Antworten an Himmelfahrt

An regnerischen Feiertagen wie Christi Himmelfahrt, an denen Hagel und Gewitter über die Hansestadt herfallen, kann unsereins ganz ohne schlechtes Gewissen ins Web abtauchen. Gern schauen die bezaubernde Anna und ich dann bei Blogthings.com vorbei. Gerade in Zeiten, in denen Facebook von stümperhaften und langweiligen Quiz-Applikationen überschwemmt wird, sind die kleinen Tests bei Blogthings ein wahrer Segen. Liebevoll und humorvoll sind sie geschrieben, viele Fragen regen zum Nachdenken an. Die Ergebnisse sind menschenfreundlich und erfrischend unzynisch.

Einige Ergebnisse: Ich bin Yellow, Shampoo, Super Spiritual, Observant in Life, mein Birthday’s Wisdom is Creation, ich bin Blogthings zufolge Salty und TheBedroom, mein Hintern verrät über mich You’re Competitive, ich glaube Love is Private, und meine letzten Worte werden sein „What we know is not much. What we don’t know is enormous.“

Gut, dass es das Web und Blogthings gibt: Sonst wüsste ich nicht, wer ich bin. Und was verrät die Seite über Sie? Ich freu mich auf Ihre Ergebnisse in den Kommentaren.

Der ganz normale Bahnsinn

Verlieren Sie nie Ihre Bahn-Card in einem Zug der Deutschen Bahn. Als ich vor einigen Wochen mein Etui mit Ausweis und Bahn-Card beim Aussteigen am Dammtor im Abteil vergaß, ahnte ich nicht, welch einen Spaß ich noch haben würde. Der Zug sollte in Altona enden. Das Reinigungspersonal würde meine an sich wertlosen Sachen finden, und ich würde dann zum Fundbüro gehen, und alles wäre super. So dachte ich mir das. Die Realität war eine andere. Entweder wurde der ICE in Altona nicht gereinigt, oder das Personal nahm es nicht so genau mit den Fundstücken. Jedenfalls konnte mir die Online-Suche auch zwei Wochen nach dem Verlust kein Ergebnis liefern. Mein persönliches Vorsprechen im Fundbüro der Bahn am Hamburger Hauptbahnhof erbrachte nur eine patzige Antwort des Mitarbeiters: „Da stand ja Ihr Name drin. Sie hätten von uns gehört.“ Aha, Fehler ausgeschlossen, logisch.

Ähnlich hilfsbereit war der Mitarbeiter im Reisezentrum Dammtor, den ich für meine nächste Bahnfahrt um eine vorläufige Bahn-Card bat. Da ich dort bereits im Februar einmal eine solche erhalten hatte, wusste ich, dass das prinzipiell möglich ist. „Das machen wir nicht. Da müssen Sie die Bahn-Card-Hotline anrufen. Sie kriegen dann in zehn Tagen eine neue Karte, kostet 15 Euro. Und Sie müssen sich jetzt eine Fahrkarte zum vollen Preis holen. Die kriegen Sie später erstattet, das kostet auch 15 Euro.“ Ob der Verdacht, dass der Mitarbeiter seinem Job eher lustlos nachgeht, unbegründet ist? Ich erklärte ihm jedenfalls, dass ich bereits ein ermäßigtes Online-Ticket für die nächste Tour nach Frankfurt/Main hätte. „Da kann ich Ihnen gar nicht helfen. Online ist ja unsere Konkurrenz.“ Ich gab zu verstehen, dass doch alles Deutsche Bahn sei, ob nun Schalter oder Onlineshop. „Die Zeiten sind lange vorbei. Das sind alles eigene Firmen.“ Schön, wenn interner Wettbewerb auf Kosten des Kunden ausgetragen wird.

Der unfreundliche Dammtor-Mann wandte sich immer wieder an meine Begleitung, nicht an mich. Blinde Kunden sind wohl keine gleichwertigen Kunden. Wie dem auch sei: Selbst wenn der Herr von seinem Vorgesetzten eingeschärft bekommen haben sollte, dass er nicht die betriebsinternen Feinde vom Onlineverkauf unterstützen dürfe, so hätte er mir doch zumindest anbieten können, einmal beim Bahn-Card-Service anzurufen und zu klären, wie ich jetzt weiter vorgehen sollte. Nein, stattdessen kritzelte er einem nichtsehenden Kunden die Telefonnummer der Bahn auf einen kleinen Zettel und schickte mich weg. Mein Zug sollte in einer halben Stunde fahren. Service, Spontanietät und Offenheit sind bei der Bahn keine Tugenden.

Doch, sie stören

In Hamburg-Altona gibt es Streit. Der Bezirk möchte die Zahl der Aufstellschilder vor Geschäften reduzieren. Die Begründung: die Schilder versperren Personen mit Kinderwagen und blinden Menschen den Weg. In der vergangenen Woche rief mich ein Journalist an: „Ich kann mir das nicht vorstellen, dass die stören“, sagte er mir. Doch, das tun sie. Insbesondere wenn sie nicht direkt vor dem Geschäft, sondern mitten auf dem Bürgersteig stehen. Wie oft schlage ich mit meinem weißen Stock gegen diese Hindernisse – wenn es gut läuft. Wenn es schlechter läuft, dann stehen sie so, dass nicht mein Stock gegen sie stößt, sondern mein Ellbogen oder Knie. „Aber man muss doch abwägen“, gab der Medienkollege zu bedenken, „die Interessen der wenigen Blinden und das Informationsbedürfnis von zwei Millionen Hamburgern.“ Man kann sicher über den Informationsgehalt von vermeintlichen Sonderangeboten streiten. Und 3000 blinde und weit über 40.000 sehbehinderte Hamburger sind auch kein Pappenstiel. Und deren Interessen vertrete ich. Daher: Ich freue mich über jedes Schild, über jedes Hindernis, über jede Barriere, das oder die von Hamburgs Bürgersteigen verschwindet.

In die Grube

In Mainz ist eine blinde Frau in einen offenen, schlecht gesicherten Kabelschacht gestürzt. Glücklicherweise hat sie sich nur leicht verletzt. Dennoch: es hätte auch anders kommen können. Zurecht verlangt der rheinland-pfälzische Behindertenbeauftragte Ottmar Miles-Paul eine bessere Absicherung von Baustellen. Immer wieder höre ich von Fallen, die besonders blinde und stark sehbehinderte Menschen bedrohen. Bisher ist mir noch nichts derartiges passiert. Meist sind die Baustellen auf meinen Wegen mit Metallabsperrungen gesichert. Wenn Bauarbeiter gerade am Werk waren, haben sie mir bisher in der Regel Hilfe angeboten und mich rechtzeitig auf das Loch im Boden aufmerksam gemacht. Ist eine Baustelle aber nur mit einem flatternden Band abgesperrt, dann droht Gefahr. Mit dem weißen Blindenstock fühlt man es nicht oder zu spät und schon ist man mit einem Fuß in der Grube. Bleibt zu hoffen, dass Ereignisse wie das in Mainz die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren.