Premiere: Erstmals Audiodeskription an Hamburger Theatern

Ich bin sehr glücklich – und auch ein bisschen stolz. Erstmals gibt es in Hamburg Theater-Aufführungen mit Audiodeskription. Das ist ein großer Erfolg für uns vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg. Die vielen Gespräche mit Hamburgs Sozial- und Kulturpolitikern haben sich gelohnt. Mein ganz besonderer Dank gilt Katharina Wolff von der CDU, die das Thema Ende 2012 auf die Agenda der Hamburgischen Bürgerschaft gesetzt hat.

Die Bürgerschaft hat daraufhin ein Pilotprojekt beschlossen, bei dem in zwei Aufführungen an Hamburger Theatern der Einsatz von Audiodeskription erprobt wird. Die beiden Theater, die sich hieran beteiligen, sind das Ohnsorg Theater und das Thalia Theater. Gefördert wird die Audiodeskription von dem Referat für integrative Projekte der Kulturbehörde Hamburg.

Im Ohnsorg Theater wird das Stück „Lengen na Leev“ (Ein Mond für Beladene) am 10.11. 2013 um 15.30 Uhr gezeigt.

Karten gibt es an der Theaterkasse. Sie ist montags bis donnerstags, jeweils von 9 bis 16 Uhr, und am Freitag von 9 bis 14 Uhr geöffnet.

  • Tel.: 040 / 35080321
  • E-Mail: kasse@ohnsorg.de
  • Kartenpreise: ermäßigt 11,50€ bis 13,50 € / Begleitperson ebenfalls 11,50€ bis 13,50 € (bei einer Behinderung ab 50%)
  • Regulärer Preis: 23.-€ bis 27.- €
  • Bitte bei der Ticketreservierung das Stichwort „Hörtheater“ nennen und die Anzahl der benötigten Funkempfänger. Bitte um Angabe, ob ein Führhund dabei ist. Bitte wegen der Ausgabe der technischen Geräte eine halbe Stunde vor der Aufführung um spätestens bis 15 Uhr erscheinen.

Im Thalia Theater wird das Stück „Don Giovanni“ frei nach Wolfgang Amadeus Mozart am 10.12.2013 um 20 Uhr mit Audiodeskription erlebbar.

Die Theaterkasse ist Montag bis Samstag von 10 bis 19 Uhr geöffnet, An Sonn- und Feiertagen von 16 bis 18 Uhr.

  • Tel.: 040 / 32814-444
  • E-Mail: info@thalia-theater.de
  • Kartenpreise: ermäßigt 24.- € / Begleitperson ebenfalls 24.- € (bei einer Behinderung ab 50%)
  • Regulärer Kartenpreis: 48.- €
  • Bitte bei der Ticketreservierung das Stichwort „Hörtheater“ nennen und die Anzahl der benötigten Funkempfänger. Bitte um Angabe, ob ein Führhund dabei ist. Wichtig: Onlinebuchung ist leider nicht möglich! Die Karten können telefonisch bestellt werden und müssen persönlich im Kundenzentrum abgeholt werden. Bitte wegen der Ausgabe der technischen Geräte eine halbe Stunde vor der Aufführung um spätestens bis 19.30 Uhr erscheinen.

Zum Hintergrund schreibt die Kulturbehörde:

Nach einer letzten Schätzung des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg (BSVH) leben rund 3.000 blinde und 40.000 Sehbehinderte Menschen in der Freien und Hansestadt Hamburg. Trotz bestehender Eingliederungshilfen und Nachteilsausgleiche ergeben sich für blinde und sehbehinderte Menschen weiterhin viele Barrieren im alltäglichen Leben. Die praktische Teilhabe am kulturellen Leben bildet dabei keine Ausnahme. Der Besuch eines Kinos, Museums, Konzerts oder Theaters kann häufig nur durch einen hohen organisatorischen und zeitlichen Aufwand gewährleistet werden. Darüber hinaus können Ausstellungen oder kulturelle Darbietungen nur eingeschränkt erlebt beziehungsweise verfolgt werden. Auch um visuelle Vorgänge besser nachvollziehen zu können, bieten bereits sehr erfolgreich einzelne Theater in Deutschland blinden und sehbehinderten Menschen eine sogenannte Audiodeskription an. Über Kopfhörer werden akustische Kommentare übertragen, die den Zuhörern Handlungen auf der Bühne näher beschreiben. Dadurch werden diese für blinde und sehbehinderte Menschen nachvollziehbar und erfassbar. Bisher gab es in der Freien und Hansestadt Hamburg noch kein Theater, das einen solchen Service anbietet. Mit dem Pilotprojekt wird getestet, ob und wie der Service angenommen wird.

