Der Spiegel und die Behinderten (2): Sie sprechen mit uns

An anderer Stelle habe ich die unzeitgemäße Berichterstattung des Nachrichten-Magazins „Der Spiegel“ über Menschen mit Behinderung kritisiert. Mich hat insbesondere gestört, dass primär über uns und nicht mit uns gesprochen wurde. In zwei kürzlich erschienenen Beiträgen war dies endlich einmal anders.

Da war zum einen ein Artikel über Menschen mit Glasknochen. Und es gab in einer Titel-Geschichte (digital leider nur im Abo) ein Interview mit Samuel Koch und Philippe Pozzo di Borgo. Sicherlich, ich könnte jetzt kritisieren, dass Behinderung von den Redakteuren immer noch sehr stark medizinisch und nicht gesellschaftlich verstanden wird. Ich könnte auch anmerken, dass der Fokus auf dem „Schicksalsschlag“ liegt und nicht auf dem alltäglichen Leben mit einer Behinderung. Und ich könnte auch darauf hinweisen, dass ein Spiegel-Titel über Behinderung wohl nur im Sommerloch und mit Promi-Gästen denkbar ist. Aber ich kann mich auch einfach mal über erste Schritte in die richtige Richtung freuen: Endlich sprechen sie mit uns – und nicht über uns.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und selbst blind. Er ist Vorstandsmitglied der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen, der Stiftung Centralbibliothek für Blinde, der Norddeutschen Blindenhörbücherei und der Erich-Quenzel-Stiftung. Er ist freier Journalist und engagiert sich für Inklusion und Barrierefreiheit.

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