Entspannt in der Wallanderstadt

Nach drei Tagen Kopenhagen waren die bezaubernde Anna und ich erst so richtig in Urlaubsstimmung. Daher fuhren wir nicht zurück nach Hamburg, sondern über die Öresund-Brücke nach Malmö in Schweden. Da Malmö selbst wenig ansprechend ist, studierten wir die Fahrpläne am dortigen Bahnhof. Die meisten Haltestellen sagten uns nichts, waren es sehenswerte Kleinstädte mit touristischer Infrastruktur oder winzige Dörfer ohne Unterkunft für uns (ein Zelt hatten wir nicht im Gepäck)? Eine Stadt, deren Namen ich kannte, war Ystad. Wenngleich ich mit der südschwedischen Stadt vor allem regnerische Herbsttage, depressive Lebenskrisen und brutale Mordfälle in Verbindung brachte, so fand ich es doch reizvoll, einmal in die Stadt von Kommissar Wallander zu fahren.

Ystad präsentierte sich ganz und gar nicht unfreundlich. Eine ruhige, im Zentrum autofreie Kleinstaft empfing uns. Nach dem Kopenhagener Hauptstadt-Trubel war dies ein willkommener Kontrast. Schnell – spätestens als wir unsere Füße in die kräftige Brandung der Ostsee hielten – war uns klar, dass wir einige Tage hier bleiben würden. Es wurden vier erholsame Tage.

Unsere Ferienwohnung lag neben dem Polizei-Revier des TV-Wallanders, Sprich: auf dem Gelände der Ystadstudios, dem Film-Zentrum Schwedens. Von hier aus kamen wir in wenigen Minuten in ein weitläufiges Waldgebiet. In einer Viertelstunde waren wir am Meer. Wald und Meer prägten auch unsere schönste Wanderung. Wir liefen von Ystad nach Nybrostrand. Der rund zweistündige Marsch führte uns durch schattigkühle Nadel- und Laubwälder, an Farnen und Schilf vorbei, durch Felder, in denen sich Hummeln, Grillen und Schmetterlinge tummelten. Und während der ganzen Zeit war die rauschende Ostsee wenige Meter neben uns. Immer wieder konnten wir kleine Wege nehmen, die uns an den fast menschenleeren Strand führten.

In Sachen Wandern enttäuschend, aber dennoch eine Reise wert ist Kåseberga, das wir mit dem Bus ansteuerten. Hier gibt es mythische Steinkreise. Die Menschenüberragenden und tonnenschweren Felsen stehen auf einem Hügel, weit unten schlagen die Ostseewellen an die Küste. Man kann sich gut vorstellen, dass die Menschen vor Jahrtausenden hier spirituelle Erfahrungen machten.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und ist selbst blind.

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