebook kommt hierzulande aktuell auf 15 Mio. Besucher im Monat. Die deutschen Besucherzahlen steigen rasant, bei Twitter um 494% in einem Jahr, bei Facebook um 291%. Wenn sehbehinderte Menschen und ihre Selbsthilfe-Organisationen hier nicht präsent sind, schließen sie sich von einem wichtigen Teil der Gesellschaft aus.
Anders sieht das Eckhard Seltmann. Der 59Jährige ist seit rund 20 Jahren blind. Er nutzt selbst das Web, sieht aber die Gefahr der Vereinsamung blinder Menschen vor ihrem Rechner. Und er verweist darauf, dass der ganz überwiegende Teil der Betroffenen, nämlich die sehbehinderten Senioren, gar nicht online ist:
Viele ältere Menschen sind einfach nicht mehr willens oder in der Lage, sich mit den zum Standard erhobenen Hochtechnologieprodukten wie Computer, Netbooks, Handys oder MP3-Playern auseinanderzusetzen. Weil ihnen deren Funktionsweise nicht eingängig ist, weil sie mit den Programmvorgaben nicht zurecht kommen, weil sie von vornherein schon die Tasten- und Bedienungsvielfalt abschreckt. Und dann die immer neuen englischen Wortschöpfungen! Server, Explorer, Browser, Homepage, Link, Download, Mailbox, SMS, – herrje, was verbirgt sich bloß alles dahinter? (…) Die andere, altersunabhängige Überlegung soll dem Informationsbegriff an sich gelten. Es steht außer Zweifel, dass wir heutzutage – auch als Blinde – die Möglichkeit besitzen, uns weltweit umzutun, das heißt, mit einer Unzahl von Menschen oder Quellen in Kontakt zu kommen, um unser Bedürfnis nach Meinungsaustausch oder Wissenszuwachs zu befriedigen. Historisch betrachtet ist dies eine schier nicht zu fassende kommunikative Bereicherung, die durchaus auch als Gewinn von Lebensqualität interpretiert werden kann. Nichtsdestotrotz sei die Frage erlaubt, ob sie bei aller Euphorie vielleicht doch eher quantitative denn qualitative Züge trägt? Oder anders herum gefragt: Erhöht ein Mehr an Informationen zwangsläufig auch deren Mitteilungswert? (…) Noch nie war es für Blinde so leicht, dank digitaler Medien an Informationen zu gelangen oder welche untereinander auszutauschen wie heute. Gleichzeitig aber bestand noch nie die daraus erwachsende große Gefahr, mitsamt seinen blindengerechten Gerätschaften im elektronischen Dschungel verloren zu gehen und sich unbedachterweise seiner unmittelbaren sozialen Kontakte zu berauben.
Weitersehen 2011 – das Jahrbuch des DBSV. Ausgaben: Schwarzschrift (100 Seiten, Vierfarbdruck, Format 16 x 23 cm), DAISY-CD, Preis: 2,50 Euro, Erhältlich bei allen Landesvereinen des DBSV unter der bundeseinheitlichen Rufnummer 01805-666.456 (14 Cent/Min.).
Joana Zimmer im Interview: „Mein persönlichstes Album“
Heute erscheint „Miss JZ“, das neue Album von Joana Zimmer. Die blinde Sängerin spricht in einem Interview mit mir über ihre neue musikalische Seite, über ihre TV-Pläne und über den Umgang mit ihrer Behinderung. Alle Infos rund ums neue Album finden Sie auf missjz.com. Joana freut sich auf Ihre Freundschaftsanfragen bei Facebook.
Heiko: Heute erscheint Dein neues Album „Miss JZ“. Was erwartet Deine Fans musikalisch und stilistisch?
Joana: Momentan bin ich häufig auf Promotion-Terminen. Da bekomme ich viel positives Feedback: „Internationaler Sound“ oder „Dein bestes Album“. Das freut mich sehr. Erstmals ist auch ein Song mit einem Rap-Part auf der CD. Und ich kann sagen, dass es mein persönlichstes Album ist. Es ist stimmungsvoll und zeigt eine neue Seite von mir, die ich bisher noch nicht in meiner Musik ausdrücken konnte.
Heiko: Du kommst ursprünglich vom Jazz. Vermisst Du manchmal, diese Musik zu performen?
Joana: Ich baue Jazz bis heute immer wieder in meine Liveshows ein. Als ich anfing mit der Musik, hatte ich noch keinen eigenen Stil. Da habe ich eben Songs nachgesungen. Ich liebe aber den modernen Sound. Meine Inspiration hole ich mir aus ganz verschiedenen Sparten. Ein Track auf meinem Album ist zum Beispiel von einem Bach-Präludium inspiriert. Ich halte nicht viel von Kategorisierungen in der Musik.
