Eigentlich müsste ich nie wieder ein Interview geben. Jetzt ist alles gesagt. Naja, zumindest sehr viel. Knapp 70 Minuten lang stand ich Frau Grünkariert und Herrn Martinsen Rede und Antwort. In ihrem wunderbaren Eingeladen-Feature-Podcast sprechen wir über Blindheit, Inklusion, Brailleschrift, Mobilität, Vorurteile, meine Arbeit und mein Leben. Die Folge können Sie auf eingeladen-feature.de nachhören und kommentieren. Viel Vergnügen!
Schlagwort: Barrierefreiheit
Blog-Relaunch: Neue Seiten und Widgets auf Blindpr.com
Einer meiner guten Blogvorsätze für dieses Jahr war, diese Seite etwas aufzufrischen. Aufgrund meiner plötzlichen Krebs-Erkrankung mussten meine Vorhaben für 2014 etwas warten, aber zumindest der Blind-PR-Relaunch ist nun weitgehend abgeschlossen. Neben einem neuen Layout, das auch einige Verbesserungen hinsichtlich Barrierefreiheit bietet, finden Sie auch einige neue Inhalte und Widgets.
Dieser Blog stellt nun – noch mehr als ohnehin schon – das Zentrum meiner Onlineaktivitäten dar. Daher habe ich mehrere neue Seiten erstellt, auf denen ich mich Ihnen vorstelle. Neben der „Heiko Kunert persönlich“-Seite finden Sie nun auch ein berufliches Profil von mir. Des Weiteren finden Sie eine Seite „Heiko Kunert als Experte“, auf der Sie eine Liste von Vorträgen, Workshops u.Ä. entdecken können, die ich bereits angeboten habe. Außerdem gibt es nun einen verlinkten Pressespiegel, eine Auswahl meiner journalistischen Texte und eine Liste meiner weiteren Onlineprofile. Und schließlich stelle ich die Themen dieses Blogs auf einer eigenen Seite vor.
Ein weiteres Ziel des Relaunchs war es, Ihnen das Stöbern im Blog zu erleichtern. Sie finden daher in der rechten Seitenleiste nun einige neue Widgets. Neu ist das Blind-PR-Archiv, das Ihnen die Artikel nach Monaten sortiert zugänglich macht. Außerdem finden Sie eine Schlagwörter-Wolke mit 75 Tags, die Sie zum Blättern im Blog nutzen können. Natürlich gibt es auch weiterhin – ebenfalls in der rechten Seitenleiste – die Blind-PR-Suche, eine Liste der Top-Beiträge und eine der neuesten Kommentare. Auch alle Möglichkeiten zum Verfolgen dieses Blogs finden Sie rechts, ganz oben: Sie können Blind-PR weiterhin per E-Mail abonnieren bzw. mit Ihrem WordPress.com-Account verfolgen oder die RSS-Feeds nutzen. Neu ist, dass Sie mein Blog nun auch mithilfe der Blogbox-App abonnieren können.
In der Hauptseitenleiste, links, finden Sie nun meine neuesten Audioboos und Tweets, außerdem die neuesten Posts aus dem Inklusionsblog der Aktion Mensch. In der Fußleiste schließlich finden Sie nun meine About.me- und Gravatar-Profile und die Facebook-Seite des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg.
Ich hoffe, Ihnen gefallen die neuen Inhalte und Funktionen. Wie immer freue ich mich auf Ihr Feedback in den Kommentaren oder per E-Mail.
Sparda-Bank und Barrierefreiheit: Bei Blinden hört die Fairness auf
Vor einigen Wochen berichtete ich hier im Blog, dass die Netbank ihr barrierefreies Onlinebanking eingestellt hat und somit blinde Kunden von wesentlichen Teilen ihres Angebotes ausschließt. Das Gleiche gilt für blinde Kunden der Sparda-Bank. Der Hamburger André Rabe hat daher auf der Petitionsplattform Change.org einen Aufruf gestartet. Rabe schreibt:
Ich bin seit einem Jahr Kunde bei der Sparda-Online-Bank. Ein Grund für den Wechsel: die BARRIEREFREIHEIT. Denn ich bin 100% blind. Doch seit dem 23. Oktober hat die Sparda-Bank ihr Online-Angebot so umgestellt, das blinde Menschen die Website nur noch eingeschränkt bedienen können. Als Lösung bietet die Bank die Software „Banking 4W“ an, die zwar gutbedienbar ist, allerdings nicht alle wichtigen Funktionen abdeckt. So kann man z.B. wichtige Bank-Nachrichten nicht abfragen. ich kann meine Daueraufträge nicht mehr bearbeiten und auch nicht auf meine gespeicherten Überweisungsvorlagen zugreifen.
Als er sich mit dem Problem an den Kunden-Service des Kreditinstituts wandte, bekam er eine wenig kundenfreundliche Antwort:
Barrierefreie eigene Anwendungen werden durch die Sparda-Banken nicht entwickelt, dies wurde in der Vergangenheit auch weder kommuniziert noch in irgendeiner Form beworben. Auch die alte Classic Anwendung ist nicht unter diesen Gesichtspunktentwickelt wurden. Wir können Ihnen leider hier keine andere Auskunft geben, als das derzeit keine Pläne seitens der Sparda Banken bestehen eine Barriere freie Webanwendung zu entwickeln oder die bestehende Anwendung darauf umzubauen.
André Rabe nimmt auf Change.org dazu Stellung:
Das kann ich nicht hinnehmen. Barrierefreiheit ist kein Extra, was man zusätzlich anbietet, sondern eine Selbstverständlichkeit. Und es ist im Jahr 2013 keine technische Herausforderung die W3C-Sehstandards umzusetzen. Liebe Sparda-Bank, seien Sie nicht nur „freundlich“, sondern auch „fair“!