Wieder auf der Bühne: Gestrandet in Bombay

Szene aus "Gestrandet in Bombay" (Fotograf: Steffen Gottschling)
Szene aus „Gestrandet in Bombay“ (Fotograf: Steffen Gottschling)

Die Blinden Passagiere sind wieder on stage. Unser kleines, aber feines Ensemble zeigt nach „Blindfische und Sehfische“ und „Blinde Passagiere“ seine dritte Produktion: Gestrandet in Bombay. Die Inhaltsangabe geht so:

Bombay Ende der 50er Jahre: Eine Schiffscrew hat sich, ihr Schiff und ihre Passagiere verpokert. Statt über die Meere zu schippern, muss sie die heruntergekommene Hafenkneipe eines windigen Amerikaners wieder auf Vordermann bringen – mit Putzen und Schrubben. Aber dann kommt ihnen eine Idee. Eine grandiose Show soll die Wende bringen. Nicht nur für die Kneipe, sondern für die Seemänner und das alte heißgeliebte Schiff. Sie setzen alles auf eine Karte im entscheidenden Pokerspiel: In Freiheit auf den Weltmeeren oder bis an ihr Lebensende als Hausmeister, Kellner und Putzmann in Bombay… „Gestrandet in Bombay!“ verwebt eine packende Geschichte mit einem musikalischen Feuerwerk der Fünfziger Jahre und ist die dritte Produktion des außergewöhnlichen Ensembles aus blinden und sehenden Schauspielern und Musikern. Ob Tina oder Marina, Mann oder Schokolade, Kriminal Tango oder Babysitter Boogie: Die Schlager und Lieder der Fünfziger Jahre erzählen von einer vergangenen Zeit. Leichtigkeit und Reiselust in den Süden werden genauso besungen wie das ewige Thema der Liebe. Die Blinden Passagiere entdecken den Charme der alten Lieder neu und schaffen zusammen mit ihrer mitreißenden Live-Combo, den Row-Boys, eine Brücke ins Heute.

Unser nächster Auftritt ist am 25. Mai um 19:30 Uhr in der Kulturschule Altrahlstedt in Hamburg. Karten gibt’s ausschließlich an der Abendkasse. Vielleicht haben Sie ja Lust und Zeit – es würde mich freuen. Ach ja, eine Facebook-Seite haben wir jetzt auch. Wenn Sie mögen, klicken Sie dort gern auf „Gefällt mir“.

Kurz und gut (4): Theater

Kürzlich schrieb ich im Inklusionsblog der Aktion Mensch über Inklusion im Theater – sprich: über akustische Beschreibungen für blinde Menschen – und bekam via Twitter eine Antwort, über die ich mich sehr gefreut habe.

Theater-Tipp: „Licht im Dunkel“ im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater

Helen Keller (1880-1968) war eine taubblinde Schriftstellerin aus den USA. „Licht im Dunkel“ heißt ein Theater-Stück des Broadway-Autors William Gibson, das eine Phase im Leben Kellers aufgreift. Der Titel und das Stichwort Broadway ließen mich Böses ahnen, als ich heute zur Aufführung in Hamburg ging. Glücklicherweise kommt die Inszenierung von Volker Hesse aber weitgehend ohne Kitsch und falsches Mitleid aus. Helen Keller wird als eine verwöhnte Tochter dargestellt, dessen Südstaaten-Eltern sie bemitleiden, ihre Bockigkeiten tolerieren, sie sind hilflos und ohne Hoffnung. Anders die junge, sehbehinderte Lehrerin Annie Sullivan. Sie will der taubblinden Frau einen Zugang zur Welt ermöglichen, will ihr Sprache beibringen. Das sehenswerte Stück ist noch bis zum 25. Mai im Ernst-Deutsch-Theater zu sehen.