Blog-Wichteln: Gedanken

Hurra, endlich kommt die Mail vom Blogwichteln. Wen habe ich erwischt … nein, wer hat mich erwischt :-).

Ich klicke den Link und lande hier, bei Heiko. Blind-PR? Hmm, das ist bestimmt wieder so ein Blog, geschrieben vermutlich von einem Marketing Menschen, der von seinem Alltag bei der Agentur schreibt. Sowas wie Public-Relations im Blindflug. Was ich dann aber entdecke lässt mich erst stutzen, dann bin ich überrascht und werde nachdenklich.

Bloggen als Blinder? Okay, als Sehender macht man sich selten Gedanken, ob und wie Sehbehinderte oder blinde Menschen sich im Internet bewegen. Ich werde neugierig. Gibt es da Vorleseprogramme? Oder Braille-Displays für Webseiten? Wieviel weiss ich von der Arbeit eines Blinden am Computer? Ich habe schon einmal so eine Braille-Zeile unter einer Tastatur gesehen, in der kleine Stifte die jeweilige Zeile darstellen können, mehr aber nicht.

Was ist mit Grafiken, Design?

Schlechtes Gewissen: Braucht das Blog dazu besondere Einstellungen? Ist *mein* Blog dafür geeignet, auch blinde Leser anzuziehen? Wie kommen Blinde überhaupt auf neue Webseiten? Wenn ich eine Seite besuche, mache ich mir visuell einen ersten Eindruck und entscheide vom ersten Überfliegen, ob ich öfter hier vorbei schaue. Wieviel mehr Zeit muss man aufwenden, wenn man dies nicht kann?

Vorbei *schauen*? Ich merke, wie durchsetzt von visuellen Ausdrücken doch unsere Sprache ist.

Wie stellt sich ein Blinder Farben vor? Für mich ist blau gleich blau, grün ist immer grün. Wie erfühlt ein Blinder die Farbenpalette? Abgesehen davon, dass ja niemand wirklich weiss, ob mein blau auch das blau meines Mitmenschen ist. Vielleicht ist dein blau ja mehr so … gelb? 😉

Ich hinterlasse hier viele Fragen und wenige Antworten. Ich denke einige Antworten kann man erhalten, wenn man hier regelmässiger mitliest.

Ausserdem sollten wir uns vielleicht alle mehr Gedanken machen und Fragen stellen … nicht nur uns selbst betreffend.

Bloggerpatenschaften: Mein Weg ins Web

Aus den PC-Lautsprechern dringt eine künstliche Stimme. Auf einer Leiste vor der Tastatur tauchen erhabene Punkte auf und verschwinden wieder. Ich bin blind und arbeite mit dem Computer. Ein so genannter Screenreader wandelt den Bildschirm-Inhalt so um, dass er von der Sprachausgabe und der Braillezeile wiedergegeben werden kann. Diese Hilfsmittel machen es möglich, dass ich selbstständig mit Word oder Excel arbeite. Behördenpost und Kontoauszüge scanne ich ein. Mein Computer liest sie mir vor. Und ich kann E-Mails lesen und schreiben und im Internet surfen. Heute kann ich mir ein Leben ohne das netz nur schwer vorstellen. Es gehört zu meinem Alltag: Ich unterhalte mich mit Menschen, ich kaufe im Web ein, ich lese meine Zeitung online. Dabei war ich nie ein typischer Computerfreak. Für mich soll ein Computer seinen Dienst tun. Ich will nicht an ihm herumbasteln oder gar selbst programmieren.

Den vollständigen Gastbeitrag über meinen Weg ins Web finden Sie auf Bloggerpatenschaften.de.

Schleswig-Holstein: Barrieren im Wahlkampf

Vor einigen Wochen habe ich zusammen mit dem Accessibility-Fachmann Thomas Mayer die Kampagnen-Seiten der Bundesparteien auf Barrierefreiheit getestet. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus. Aber nicht nur im Bund wird am Sonntag gewählt. Auch in Schleswig-Holstein wird über einen neuen Landtag abgestimmt. Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag bat uns den Test auf Landesebene durchzuführen. Dort fiel das Ergebnis noch negativer aus. Den Bericht finden Sie auf shz.de.

Barrierefreie Bahnhöfe: In Hamburg eine Seltenheit

Ich bin U- und S-Bahn-Fan. Der öffentliche Nahverkehr bringt mich durch die Stadt. Für sehbehinderte und blinde Menschen sind die Züge des Hamburger Verkehrsverbundes gleichbedeutend mit Selbstständigkeit. Wer nicht selbst Auto fahren kann, wer nicht allein aufs Fahrrad steigt und losradelt, wer in unbekannten Stadtteilen nicht nach Straßenschildern und Umgebungsplänen Ausschau halten kann, der braucht Bus und Bahn. Und diese muss er eigenständig nutzen können. Das Stichwort hierfür ist Barrierefreiheit. Barrierefreie Bahnhöfe haben zum Beispiel Leitlinien auf dem Boden, die ich mit meinem weißen Stock ertasten kann. Sie führen mich zur Treppe und sie signalisieren mir, wo das Gleis – sprich: Gefahr – ist. Sind diese Rillenplatten nicht vorhanden, fühle ich mich unsicher, da ich nicht weiß, wie nah ich am Gleis bin und ob ich gerade über den Bahnsteig gehe. Barrierefreie Bahnhöfe verfügen über Fahrstühle. Diese sind in der Regel mit Blindenschrift markiert, und über Lautsprecher werden Stockwerke und Infos über Züge und Busse angesagt.

Am vergangenen Freitag haben mehrere hundert Menschen in der Hamburger Innenstadt für einen beschleunigten Umbau der Bahnhöfe in der Hansestadt demonstriert – darunter der Autor dieser Zeilen. Es ist ein Skandal, wie langsam Hamburg beim Umbau ist, und wie wenig Geld vom Senat für Barrierefreiheit zur Verfügung gestellt wird. Mehrere Redner machten bei der Abschlusskundgebung darauf aufmerksam, dass hunderte Millionen für Elbphilharmonie und andere Prestige-Projekte da seien, aber ein bis zwei Millionen für einen Bahnhofsumbau zu teuer seien. Dabei sollte sich eine alternde Gesellschaft fragen, wie lang sie Menschen mit Rollator, Krücken, Rollstuhl oder eine Sehbehinderung – aber auch Eltern mit Kinderwagen oder Menschen mit viel Gepäck – vom öffentlichen Nahverkehr ausschließen kann und will. In Hamburg bilden sich immer mehr Bürgerinitiativen, die sich für einen Umbau ihres örtlichen Bahnhofs stark machen. Behinderten- und Senioren-Organisationen setzen sich zunehmend für das Ziel Barrierefreier Nahverkehr ein. Hoffentlich ist dies Engagement erfolgreich.

Infos zum Thema gibt es in der aktuellen Ausgabe des Hochbahn-Magazins bei Hamburg 1 und im Demo-Aufruf der Landesarbeitsgemeinschaft der behinderten Menschen in Hamburg.