Nordsee-Winter: Hotdogs statt Gans

Keine Last-Minute-Geschenke-Hektik, kein Patchwork-Familien-Besuchsexzess, Hotdog satt statt Weihnachtsgans. Dies jahr war Weihnachten wirklich besinnlich und ruhig. Die bezaubernde Anna und ich waren eine Woche auf Fanø. Die dänische Nordsee-Insel empfing uns verschneit. Noch nie bin ich über einen so tief verschneiden Strand spaziert. Die Wellen schlagen mal, mal plätschern sie, an die gefrorene Küste und bringen Muscheln und Bernstein mit. Die Möwen kreischen und suchen bei Ebbe im Watt nach Nahrung. Der Wind weht an einigen Tagen eisig, so dass sich unsere Gesichter vor Kälte taub anfühlen, dann ist es wieder windstill und wundervoll ruhig. Dann hört man nur unsere Schritte: auf frisch gefallenem Schnee (Frischer Schnee am Ebbestrand) knirscht es leise unter den Füßen, dann krachen sie beinah durch vereisten Schnee (Vereister Schnee), bei Tauwetter (Tauender Schnee) matscht und plätschert es.

Schneestrand
Schneestrand

Uns blieb viel Zeit zum Lesen, für gute Filme und viel Schlaf. Denn die touristische Infrastruktur Fanøs ist im Dezember weitgehend eingestellt. Die allermeisten Restaurants und viele Geschäfte sind geschlossen. Der Bus fährt seltener als im Sommerhalbjahr. Aber warum sollte man auch wegfahren, wenn direkt hinter unserer gemütlichen Ferienwohnung der Strand beginnt, und wir bei offenem Fenster die Nordsee-Wellen hören können. Ich glaube nicht, dass ich mir im Sommer in der selben Ferienanlage eine Wohnung mieten würde. Dann ist sie bestimmt überfüllt. Aber jetzt waren nur wenige Familien im Urlaub in Fanø Bad, und so wurden es ruhige Festtage mit der Liebsten. Ich war jedenfalls noch nie nach Weihnachten so erholt wie in diesem Jahr.

Heiko am Strand von Fanö
Heiko am Strand von Fanö

Fotos Copyright by Anna-Karina Handke

Dreierlei Rauschen

Juist im Winter: Leere, Ruhe, Weite, Frische! Die bezaubernde Anna und ich waren am vergangenen Wochenende auf der ostfriesischen Insel. Was für ein Kontrast zu Frankfurt am Main. Dort hatte ich zuvor ein PR-Seminar besucht. Auto- und Straßenbahnlärm, Hochhäuser und Abgase wurden durch das Rauschen des Meeres, Dünenwanderwege und eine autofreie Insel abgelöst. Johanna hatte Recht, als sie in ihrem Blog schrieb: „Juist im Januar – einsamer geht es kaum! Wenn sogar die Einheimischen in Teilen die Insel verlassen, bleiben endlose unberührte Strände und ein einzigartiges Gefühl der Ruhe. Muss man machen: Alleine, singend, im Regen am Strand tanzen!“

Schon die Anreise war ein Spaß: mit dem Miniflieger von Norddeich auf die Insel. Acht Leute fanden Platz, eng an eng, direkt über meinem Kopf war das Dach. Gepäck in den Kofferraum, türen zu, Motoren an. Ich fühlte mich eher wie in einem Bus – einem Bus mit zwei sehr lauten Motoren. Abheben, das Schaukeln im Wind, das Kribbeln im Bauch beim Landen, herrlich. Noch herrlicher war der Bus-Service vom Flughafen Juist in die Friesenstraße im Ortskern. Kutschenbus ist das Stichwort. Gemütlich trabten wir die vier Kilometer zu unserer Pension. Und danach zwei Tage Spazieren, Essen, Schlafen – Energie Tanken.

Die Juister Kinder hatten zwei Wochen Winterferien. Viele Einheimische waren daher im Urlaub. Die meisten Restaurants und Geschäfte waren geschlossen. Wir trafen kaum einen Menschen auf den Straßen, Wanderwegen und am Strand. Die Sonne schien, die Luft zog salzhaltig und rein vom Nordmeer kommend in unsere Lungen. Es lag sogar ein bisschen Schnee, eine Seltenheit auf der Insel.

Am Sonntag stürmte es. Wie wundervoll war es, an diesem Tag am Strand zu sein. Es zog und drückte an der Kleidung. Dreierlei Rauschen hörte ich: das massive, dumpfe Dröhnen der Nordseewellen, das pausenlose, kräftige Wehen des Windes und schließlich das feine Zischen des Sandes, der um unsere Beine stob. Das sind Momente, die sind einfach und gerade deswegen so beeindruckend. Sie werden mir gewiss im Gedächtnis bleiben.