Heiko: Neben der Musik warst Du auch schon vor der Kamera zu sehen, z. B. in der Telenovela „Rote Rosen“. Steht Schauspielerei auch zukünftig auf Deiner To-Do-Liste?
Joana: Ja, auf jeden Fall. Das hat damals viel spaß gemacht. Ich habe früher auch Theater gespielt. Songs sind für mich wie kleine Theaterstücke. Bei „Rote Rosen“ mitzuspielen war wirklich witzig.
Heiko: Kürzlich warst Du für die Dokusoap „Verrückt nach Meer“ auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs. Die Sendung läuft voraussichtlich im Januar 2011. Wie war es auf hoher See und was bedeutet das Meer für Dich?
Joana: Ich liebe das Meer. Das war eine coole und spannende Erfahrung. Ich hatte vorher noch nie eine Kreuzfahrt mitgemacht. Eigentlich bin ich bei Dokusoaps etwas skeptisch. Aber „Verrückt nach Meer“ war eine tolle Möglichkeit, mich meinen Fans von einer persönlicheren Seite zu zeigen. Das Schiff hat schon ein bisschen geschwankt. Das war aber vergleichsweise harmlos. Toll waren die Landgänge. Wir waren in Indien und den Arabischen Emiraten. Ständig die TV-Kameras dabei zu haben war schon sehr speziell. Aber das Team war nett und rücksichtsvoll. Dennoch werde ich das jetzt sicher nicht ständig machen.
Heiko: Während der Reise hast Du u. A. das Helen-Keller-Institut in Mumbai besucht. Was ist das für eine Einrichtung?
Joana: Das ist eine Einrichtung für taubblinde Menschen. Wenn man in einem Land wie Indien zu den Nichtprevilegierten gehört und dann noch ein Handicap dazu kommt, hat man es sehr schwer. Wir haben auch eine Augenklinik besucht, was für die Zuschauer sicher spannend wird. Gezeigt wird zum Beispiel ein Junge, der im Krankenhaus geheilt werden konnte. Beeindruckend sind die Schilderungen seiner Mutter. Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass man den behinderten Menschen dort helfen kann. Ich finde es immer sehr ermutigend, dass das doch möglich ist. Daher bin ich auch Botschafterin der Hilfsorganisation Christoffel-Blindenmission.
Heiko: Im vergangenen Jahr bist Du beim Louis-Braille-Festival in Hannover und beim Fest der Sinne des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg aufgetreten. Welchen Stellenwert hat für Dich die Blindenschrift Louis Brailles und was hältst Du von den Selbsthilfe-Organisationen blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland?
Joana: Louis Braille ist einer der ganz, ganz Großen. Ich bin ein Punktschrift-Fan, obwohl ich natürlich auch hörbücher auf dem iPod höre. Eine Freundin von mir hat mir neulich einen langen Brief in der Brailleschrift geschickt, in dem sie Zu jedem Song des Albums etwas geschrieben hat. Den hatte ich auf meiner Reise dabei. Ich bin selbstverständlich Mitglied im Berliner Blinden- und Sehbehindertenverein, hab aber wenig Zeit, hier aktiv etwas zu machen. Ich versuche mit öffentlichen Auftritten für unsere Themen zu sensibilisieren.
Heiko: Du hast an einer Blindenschule Abitur gemacht. Im Musik- und TV-Geschäft arbeitest Du heute ständig mit sehenden Menschen zusammen. Ist Deine Behinderung für Dich und Dein künstlerisches Umfeld überhaupt noch ein Thema?
Joana: Eigentlich nicht. In Interviews werde ich immer wieder darauf angesprochen. Aber es hängt viel davon ab, wie man selbst damit umgeht, wie offen man ist. Als ich eine neue Promoterin bekam. hat sie erstmal mein Management angerufen und gefragt, ob sie etwas im Umgang mit mir berücksichtigen müsste. „Ja“, war die Antwort. „Buche für sie nur Nichtraucherzimmer.“ Ich rede ja offen über mein Handicap. Und so wurde meine Promoterin immer entspannter. Irgendwan kennt man sich. Und dann spielt die Behinderung keine Rolle mehr.
Heiko: Du bist im so genannten Web 2.0 unterwegs. Du hast einen Account bei Facebook und bist bei Twitter. Warum?
Joana: Ich mache das, um Kontakt zu meinen Fans zu halten. Ich kann sie Dank des Internets viel schneller updaten als früher. Das Web bietet da tolle Möglichkeiten. Für die Popularität einer Musikerin ist das Internet ganz, ganz wichtig. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich das Web 2.0 auch als Privat-Person so stark nutzen würde.