„Mir macht es Riesenspaß, mich nicht nur immer und überall bräsig voll auf die dreckige Klobrille zu setzen, ich wische sie auch vor dem Hinsetzen mit meiner Muschi in einer kunstvoll geschwungenen Hüftbewegung einmal komplett im Kreis sauber. Wenn ich mit der Muschi auf der Klobrille ansetze, gibt es ein schönes schmatzendes Geräusch, und alle fremden Schamhaare, Tropfen, Flecken und Fützen jeder Farbe und Konsistenz werden von meiner Muschi aufgesogen.“ Klar, das kann man mal schreiben, aber muss das gleich ein Bestseller werden? Mich hat Charlotte Roches aktueller Roman enttäuscht, zumal ich sie in ihrer großen Viva-Zwei-Zeit sehr geschätzt habe und sie bis heute in Interviews immer sehr witzig fand. Gelegentlich blitzt ihr Humor auch in „Feuchtgebiete“ auf, aber viel zu selten. Was bleibt ist ein krampfhaft auf den Ekelschock getrimmtes buch, ohne Handlung und Niveau. Aber was spricht es beim Publikum an, das zu Hunderttausenden „Feuchtgebiete“ kauft? Bei mir reanimierte es phasenweise das Gefühl, das sich einstellte, als wir uns mit Elf die Liebe-Sex-und-Zärtlichkeit-Seiten in der Bravo vorgelesen haben. Und sicherlich ist es Roche gelungen, an eines der letzten Tabus unserer so liberalen Gesellschaft zu rühren. Und das schafft heutzutage auch nicht mal jeder. Selbstredend kann man einen Roman gegen den Hygienewahn schreiben. Natürlich ist die Flucht eines 18jährigen Scheidungskindes in Sex und Schmutz ein interessantes Thema. Charlotte Roche hat aber vielzuwenig daraus gemacht. Auch ihre ungekürzte Autorenlesung ist eher Mittelmaß. Unbetont und gequätscht kommt die Stimme aus den Lautsprechern. Naja, Ihr sei der Erfolg – so von Mensch zu Mensch – trotzdem gegönnt!
Schlagwort: Literatur
Eigentlich unddenkbar
Beziehungen zwischen Mann und Frau sind – sieht man es einmal realistisch – undenkbar. Und doch gibt es sie. In ihnen finden wir
Erfüllung und Enge, Glück und Hass, Lust und Leid. Das alles sind Binsenweisheiten. Es gibt in der Literatur aber einige Werke, in
denen diese Binsenweisheiten famos pointiert wurden. Hier kommen fünf meiner Highlights von Mann-Frau-Geschichten – schließlich hab
ich Urlaub, das Wetter ist mittelmäßig, und ich hab Zeit für Literatur:
Arthur Schnitzler: Traumnovelle
Genial, abstoßend und anziehend. Schnitzler lässt uns tief in die ehelichen Abgründe des Unbewussten schauen. Und er gibt doch
die Hoffnung nicht auf, dass sich dieser gemeinsame Blick für Paare am Ende lohnt.
Milan Kundera: Die unerträgliche
Leichtigkeit des Seins
Witzig, traurig, verstörend. Dass es in Liebe und Leben keine Probe gibt, sondern jede Handlung gleich eine Wirkung hat, die wir
nicht mehr rückgängig machen können, ist Kunderas erschütterndes Thema.
Nick Hornby: High Fidelity
Groovy, bitter, süß. Hornby zeigt, dass es sich lohnt, sich zu streiten, sich zu versöhnen und gemeinsam erwachsen zu werden und
dabei trotzdem jung zu bleiben.
Thomas Mann: Luischen
Widerlich, gnadenlos, mahnend. So grausam und erniedrigend kann eine einseitige Liebe enden – lasst Euch das eine Mann’sche
Warnung sein.
Tschingis Aitmatow: Dshamilja
Romantisch, menschlich, politisch. Wirklich eine der schönsten Liebes-Geschichten der Welt. Aitmatow zeigt, dass die Liebe
zwischen Mann und Frau bestehen kann – gegen die größten Widrigkeiten des Lebens.
Ich freu mich auf Ihre Lieblings-Mann-Frau-Geschichten als Kommentar.
Nochmal der weise Thomas
Aber um den jungen Avantageur mit den zu langen Augenlidern könntest Du Dich ein bisschen kümmern, der neben Dir sitzt und seine
Einsamkeit gern mit Deiner zusammentäte. Warum verschmähst Du ihn? Warum verachtest Du ihn? Weil er von Deiner eigenen Welt ist und
nicht von der anderen, wo Frohmut und Stolz herrscht, Glück, Rhythmus und Siegersinn? Freilich, es ist schwer, in einer Welt nicht
heimisch zu sein und nicht in der anderen, – wir wissen es! Aber es gibt keine Versöhnung …
(…)
Denn ein Glück, ein kleiner Schauer und Rausch von Glück berührt das Herz, wenn jene zwei Welten, zwischen denen die Sehnsucht
hin und wider irrt, sich in einer kurzen, trügerischen Annäherung zusammenfinden.
Ein Zitat
„Verzückte Poeten haben mir vorgesungen, die Sprache sei arm, ach, sie sei arm – o nein, mein Herr! Die Sprache dünkt mich, ist reich, ist überschwenglich reich im Vergleich mit der Dürftigkeit und Begrenztheit des Lebens. Der Schmerz hat seine Grenzen: der körperliche in der Ohnmacht, der seelische im Stumpfsinn, – es ist mit dem Glück nicht anders. Das menschliche Mitteilungsbedürfnis aber hat sich Laute erfunden, die über diese Grenzen hinweglügen.“