Positives Signal: Gehörlose Julia Probst ist Bloggerin des Jahres

Dass Social Media sich hervorragend dafür eignen kann, für vermeintliche Nischen-Themen zu sensibilisieren, zeigt Julia Probst. Die gehörlose 30-Jährige ist in dieser Woche als Bloggerin des Jahres ausgezeichnet worden. Außerdem hat sie es in die Top Ten der internationalen Twitter-Storys des Jahres 2011 geschafft. In ihrem Blog und bei Twitter setzt sie sich streitbar für mehr Barrierefreiheit, insbesondere für mehr Untertitel und Gebärdensprachdolmetscher im TV ein. Es ist ein tolles Signal für behinderte Menschen, wenn Engagement für mehr Gleichberechtigung in der Gesellschaft honoriert wird. Und ich hoffe, dass das positive Feedback Julia und viele weitere Blogger mit Behinderung motiviert, weiter zu machen – auch wenn der Kampf zäh und anstrengend sein kann. Ergänzend sei allen Leserinnen und Lesern ein Interview empfohlen, das Julia gestern der Rhein-Zeitung gegeben hat.

Barrierefreiheit: Elektrischer Reporter über Blinde im Netz

Regelmäßig schreibe ich über das Thema „blind im Web“. Wenn Sie statt geschriebener Worte einmal einige Bewegtbilder genießen möchten, können Sie mich in einem Beitrag des Elektrischen Reporters sehen und hören. Daniel Bröckerhoff hat Janine Zehe und mich über Chancen und Barrieren im Internet interviewt. In der Ankündigung zum Beitrag heißt es:

Für blinde Menschen ist das Web ein Segen. Eine an den Rechner angeschlossene Braillezeile macht Webseiten fühlbar. Für Blinde ein immenser Gewinn von Unabhängigkeit und Freiheit, im Vergleich zur analogen Welt von vorgestern. Denn in den sozialen Netzen von heute, fällt ihre Behinderung nicht auf und sie kommunizieren gleichberechtigt mit allen anderen.

Den Bericht können Sie hier ansehen.

Zwischen Einschränkung und Barrierefreiheit: Was fällt Dir zu Blindheit ein?

Welche fünf Begriffe fallen Dir spontan zum Thema „Blindheit“ ein? Diese Frage stellte ich meinen Followern bei Formspring.me. Das sind die Antworten:

  • Christiane: Braille, Barrierefreiheit, Blindenhund, Langstock, Hörfilm
  • Wissensagentur: Dunkelheit, eingeschränkt, Brille, Stock, Hund
  • Bosch: Sehen, Hören, Fühlen, Kopfkino, Barrierefreiheit
  • jaimelavieee: Einschränkung, Blindenschrift, Einfühlsamkeit, Blindenzeichen, Fantasie
  • TheaterFedeli: theater (hat wohl mit dir zu tun :-)), blindenhund, Stock, respekt, bewunderung
  • Solnetwork: Braille, Fußgänger-Navigationssystem, elektronischer Blindenstock, Spracherkennung, Netzhaut-Implantat
  • Oltersdorf: Hören, Fühlen, „energetisch Sehen“, Langsamer, Hände
  • Zellmi: Sehen, Barrierefreiheit, Blindenzentrum meiner FH, Orientierung, Hund
  • WaterkantRoyal: „Dialog im Dunkeln“, „Braille Schrift“, „Blindenhund“, „Geräusche machen beim Vorbeigehen“, „keine sozialen Einschränkungen“
  • KuechenKonzerte: kuh, hund, stock, dialog im dunkeln, brille
  • MayaBirken: Mit Blindheit geschlagen, Blinde Kuh spielen, Blindtext, klackende Ampel, Dunkelheit
  • Michaelafn: Nichts sehen, Dunkelheit, Einschränkung, Geräusche / Gehör, Sinne
  • Gedankenstuecke: Hund, Stock, Ampeln, Braille, Echolokation

Und welche fünf Begriffe fallen Ihnen spontan zum Thema Blindheit ein?

Barrierefreiheit: Ein Minus für Google Plus

In dieser Woche hat Google sein eigenes soziales Netzwerk freigeschaltet. Google Plus nennt sich der mögliche Facebook-Killer. Viele Nutzer loben vor Allem das nette und aufgeräumte Design. Aus blinder Sicht ist Google Plus keineswegs aufgeräumt – im Gegenteil.

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Wissen Sie, was Google Plus mir damit sagen möchte? Ich weiß es nicht. Dieses Zeichen-Wirrwarr liest mir aber mein Computer vor, wenn ich auf der Seite des sozialen Netzwerks bin. Dazu kommt ein für mich unstrukturiertes Durcheinander von Schaltflächen, Menüs, Untermenüs, Rahmen, Tabellen und Links. Anklickbare Links und einige Schaltflächen verfügen nicht über eine textliche Beschreibung, so dass ich nicht weiß, welchen Zweck sie erfüllen. Das Ausfüllen und Bearbeiten des eigenen Profils ist ebenfalls nur begrenzt möglich und erfordert viel Wurschtelei. So sprang bei mir regelmäßig der Focus meines Screenreaders aus den Eingabefeldern und Menüs (zum Beispiel bei der Angabe von Uni und Ausbildung). Ich musste die entsprechende Stelle erstmal wiederfinden. Orientierungspunkte, die Facebook vor einigen Monaten eingefügt hat und die blinden Nutzern die Navigation auf Internet-Seiten erheblich vereinfachen, fehlen ganz. Immerhin konnte ich einen Status eingeben und auch die Freigabe für bestimmte Circles ist für mich problemlos möglich.

Das alles ist nur ein erster Eindruck. Und ich bin auch kein Fachmann für Webdesign. Aber mein Zwischenfazit fällt negativ aus: in Sachen Barrierefreiheit bekommt Google Plus von mir ein Minus. Ganz gewiss ist Facebook auch weit davon entfernt ein Musterschüler in Sachen Accessibility zu sein – ich habe hierzu schon einmal gebloggt -, aber zumindest scheint man sich dort des Themas bewusst zu sein. Apple wiederum setzt sogar Maßstäbe in der Zugänglichkeit seiner Produkte, indem es zum Beispiel seine Handys, PC’s und iPods standardmäßig mit einem Screenreader und einer Sprachausgabe für Blinde ausliefert. Google hingegen enttäuscht in zuverlässiger Regelmäßigkeit auf diesem Gebiet – sei es beim Kalender, beim Reader, bei Buzz und jetzt bei Google Plus. Die 15% Weltbevölkerung mit einer Behinderung gehören wohl nicht zur Zielgruppe des Internet-Riesen.

Nachtrag (08.07.11): Am gestrigen Donnerstag hat sich ein Google-Mitarbeiter bei mir per Mail gemeldet. Er informierte sich bei mir, mit welchen Screenreadern und Browsern ich Google Plus nutze. Und er versprach meinen Blogpost – ins Englische übersetzt – an das Plus-Team weiterzuleiten.