Dreierlei Rauschen

Juist im Winter: Leere, Ruhe, Weite, Frische! Die bezaubernde Anna und ich waren am vergangenen Wochenende auf der ostfriesischen Insel. Was für ein Kontrast zu Frankfurt am Main. Dort hatte ich zuvor ein PR-Seminar besucht. Auto- und Straßenbahnlärm, Hochhäuser und Abgase wurden durch das Rauschen des Meeres, Dünenwanderwege und eine autofreie Insel abgelöst. Johanna hatte Recht, als sie in ihrem Blog schrieb: „Juist im Januar – einsamer geht es kaum! Wenn sogar die Einheimischen in Teilen die Insel verlassen, bleiben endlose unberührte Strände und ein einzigartiges Gefühl der Ruhe. Muss man machen: Alleine, singend, im Regen am Strand tanzen!“

Schon die Anreise war ein Spaß: mit dem Miniflieger von Norddeich auf die Insel. Acht Leute fanden Platz, eng an eng, direkt über meinem Kopf war das Dach. Gepäck in den Kofferraum, türen zu, Motoren an. Ich fühlte mich eher wie in einem Bus – einem Bus mit zwei sehr lauten Motoren. Abheben, das Schaukeln im Wind, das Kribbeln im Bauch beim Landen, herrlich. Noch herrlicher war der Bus-Service vom Flughafen Juist in die Friesenstraße im Ortskern. Kutschenbus ist das Stichwort. Gemütlich trabten wir die vier Kilometer zu unserer Pension. Und danach zwei Tage Spazieren, Essen, Schlafen – Energie Tanken.

Die Juister Kinder hatten zwei Wochen Winterferien. Viele Einheimische waren daher im Urlaub. Die meisten Restaurants und Geschäfte waren geschlossen. Wir trafen kaum einen Menschen auf den Straßen, Wanderwegen und am Strand. Die Sonne schien, die Luft zog salzhaltig und rein vom Nordmeer kommend in unsere Lungen. Es lag sogar ein bisschen Schnee, eine Seltenheit auf der Insel.

Am Sonntag stürmte es. Wie wundervoll war es, an diesem Tag am Strand zu sein. Es zog und drückte an der Kleidung. Dreierlei Rauschen hörte ich: das massive, dumpfe Dröhnen der Nordseewellen, das pausenlose, kräftige Wehen des Windes und schließlich das feine Zischen des Sandes, der um unsere Beine stob. Das sind Momente, die sind einfach und gerade deswegen so beeindruckend. Sie werden mir gewiss im Gedächtnis bleiben.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und ist selbst blind.

2 Kommentare zu „Dreierlei Rauschen“

  1. Zuuuurecht, Fräulein Johanna, zuuuuurecht! Wurd nicht just getwittert, dass es in Bälde nach London gehen soll? Ebenfalls ein feines Reiseziel, wenn auch ein Wenig anders als Juist.;-)

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