Die Insel ruft

Verfasst am Do.28.02.08)

Puh, das war doch eine Menge Stoff! Jetzt ist es an mir, mich in den nächsten Monaten und Jahren für ein PR-Verständnis zu entscheiden. Ist PR Teil des Marketings? Oder ist PR eine unternehmerische Denkhaltung, sozusagen das zweite Bein eines Unternehmens? Und welche Rolle spielen Corporate Behaviour, Communications und Design für eine Selbsthilfe-Organisation blinder und sehbehinderter Menschen? Erstmal viel Denk- und Strukturierungsmodelle, viel Wissen, das noch verinnerlicht und gewichtet werden will. Das kriegt mein verschnupfter Kopf aber heut im ICE gewiss nicht mehr hin.

Und morgen geht’s dann nach London – hoffentlich spielt die Gesundheit mit. Ich freu mich auf vier Tage Metropolen-Flair, auf das bunte Leben, auf vier Tage Spaß mit Rheinhold und auf Lisa, die ich über eineinhalb Jahre nicht gesehen hab. Und ich freu mich auf ein Chinesisches Restaurant, das mir Christian, unser Schweizer PR-Coach, empfohlen hat. Er sagt, dass man dort alles einmal probieren sollte, mit Ausnahme der Hühner-Füße. London ich komme!

Krankfurt

Heut schmerzt der Kopf noch etwas, und die Nase läuft. Gestern lag ich den halben Tag, flau und schwächlich, herum. Und dann musste ich mir im Dämmerzustand auch noch anhören, wie der HSV und 1860 verlieren. Wie soll man da genesen?

Unsere Krankenschwester sagt, dass ich durch Umckaloabo genese: dreimal täglich 30 Tropfen, bis das Fläschchen leer ist. Dosierung und Nebenwirkung muss ich mir vorlesen lassen. Meinen Scanner hab ich nicht immer dabei. Immerhin steht heutzutage der Name des Produkts in Blindenschrift auf der Verpackung. Auch noch nicht auf allen Verpackungen, auf kleinen ist es für die Hersteller nicht verpflichtend. Aber immerhin: in der Regel kann ich die Medikamente in meinem Schrank auseinanderhalten. Und ich werde Herz- nicht mit Ohrentropfen verwechseln. Das ist doch schonmal etwas.

Fondue in Frankfurt

Frankfurt am Main, Mittagspause im PR-Seminar: Referent Christian Anderegg steht in der Küche und zaubert ein Käse-Fondue. Der Schweizer lehrt in dieser Woche PR-Grundlagen. Ich bin in der Stiftung für Blinde und Sehbehinderte im Nordend. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Public Relations bietet die Stiftung die Weiterbildung zum PR-Assistenten/-Berater an. Die Maßnahme dauert zwei Jahre. Am Ende stehen fünf schriftliche Prüfungen und eine mündliche. In diesem Jahr nehmen sieben blinde und Sehbehinderte Menschen an den Kursen teil. Sie haben ganz verschiedene Geschichten. Sie arbeiten beim NaBu, beim DRK oder in einer Bank – oder beim Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg. Sie kommen von der Uni, haben mal als Krankenschwester oder im Kunsthandwerk gearbeitet. Gut, manchmal hat das Seminar Längen, wenn Themen an der Reihe sind, die ich bereits beherrsche. Andererseits ist der Austausch mit anderen Weltsichten und Erfahrungshorizonten immer spannend. Und so ein Fondue vom echten Schweizer ist auch etwas feines.

Stiftung für Blinde und Sehbehinderte Frankfurt: http://www.sbs-frankfurt.de

Kelly und Küche

Entwarnung: es kann doch noch Konzerte nach The Cure geben. Freitag spielten die Stereophonics in der Markthalle. Und ich hatte viel Spaß. Sicherlich trug meine humorvolle, tiefsinnige und sensible Begleitung ihren Teil zum Gelingen des Abends bei. Der grundsolide und schmutzige Sound der Waliser Band ging aber auch mächtig nach vorn. Sie spielte, wie schon vor elf Jahren, in der Markthalle. Dort hatte ich sie damals zum erstenmal gesehen. Und wahrscheinlich wird sie nie die Colorline-Arena füllen. Aber die Jungs schreiben Hymnen, schrabbeln mit ihren Guitarren, dass sich die Trommelfelle biegen, und entfalten eine mitreißende Energie. Und der betörende Kelly Jones – in manchen Kreisen nur „die geile Sau“ genannt – reibt mit seiner Stimme die erogenen Zonen seines Publikums, so dass es ihm nach dem Gig an Groupies gewiss nicht mangelt.

Und Samstag schön gekocht: Rheinhold – das H nach dem R soll so – und ich haben einen Fisch-Eintopf gezaubert. Dabei lief der MP3-Recorder. Veröffentlicht wird auf kulinarisches-duett.de, unserem Koch-Podcast.

Wie kochen Blinde? Eigentlich wie sehende Menschen auch. Nur sehen wir nicht, ob die Zwiebeln glasig sind oder die Milch kocht. Es gibt einige kleine Hilfsmittel und Tricks in der Küche. Will ich einen Topf auf eine heiße Herdplatte stellen, suche ich ihren Rand mit einem Holzlöffel. Schäle ich Kartoffeln, lege ich sie danach in Wasser. Die übersehene Schale fühlt sich dann rau an und kann dann gezielt von mir entfernt werden. Koche ich Milch, lege ich ein Plättchen in den Topf, das zu klappern beginnt, wenn die Milch kocht. Am Regler meines Backofens befinden sich Gummi-Punkte, die mir das Einstellen der Gradzahl ermöglichen.

Grundkenntnisse des Kochens – aber auch des Putzens, Nähens oder Bügelns – erlernen blinde Menschen im sog. LPF-Training . Die Abkürzung steht für Lebenspraktische Fähigkeiten. Hier zeigen ausgebildete Trainer den Betroffenen die beschriebenen Kniffe – und noch viele mehr. Der Rest ist Learning-by-Doing – wie bei sehenden Hobby-Köchen auch.

Homepage der Stereophonics: http://www.stereophonics.com/

Das kulinarische Duett: http://www.kulinarisches-duett.de

Infos zu LPF auf weisser-stock.org: http://www.weisser-stock.org/lpf.html