Cooles Camden

(verfasst am So.02.03.08)

Es ist umwerfend, wieder in London zu sein! Lisa hat Rheinhold und mich am Freitag gemütlich mit einer Flasche Wein empfangen. Die war auch dringend nötig, nachdem wir in unserem Flieger bei starkem Sturm doch ziemlich durchgeschüttelt wurden. Wir saßen in ihrem Wohnzimmer, das sie sich normalerweise mit sechs anderen WG’lern teilt. Die sind aber alle nach Porto – für zwei Tage im Billigflieger, diese Welt ist bizarr. Es ist auch bizarr, wie die Menschen hier in dieser reichen Metropole leben: sieben berufstätige Erwachsene um die 30 leben in kleinen Zimmern, haben nur ein winziges Bad, eine Kochecke und Sitzplätze für genau sieben Personen, keinen Esstisch – wo sollte der auch stehen? Der Putz kommt von den Wänden, der Gas-Herd und der Warmwasser-Boiler machen wenig vertrauenswürdige Geräusche. Lisa zahlt 530 Pfund (rund 680 Euro, für ihr Zimmer, warm und in Camden. Und in Camden zu leben, entschädigt für so einiges. Es ist wohl einer der coolsten Orte der westlichen Welt. Schön, dass Lisa inzwischen hier lebt, und schön ist es, sie wiederzusehen und mit ihr bis halb Drei zu plaudern!

Samstag ging es für Londoner Verhältnisse unglaublich entspannt los: runter an den Kanal. Und entlang an unzähligen Hausbooten, am Zoo und an virtuosen Akkordeon-Spielern vorbei, gingen wir nach Little Venice. Little Venice ist einer der wohlhabenden Stadtteile in Zentral-London. Das ist nicht das Erste, dass mir vor Samstag zu dieser Weltstadt eingefallen wäre: Auf einer Veranda sitzen, es plätschert das Wasser, und in der Sonne trinken wir exzellenten Capucchino. Der rund 90-minütige Walk hat unseren Schreibtisch-Rücken und -Beinen so gefallen, dass wir ihn auch noch zurück gehen. Ab in den Trubel!

Den Trubel kannte ich schon von meinen letzten Besuchen hier. Und doch finde ich das Pulsieren der Camden-Märkte jedesmal wieder fantastisch, berauschend. Ich gehe an Rheinholds Arm nur zehn Meter und es duftet auf der kurzen Strecke nach Original-Thai-Curry, nach Fritiertem Gemüse und nach göttlichen Doughnuts, gewendet in Zimt und Zucker. In einem Moment Dröhnt von dem einen Stand Reggae, vom nächsten Salsa, von einem weiteren klingt es orientalisch und ein anderer Verkäufer hört lieber Irish Folk in voller Lautstärke. Die Menschen vor und hinter den Tresen sprechen Chinesisch, spanisch, mit afrikanischem Akzent und immer häufiger Polnisch oder tschechisch.

Abends geht es in Camden vielleicht nicht ganz so international zu wie am Tag. Die Club- und Pub-Kultur ist wohl doch eher etwas für einheimische Briten und deutsche Touristen. Aber es geht nicht weniger abwechslungsreich und dynamisch zu. Auf gut Glück investieren wir sechs Pfund in ein Konzert, und werden nicht enttäuscht. Reggae und Ska bringen uns im Dublin Castle in Stimmung. Lisa, Rheinhold und ich ziehen von Pub zu Pub, diskutieren über alte Freunde, über den Alltag in einer so wilden Stadt wie London und streiten uns über Amerika. Tausende andere Menschen tuen ähnliches hier, sie hören dabei schrabbeligen Rock aus schrabbeligen Lautsprechern und füllen ihre Gemüter mit Cider und Ale. Ich liebe die Atmosphäre hier. Von mir aus können wir heut Abend noch einmal im Pub landen…

„London Leben“ über Little Venice: http://www.londonleben.co.uk/london_leben/2005/01/little_venice.html

Homepage der CAMDEN MARKETS LONDON: http://www.camdenlock.net/

Die Insel ruft

Verfasst am Do.28.02.08)

Puh, das war doch eine Menge Stoff! Jetzt ist es an mir, mich in den nächsten Monaten und Jahren für ein PR-Verständnis zu entscheiden. Ist PR Teil des Marketings? Oder ist PR eine unternehmerische Denkhaltung, sozusagen das zweite Bein eines Unternehmens? Und welche Rolle spielen Corporate Behaviour, Communications und Design für eine Selbsthilfe-Organisation blinder und sehbehinderter Menschen? Erstmal viel Denk- und Strukturierungsmodelle, viel Wissen, das noch verinnerlicht und gewichtet werden will. Das kriegt mein verschnupfter Kopf aber heut im ICE gewiss nicht mehr hin.

Und morgen geht’s dann nach London – hoffentlich spielt die Gesundheit mit. Ich freu mich auf vier Tage Metropolen-Flair, auf das bunte Leben, auf vier Tage Spaß mit Rheinhold und auf Lisa, die ich über eineinhalb Jahre nicht gesehen hab. Und ich freu mich auf ein Chinesisches Restaurant, das mir Christian, unser Schweizer PR-Coach, empfohlen hat. Er sagt, dass man dort alles einmal probieren sollte, mit Ausnahme der Hühner-Füße. London ich komme!

Krankfurt

Heut schmerzt der Kopf noch etwas, und die Nase läuft. Gestern lag ich den halben Tag, flau und schwächlich, herum. Und dann musste ich mir im Dämmerzustand auch noch anhören, wie der HSV und 1860 verlieren. Wie soll man da genesen?

Unsere Krankenschwester sagt, dass ich durch Umckaloabo genese: dreimal täglich 30 Tropfen, bis das Fläschchen leer ist. Dosierung und Nebenwirkung muss ich mir vorlesen lassen. Meinen Scanner hab ich nicht immer dabei. Immerhin steht heutzutage der Name des Produkts in Blindenschrift auf der Verpackung. Auch noch nicht auf allen Verpackungen, auf kleinen ist es für die Hersteller nicht verpflichtend. Aber immerhin: in der Regel kann ich die Medikamente in meinem Schrank auseinanderhalten. Und ich werde Herz- nicht mit Ohrentropfen verwechseln. Das ist doch schonmal etwas.

Fondue in Frankfurt

Frankfurt am Main, Mittagspause im PR-Seminar: Referent Christian Anderegg steht in der Küche und zaubert ein Käse-Fondue. Der Schweizer lehrt in dieser Woche PR-Grundlagen. Ich bin in der Stiftung für Blinde und Sehbehinderte im Nordend. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Public Relations bietet die Stiftung die Weiterbildung zum PR-Assistenten/-Berater an. Die Maßnahme dauert zwei Jahre. Am Ende stehen fünf schriftliche Prüfungen und eine mündliche. In diesem Jahr nehmen sieben blinde und Sehbehinderte Menschen an den Kursen teil. Sie haben ganz verschiedene Geschichten. Sie arbeiten beim NaBu, beim DRK oder in einer Bank – oder beim Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg. Sie kommen von der Uni, haben mal als Krankenschwester oder im Kunsthandwerk gearbeitet. Gut, manchmal hat das Seminar Längen, wenn Themen an der Reihe sind, die ich bereits beherrsche. Andererseits ist der Austausch mit anderen Weltsichten und Erfahrungshorizonten immer spannend. Und so ein Fondue vom echten Schweizer ist auch etwas feines.

Stiftung für Blinde und Sehbehinderte Frankfurt: http://www.sbs-frankfurt.de