Teamwork auf dem Tandem

Die Bodensee-Region gilt als Fahrrad-Region: keine Berge, viele beschilderte Wege und eine reizvolle Landschaft mit vielen Sehenswürdigkeiten. Also, leihen wir uns ein Tandem. In Allensbach gibt es keines. Man verweist uns an das Freizeitcenter auf Reichenau. Na gut, zehn Kilometer entfernt, aber was soll’s. Dafür macht das Rad einen soliden Eindruck, und es lässt sich prima fahren. 50 Euro für drei Tage gönnen wir uns dann auch einmal – schließlich sind wir im Urlaub. Die wundervollste Frau der Welt und ich treten erstmals gemeinsam in die Pedale, und es ist einfach toll. Wir rauschen durch die Reichenauer Allee. Der kühlende Wind weht über unsere Haut. Die Sonne scheint auf unsere Schädel. Gemeinsam kommen wir voran.

Und das ist das Schöne am Tandem-Fahren. Der sehende Pilot und der blinde Kopilot erleben gemeinsam die Umwelt, unterhalten sich und machen zusammen Sport. Für mich ist das Tandem vor allem ein Must-Have für gemeinsame Freizeit-Gestaltung. Es ist aber auch ein Symbol für gelebte Integration.

Tandem-Fahren ist Teamwork. Beide treten stark, wenn es einen Hügel hinauf geht. Beide müssen gleichzeitig mit dem Treten aufhören, wenn es bergab geht. Wenn der Pilot bremst, darf ich nicht weiter strampeln. Auf Kurven muss ich schnell reagieren, damit wir nicht ins Straucheln kommen. Am wichtigsten ist die Absprache aber beim Starten. Ein Gefühl oder ein klares Kommando zu entwickeln, damit wir gleichzeitig in die Pedale treten, ohne zu wanken, das verlangt Koordination und Teamgeist. Aber nach drei Tagen Bodensee-Radeln – zuletzt auf der schönen Seestrecke zwischen Allensbach und Radolfzell – hatten wir das Starten auch perfektioniert. Schade, dass wir das Tandem da schon wieder abgeben mussten.

Tandem-Verleih auf Reichenau: http://www.freizeitcenter-reichenau.de/

Von Affen und Menschen

Michi hatte mir im Vorhinein schon vom Affenberg erzählt. Er sei dort als kleiner Junge dereinst gewesen. Erst habe er die vielen Berber-Äffchen ja noch ganz niedlich gefunden, aber nur bis sie sich zu dritt über die Popcorn-Tüte in seiner Hand hergemacht hätten und mit ihren Krallen an dem Dreikäsehoch-Michi emporgeklettert seien. Anscheinend hat man aus Geschichten wie diesen gelernt. Wir bekamen eine Einweisung, nach der wir nur die Affen auf den Geländern füttern dürften, und eine ganze Tüte Popcorn gab es auch nicht mehr. Jeder von uns nahm sich eine Hand voll, die hinterm Rücken versteckt werden musste, während sich die Affen von der anderen Hand ein, maximal zwei Körner krallen durften. Nur ein flinkes, rauhes Kratzen auf meiner Handfläche und dann ein promptes Knuspern, und Besucher wie Affe waren zufrieden. Wie kann man nur soviel ungesüßtes Popcorn essen? Wir sechs waren ja nicht gerad die einzigen Besucher an diesem Mittwoch. Andererseits gibt es hier ja auch rund 200 Affen, die sich auf 20 Hektar Wald verteilen. Und dann klappern noch etliche Storch-Familien friedlich vor sich hin. Und Dammwild lebt hier, winzige Enten, Frösche sind auch noch dabei. Ein schönes Ausflugsziel ist dieses Salem.

Und danach ging es in die menschliche Geschichte, ab in die Steinzeit. Das Pfahlbauten-Freilichtmuseum in UnterUhldingen gehört zum absoluten Pflicht-Programm eines Bodensee-Touristen, undzwar vollkommen zurecht. Es war fwahrlich famos, über die knirschenden und schwingenden Holzwege zu laufen, während unter einem die Bodensee-Wellen plätscherten. Meine Hände, die doch – wenn überhaupt – nur mit moderner Architektur Kontakt haben, genossen die eckigen, kantigen, naturbelassenen Holzgeländer und -wände. Für jung und alt lohnend war auch die Führung, bei der z.B. die einfachen, aber überraschend genialen Werkzeuge und Bautechniken erläutert und erfahrbar wurden. Nach vielen Eindrücken und etlichen Stunden in der prallen Sonne waren wir – und erstrecht die Zwerge – erschöpft, aber vor allem enorm bereichert.

