Tagung: Medien-Schaffende diskutieren über Inklusion

Beim Verwirklichen einer inklusiven und barrierefreien Gesellschaft kommt den Medien eine Schlüsselfunktion zu. Medien prägen das Verständnis von Behinderung maßgeblich, besonders in einem Land wie Deutschland, in dem Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung im Alltag leider immer noch die Ausnahme darstellen. Ob Teilhabe gelingt, hängt auch davon ab, wie sich das mediale Bild von Behinderung wandelt.

Sind behinderte Menschen Kuriositäten der Berichterstattung, bemitleidenswerte Menschen oder Superhelden? Werden sie auf ihre Behinderung reduziert, oder wird diese als eine Eigenschaft von vielen präsentiert? Wird die Verantwortung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft thematisiert, oder kommt die Darstellung über das Einzelschicksal nicht hinaus? Wird aufgeklärt, oder bedienen Sprache und Bilder vor allem Vorurteile?

Neben der Frage nach der Darstellung von Behinderung gehört zu dem Themenfeld Inklusion und Medien aber auch, ob Menschen mit Behinderung Zugang zu TV, Radio, Print und Web haben. Das Stichwort hier ist Barrierefreiheit. Soll gesellschaftliche Teilhabe gelingen, müssen wir uns informieren können, müssen wir an den Debatten in diesem Land teilnehmen können. Auch hier stehen wir in Deutschland erst am Anfang. So sind Inhalte in Gebärden- oder in leichter Sprache in den Medien die absolute Ausnahme. Hörfilme für blinde und sehbehinderte Menschen sind im öffentlich-rechtlichen TV zu selten, im Privatfernsehen gar nicht vorhanden. Im Internet stoßen behinderte Menschen immer wieder auf unüberwindbare Hürden.

Mit beiden Aspekten – der Darstellung von Behinderung und dem Zugang zu Medien – befasste sich kürzlich eine Tagung der Grimme-Akademie in Berlin. Am 26. September 2013 diskutierten über 150 Teilnehmer über Inklusion und Medien. Wissenschaftler, Journalisten und Schauspieler lieferten anregende Inputs. Ich selbst durfte in einem Workshop über Barrierefreiheit im Web berichten. Die Tagung zeigte, dass es viele offene Fragen zum Thema gibt. Da sehr viele – vielleicht zu viele – Themen angeschnitten wurden, war für Antworten Zuwenig Platz. Bleibt zu hoffen, dass es Folgeveranstaltungen gibt. Hoffentlich gelingt es dann, noch stärker nichtbehinderte Journalisten zu erreichen – und nicht primär die „Behinderten-Szene“.

Eine gelungene Link-Liste zur Tagung hat das MDR-Entwicklungslabor zusammengestellt. Die Tweets rund um die Tagung hat Christina Quast auf Storify gebündelt. Nachberichte und weiterführende Gedanken gibt es u.A. auf der Zapp-Website, in den Blogs von Franz-Josef Hanke und Christiane Link und beim Nachrichten-Portal Kobinet. Und schließlich waren Dr. Ingo Bosse, Andi Weiland und ich am Tag nach der Veranstaltung im Deutschlandfunk zu gast. Die Sendung können Sie auf der DLF-Website nachhören.

Kurz und gut (4): Theater

Kürzlich schrieb ich im Inklusionsblog der Aktion Mensch über Inklusion im Theater – sprich: über akustische Beschreibungen für blinde Menschen – und bekam via Twitter eine Antwort, über die ich mich sehr gefreut habe.

Inklusionsblog: Eine Übersicht meiner bisherigen Posts (2)

Ich blogge nicht nur hier, sondern auch im Inklusionsblog der Aktion Mensch. Im Folgenden finden Sie eine verlinkte Übersicht zu meinen dort veröffentlichten Posts der letzten zwölf Monate. Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren!

Den ersten Teil dieser Übersicht finden Sie hier.

DVBS-Selbsthilfetage: Inklusion, Android, Vorstandswahlen

Vom 17. bis 19. Mai 2012 fanden in Marburg die Selbsthilfetage des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) statt. Im Zwei-Jahres-Rhythmus treffen sich Mitglieder der Selbsthilfe-Organisation in der Lahn-Stadt. Das Themen-Spektrum reichte diesmal von der Inklusion bis zur Zugänglichkeit von Android-Handys – und ein neuer Vereinsvorstand wurde auch noch gewählt.

