Behindert ist kein Schimpfwort

Einer der seltenen sonnigen Sommerabende in Hamburg. Entspannt mit alten Freunden im Biergarten. Ein Pärchen fragt, ob bei uns noch Platz ist und setzt sich zu uns.

Etwas später: Tangomusik erklingt. Mein Kumpel: „Oh, da tanzen schon ein paar Leute.“

Unser Tischnachbar: „Naja, im Moment sieht es eher so aus, als würden die für die Paralympics trainieren.“

Kurzes betretenes Schweigen, verlegenes Lachen. Ich bin baff. Später werde ich mich ärgern, dass ich nichts dazu sage. Ich weiß nicht, ob der Herr gecheckt hat, dass ich blind bin, dass ein Mensch mit Behinderung am Tisch sitzt.

So oder so, sind solche Sprüche ziemlich armselig.

Individuell muss zwar keine explizite Behindertenfeindlichkeit bestehen, aber solche Aussprüche sind ein Zeichen für unterschwellige Verachtung in unserer Gesellschaft.

Und wie häufig höre ich zum Beispiel von Jugendlichen – selbst wenn ich mit meinem weißen Stock in der Hand neben ihnen in der U-Bahn stehe – Sätze wie „Das ist voll behindert!“

„Behindert“ ist also ein Synonym für etwas schlechtes, negatives. Das fühlt sich für Menschen mit Behinderung nicht gut an, kann manchen aufs Gemüt schlagen, kann sich wie eine Abwertung anfühlen. Manch ein Leser mag jetzt sagen, das sei übertrieben. Aber wenn man als Betroffener ein Leben lang den Begriff der Behinderung immer nur negativ besetzt wahrnimmt, prägt sich das ein, schleicht sich ins Unbewusste und wirkt – ob man will oder nicht.

Insofern ist dies ein Appell für einen bewussteren Umgang mit Sprache: Behindert, geisteskrank oder blind sind keine Schimpfworte, so einfach ist das!

Blog-Wichteln: Gedanken

Hurra, endlich kommt die Mail vom Blogwichteln. Wen habe ich erwischt … nein, wer hat mich erwischt :-).

Ich klicke den Link und lande hier, bei Heiko. Blind-PR? Hmm, das ist bestimmt wieder so ein Blog, geschrieben vermutlich von einem Marketing Menschen, der von seinem Alltag bei der Agentur schreibt. Sowas wie Public-Relations im Blindflug. Was ich dann aber entdecke lässt mich erst stutzen, dann bin ich überrascht und werde nachdenklich.

Bloggen als Blinder? Okay, als Sehender macht man sich selten Gedanken, ob und wie Sehbehinderte oder blinde Menschen sich im Internet bewegen. Ich werde neugierig. Gibt es da Vorleseprogramme? Oder Braille-Displays für Webseiten? Wieviel weiss ich von der Arbeit eines Blinden am Computer? Ich habe schon einmal so eine Braille-Zeile unter einer Tastatur gesehen, in der kleine Stifte die jeweilige Zeile darstellen können, mehr aber nicht.

Was ist mit Grafiken, Design?

Schlechtes Gewissen: Braucht das Blog dazu besondere Einstellungen? Ist *mein* Blog dafür geeignet, auch blinde Leser anzuziehen? Wie kommen Blinde überhaupt auf neue Webseiten? Wenn ich eine Seite besuche, mache ich mir visuell einen ersten Eindruck und entscheide vom ersten Überfliegen, ob ich öfter hier vorbei schaue. Wieviel mehr Zeit muss man aufwenden, wenn man dies nicht kann?

Vorbei *schauen*? Ich merke, wie durchsetzt von visuellen Ausdrücken doch unsere Sprache ist.

Wie stellt sich ein Blinder Farben vor? Für mich ist blau gleich blau, grün ist immer grün. Wie erfühlt ein Blinder die Farbenpalette? Abgesehen davon, dass ja niemand wirklich weiss, ob mein blau auch das blau meines Mitmenschen ist. Vielleicht ist dein blau ja mehr so … gelb? 😉

Ich hinterlasse hier viele Fragen und wenige Antworten. Ich denke einige Antworten kann man erhalten, wenn man hier regelmässiger mitliest.

Ausserdem sollten wir uns vielleicht alle mehr Gedanken machen und Fragen stellen … nicht nur uns selbst betreffend.