Die Petition hat schnell Fahrt aufgenommen. Innerhalb von nur drei Tagen haben bereits über 3.400 Menschen unterzeichnet. Bitte tun Sie das auch, und teilen Sie den Link zur Petition fleißig im Social Web. Schon einmal herzlichen Dank allen Unterstützerinnen und Unterstützern!
Die Netbank und die Sparda-Bank sind übrigens keine Ausnahme. Viele Onlinebanking-Angebote sind für blinde und sehbehinderte Menschen schlecht nutzbar. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg, in dem André Rabe aktives Mitglied ist, sammelt anlässlich der Petition Beispiele von Hürden auf Banken-Websites. Wenn Sie Beispiele kennen, mailen Sie diese bitte an info@bsvh.org.
Apple, Netbank, Audible: Rückschritte bei der Barrierefreiheit
Barrierefreiheit im Internet ist nicht immer von Dauer. Immer wieder sind Menschen mit Behinderung von Rückschritten betroffen. Da hat man sich an einen zugänglichen Service gewöhnt, weiß ihn sogar zu schätzen, und dann kommt ein Update, eine Änderung in der Firmenpolitik daher, und plötzlich ist man wieder ausgeschlossen.
Drei Beispiele:
Mit dem Update von Apples mobilem Betriebssystem iOS auf die Version 7 gingen einige Verschlechterungen einher. Insbesondere sehbehinderte Menschen leiden unter der schlecht lesbaren Schrift. Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund nennt in seinem Newsletter weitere Schwachstellen:
z.B. die Sprachausgabe (Knackgeräusche, Qualität allgemein), Signaltöne (kommen unregelmäßig und nicht laut), immer wieder Fokusverlust und somit eingeschränkter Nutzen früher häufig genutzter Apps. Generell muss man mehr rumwischen, um die gleiche Info wie früher zu erhalten. Siri wurde eigentlich auch verbessert, bei manchem Nutzer reagiert es aber nicht wie gewünscht.
Beispiel 2: Die Netbank war die erste und einzige Bank in Deutschland, die bereits 2003 ein vollständig barrierefreies Onlinebanking für blinde und sehbehinderte Menschen anbot. Das Geldinstitut ging sogar einen Schritt weiter und verschickte Bankunterlagen und TAN-Listen in Blindenschrift. Mit diesem besonderen Service hat die Netbank auch mich als Kunden gewonnen.
Zwar war bereits nach einem Relaunch das neue Onlinebanking für mich mit Screenreader und Braillezeile nicht mehr zugänglich, immerhin ließ die Netbank aber ihr Classic Banking zusätzlich online, so dass ich weiterhin eigenständig Bankgeschäfte erledigen konnte. Doch damit ist es nun auch vorbei. So hieß es in einer Mail:
nach der Einführung des Euros startete im Jahr 2002 die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs in Europa. Ab 01.02.2014 wird das SEPA-Verfahren einheitlich bei allen Banken eingeführt. Die SEPA Funktionalität wurde im neuen Online-Banking bereits integriert. Aus technischen Gründen ist die Einbindung im Classic Banking leider nicht möglich, weshalb das Classic Banking am 23.10.2013 abgeschaltet wird. (…) Im Zuge der Abschaltung des Classic Bankings werden wir auch den Versand der TAN-Listen in Braille einstellen. Wir empfehlen Ihnen, Ihr Konto auf das mobile TAN-Verfahren umzustellen. Die Freischaltung können Sie ganz bequem im Classic Banking im Bereich „Service“ unter Aufträge / „mobile TAN“ vornehmen. Vielen Dank für Ihr Verständnis!
Immerhin stellt die Netbank ihren blinden Kunden im Gegenzug gratis die barrierefreie Software Banking4W zur Verfügung. Dennoch empfinde ich es als Rückschritt, dass ich die Website meiner Bank nun nicht mehr nutzen kann.
Schließlich noch das Beispiel Audible.de. Das Hörbuch-Download-Portal hat sich ebenfalls einen Relaunch verpasst. Seitdem hat die Seite deutlich mehr Hürden als vorher. Zwar wird eine vermeintlich barrierefreie Alternativ-Seite angeboten. Diese kann es aber in Sachen Usability mit der Zeit vor dem Relaunch bei Weitem nicht aufnehmen. Gerade unter blinden und sehbehinderten Menschen gibt es überdurchschnittlich viele Hörbuch-Fans, so dass ein Händler wie Audible ein Eigeninteresse an einer guten Bedienbarkeit für unseren Personenkreis haben müsste. Die Antwort, die ich auf meine Nachfrage vom Kundenservice bekam, stimmt mich aber wenig optimistisch:
Wir haben mittlerweile ein Team, welches sich der Barrierefreiheit auf http://www.audible.de annehmen wird. Allerdings wird die Behebung bzw. das neu erstellen dieser Seiten deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Wir werden keine „Flickenarbeit“ an der Seite vornehmen, sondern einen vollständige Behebung dessen in Angriff nehmen. Dies kann bedeutet, dass die Nutzung unserer Webseite bis auf weiteres nicht gewährleistet werden kann. Mir ist bewusst, dass der ein oder andere Kunde unter diesen Umständen nicht länger Kunde sein kann oder möchte. Dies ist natürlich auch Ihr gutes Recht. Jedoch kann und möchte ich Ihnen wie bisher auch kein definitives Datum zur Problembehebung mitteilen.
Barrierefreiheit muss wohl immer wieder neu erstritten werden. Selbst wenn sie einmal da ist, heißt dies nicht, dass sie dauerhaft bestehen bleibt.