Selbsthilfe und Inklusion

Ein engagiertes und humorvolles Plädoyer für mehr Inklusion hielt Aktion-Mensch-Vorstand Martin Georgi. Menschen mit und ohne Behinderung würden von einer inklusiven Gesellschaft profitieren. Die große Herausforderung für eine Organisation wie Aktion Mensch sei es, den Begriff Inklusion für Jedermann verständlich zu machen. Viele Menschen hielten die Vision einer inklusiven Gesellschaft für nicht realisierbar. Georgi verwies dagegen auf die Emanzipation der Frauen. Heute ist es für uns normal, dass Frauen die Fächer studieren können, die sie wollen, und einem Beruf nachgehen. Bis vor wenigen Jahrzehnten war das noch eine Ausnahme. So könne sich auch das Verständnis von Behinderung ändern. Dafür brauche es aber einen langen Atem.

Die UN-Behindertenrechtskonvention habe in Deutschland schon einiges verändert, so Georgi. Allerdings dürften wir nicht darauf warten, dass der Gesetzgeber die Inklusion einfach umsetze. Im Gegenteil: Der nationale Aktionsplan der Bundesregierung sei eine Enttäuschung gewesen. Inklusion koste auch Geld. Die Mittel hierfür müssten erstritten werden. So hätten am 5. Mai – dem Aktionstag für Gleichstellung und gegen Diskriminierung behinderter Menschen – über 600 Veranstaltungen für mehr Barrierefreiheit in Deutschland stattgefunden, unterstützt von der Aktion Mensch.

Für mich hat Georgis Vortrag noch einmal deutlich gemacht, dass Inklusion nicht nur ein Umdenken bei der nichtbehinderten Mehrheit verlangt, sondern auch bei uns Menschen mit Behinderung. Georgi forderte, dass sich Förderschulen für nichtbehinderte Schüler öffnen sollten. Und er verwies darauf, dass die Aktion Mensch im Rahmen ihrer Inklusionskampagne ausschließlich Projekte fördert, die Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen. Dieser Ansatz bedeutet, dass sich auch Selbsthilfe-Organisationen wie die Blinden- und Sehbehindertenvereine stärker als bisher öffnen müssen, dass sie ihren Teil zu einer inklusiven Gesellschaft, zu mehr Miteinander statt Nebeneinander beitragen können – und müssen, wenn sie zukunftsfähig sein wollen.

Android und Barrierefreiheit

Nachdem Apples iPhone schon seit einigen Jahren für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich ist, werden auch Smartphones mit dem Betriebssystem Android zunehmend barrierefrei. Damit steigt auch das Interesse an diesem Thema. „Aktueller Stand der Zugänglichkeit mobiler Endgeräte mit Android Betriebssystem“ hieß ein Vortrag von Willi Lutzenberger von der Firma ProTak. Ab Android-Version 4 ist nun auch ein Screenreader mit Sprachausgabe standardmäßig Bestandteil der Software. Der Vortrag machte deutlich, dass dies ein großer Schritt zu mehr Barrierefreiheit bedeutet, dass die Bedienbarkeit aber noch nicht so ausgereift ist wie bei Apples VoiceOver. Dafür hat der Android-Nutzer mehr Möglichkeiten der Anpassung, so hat er die Wahl zwischen unterschiedlichen Screenreadern und unterschiedlichen Stimmen. Außerdem können sehbehinderte Nutzer Sprachausgabe und Vergrößerung gleichzeitig nutzen, was Apple nicht bietet. Mehr Infos zum Thema Android und Accessibility gibt es von Oliver Nadig im TuKSuB-Podcast: Teil 1, „Einrichtung des Telefons“ und Teil 2, „Grundlegende Einstellungen“.

Wahl-Ergebnisse

Der DVBS-Vorstand ist weiblicher geworden. Der Hamburger Karsten Warnke war nicht erneut angetreten – er hatte dem fünfköpfigen Vorstand zwölf Jahre angehört. Neu im Team als Beisitzerin ist Ursula Weber aus Dresden. Als 1. Vorsitzender wiedergewählt wurde Uwe Boysen (Bremen), zweiter Vorsitzender (und damit Nachfolger von Karsten Warnke) ist Heinz Willi Bach aus Marburg. Als weitere Beisitzer bestätigt wurden Andrea Katemann (Marburg) und Uwe Bruchmüller (Möser).

Auch im Leitungsteam der DVBS-Fachgruppe Medien, dem ich die letzten vier Jahre angehörte, gab es Veränderungen. Mein Nachfolger als Gruppenleiter wurde der Kelkheimer Stefan Müller. Ich selbst hatte aus beruflichen Gründen auf eine erneute Kandidatur verzichtet.