Web 2.0: Bloggen ohne Barrieren

Mitmachen steht im Zentrum des Web 2.0: Posten, kommentieren, Vernetzen. Gerade für Menschen mit einer Behinderung bietet das Internet enorme Chancen. Sie können Kontakte knüpfen, auf ihre Situation aufmerksam machen und auf einer Augenhöhe mit nichtbehinderten Usern kommunizieren. Ich bin blind. Mein Computer spricht und hat eine Braillezeile – ein Gerät, das den Bildschirminhalt in Blindenschrift ausgibt. Ich blogge über Kultur, den Alltag als blinder Mensch und über meine Arbeit beim Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg
. Und ich lese gern Blogs. Damit ich das kann, sollten sie barrierefrei sein. Wie Sie Ihr Blog barrierefrei bekommen, können Sie in meinem Gastbeitrag auf julia-emde.de nachlesen. Ich danke Julia herzlich fürs Veröffentlichen.

Fundraising: In Deutschland noch 1.0

Selbsthilfe braucht Spenden. So ist auch der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) maßgeblich auf Spenden und Erbschaften angewiesen. Vom 14. bis 16. April fand in Fulda der diesjährige Fundraising-Kongress statt. Rund 700 Spendensammler aus dem deutschsprachigen Raum trafen sich zu Workshops und Seminaren und lauschten Vorträgen. Dabei standen Fragen nach Erwartungen und Wünschen (potenzieller) Spender im Focus. Weiterhin wurde diskutiert, wie Fundraising professionalisiert und optimiert werden kann.

Der Wettbewerb auf dem Spendenmarkt ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Sie kennen das aus Ihrem eigenen Briefkasten. Immer mehr Organisationen werben um Ihre Unterstützung. Neben der Großzahl seriöser Anbieter, sind es zunehmend intransparente Stiftungen und werbewirksame Medien-Aktionen, die es kleineren Vereinen schwer machen, Neuspender zu erreichen. Hinzu kommt eine Internationalisierung, so dass immer mehr Geld an Organisationen im EU-Ausland oder in den USA fließen. Somit sind die hiesigen Organisationen gezwungen, neue Wege zu gehen.

Ein neuer Weg ist sicherlich das Web 2.0. Mit eindrucksvollen Beispielen zeigte Klaus Eck in seinem Workshop über Social Media, wie erfolgreiche Kampagnen auf Twitter, Facebook und Youtube aussehen können. Dennoch scheint das Thema viele Kongress-Teilnehmer immer noch eher zu verschrecken statt zu begeistern. „Das MÜSSEN wir ja auch mal irgendwie machen“, war noch eine der euphorischeren Reaktionen. Die Skepsis gegenüber dem Mitmach-Netz zeigte sich schon daran, dass es keine Facebook- oder Twitter-Seite zum Kongress gab, von einer Twitterwall ganz zu schweigen. Für viele Fundraiser scheint das Internet immer noch vor allem ein Zeitfresser zu sein, für den keine Arbeitszeit frei ist. Das ist ein großer Fehler: die Zahl der Onliner steigt rasant, der Altersdurchschnitt im Netz steigt, das Web wird zur Informations- und Meinungsquelle Nr. 1. Hier sollten wir Öffentlichkeitsarbeiter und Fundraiser der guten Sache zukünftig verstärkt über unsere gesellschaftlich so bedeutenden Organisationen berichten, Projekte vorstellen und den Kontakt zur Öffentlichkeit halten. Tun wir das nicht, wird zum Beispiel der Blinden- und Sehbehinderten-Selbsthilfe in den nächsten Jahrzehnten die finanzielle Grundlage wegbrechen. Werden Sie dann blind oder sehbehindert, kann Ihnen kein Verein mehr mit Hilfe, Rat und Zuversicht zur Seite stehen.

Formspring.me: Fragen mal anders

Viele Menschen haben Fragen, wenn Sie blinden Menschen begegnen: Wie kannst Du arbeiten? Seit wann bist Du blind? Wie orientierst Du Dich? Wie träumst Du? Gehen Dir die Fragen über Deine Blindheit auf die Nerven?

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es eine Scheu gibt, diese Fragen zu stellen (ich will Dich doch behandeln wie jeden Anderen). Meine Erfahrung zeigt aber auch, dass der Umgang viel unverkrampfter wird, wenn die Fragen gestellt werden können. Eine Web-2.0ige Art des Frage-und-Antwort-Spiels bietet der Dienst Formspring.me an. Klicken Sie sich doch einfach mal auf meine Formspring.me-Seite und fragen Sie drauf los, nur Mut. Sie erfahren etwas und ich werde zum Nachdenken gebracht – und Spaß macht es auch.

Blind-PR 2.0

PR bedeutet Kommunikation. Der Inbegriff schneller und direkter Kommunikation im Internet ist das Web 2.0. Was davon letztlich relevant bleiben wird, das kann kaum jemand voraussagen. Die Möglichkeiten aber gar nicht erst zu nutzen und nicht zu testen, das halte ich für falsch. PR bedeutet auch transparenz. Und für Transparenz können soziale Netzwerke, Blogs und Microblogs sorgen. Und noch ein Argument für das Web 2.0 ist ganz persönlicher Natur: im WWW kann ich mich dank Screenreader und Braillezeile ganz eigenständig bewegen. Ich kann zu gewünschten Personen genauso Kontakt aufnehmen wie meine sehenden Kollegen. Meine Behinderung spielt hier erstmal keine Rolle. Die Hemmschwelle mit mir Kontakt aufzunehmen ist für mein sehendes Gegenüber niedriger als in der „realen“ Welt.

Somit finden Sie mich jetz auch bei Facebook und bei Twitter. Bei Xing bin ich ja bereits seit 2007 aktiv. Ich würde mich freuen, Sie in meinen Netzwerken zu treffen!

Außerdem habe ich Blind-PR um einige Features ergänzt, so können Sie die Artikel und Kommentare jetzt noch bequemer mit Ihrem Newsreader abonnieren. Unter der Überschrift „Blind-PR-Leser“ können Sie sich öffentlich als regelmäßiger Besucher dieses Blogs „outen“. Und klicken Sie doch nach der Lektüre der Posts kurz auf die Reaktionsflächen, wenn Sie einen Artikel besonders lustig, interessand oder cool fanden. Apropos Reaktionen: wenn Sie mir Feedback geben möchten oder Sie weitere Anregungen haben, dann hinterlassen Sie einen Kommentar!