Affenberg Salem: http://www.affenberg-salem.de/

Pfahlbauten: http://www.pfahlbauten.de/

Mönchsgesang und altes Holz

Am Dienstag ging es auf die Insel Reichenau. Sie gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Wenn das kein Grund ist, das dortige Heimatmuseum zu besuchen. Museumsbesuche sind für mich und meine Begleitpersonen immer eine gewagte Sache. Schließlich weiß ich nie, ob nicht alle Exponate hinter Glas verstaut sind. Dann bleibt oft nur, dass der Mensch an meiner Seite mehr, meist aber minder spannend geschriebene Infotexte vorliest. Für beide eher ermüdend. In Reichenau gab es glücklicherweise einiges zu ertasten: jahrhunderte alte Möbel, Weinfässer, Maische-Behälter, Büsten, Fischernetze, alles ein bisschen wahllos zusammen-geramscht. Überraschend modern und wissenschaftlich dafür die Kloster-Ausstellung im Neubau. Gut, hier war dann auch mehr hinter Glas. Dafür konnte ich von der Reichenau stammende Mönchsgesänge über Kopfhörer genießen oder mich in einem aufschlussreich kommentierten Dokumentarfilm über die Buchproduktion im mittelalterlichen Kloster schlau machen. Der Ausflug hat sich gelohnt.

Das Museum: http://www.reichenau.de/index.php?id=34

Keine Panik im Gnadensee

Eine Woche Urlaub liegt hinter mir: Camping am Bodensee mit der wundervollsten Frau der Welt und ihrem lustig-sympathisch-niedlichen Anhang. Das durchgeschwitzte Nordlicht kam nach langer Autofahrt im heißen Süden an, räumte sodann den Kofferraum aus und heizte sich beim Stützen des Vorzeltes in der Sonne bei über 30 Grad weiter auf. Danach waren wir reif für den Boden-, genauer für den Gnadensee. Nur wenige Meter vom Zelt entfernt, lockte das kühle Nass. Das Gras unter den Füßen, das erfrischende Wasser auf der Haut, schließlich am ganzen Körper – und schon war der Urlaub in vollem Gange. Ich liebe es, mich im Wasser zu bewegen. Ich genoss es, mit meiner Liebsten zu einer künstlichen Insel oder zu einem Baumstamm zu schwimmen, mit ihr dort auszuruhen, die Sonne oder die klare Abendluft aufzusaugen.

Wie schwimmt ein blinder Mensch? Wie jeder andere auch. Allerdings ist es mit der Orientierung im Wasser nicht so leicht wie auf dem Festland. Es fehlen weitgehend die akustischen Orientierungspunkte. Und sobald man im tiefen Wasser angekommen ist, fehlt auch jede tastbare Information. Das Gefühl der absoluten Leichtigkeit und Freiheit, das wir alle im Wasser so sehr genießen, kann für mich deutlich schneller in die Furcht des Ausgeliefertseins umschlagen als für einen sehenden Schwimmer. Ich kann nicht gezielt auf den Strand zurücksteuern, wenn ich merke, dass mir die Kräfte versagen. Ein Brett, an das ich mich halten könnte, kann unbemerkt nur wenige Meter vor mir vorbeiziehen. Ob der Seegrund zwei oder 20 Meter unter mir ist, kann ich nicht unterscheiden. Daher höre ich immer sehr auf meine Konstitution, wenn ich mich für ein längeres Bad entschließe. Und ich achte darauf, möglichst ausgeglichen und ruhig zu sein, wenn ich mich ins Tiefe wage. Panik kann weder ein sehender, noch ein blinder Schwimmer gebrauchen. Aber wie sollte Panik entstehen, wenn ich mit der wundervollsten Frau der Welt an einem Baumstamm im Gnadensee baumele und eine ganze Woche Urlaub vor uns liegt?

Der Gnadensee bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Untersee_(Bodensee)