Kurzweilige Langeweile

Die Buddenbrooks sind ein deutscher Mythos. Thomas Manns Familiensaga ist ja auch wirklich ein Meisterwerk. Die Verfilmung von Heinrich Breloer ist aber reichlich unspektakulär. Gelecktes und kitschiges Prunkkino, ohne Gefühl und Humor. Das kann man doch mit dem grandiosen Ironiker Mann nicht machen. Selbst der Geck und erste Ehemann von Tochter Toni, Grünlich, ist nicht witzig gespielt. Statt mit einem Schmunzeln auf die Komik in der Tragik zu blicken, dominiert betonte Ernsthaftigkeit. Untermalt wird das Stelldichein der deutschen Filmprominenz – Armin Müller-Stahl, Jessica Schwarz, August Diehl u. A. – mit beinah durchgehender Filmmusik – und selbst die ist langweilig. Das Einzige, was gelingt, ist, dass die Zeitlosigkeit des Stoffes deutlich wird: Angst vor wirtschaftlichem Abschwung, finanziellem Verlust und unerfüllte Liebe sind bis und gerade heute aktuell. John von Düffels Theater-Adaption der Buddenbrooks machte dies allerdings auch deutlich, undzwar mit sehr viel mehr Witz. Von Düffel gelang es sogar, den Mann’schen Stoff neu zu beleuchten. Davon ist bei Breloer kaum etwas zu merken, denn vor lauter Kitsch und schönen Menschen ist an Reflektieren kaum zu denken. Die zweieinhalb Stunden sind dennoch schnell herum, denn der Film ist durch und durch professionell produziert – aber leider nur das.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und selbst blind. Er ist Vorstandsmitglied der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen, der Stiftung Centralbibliothek für Blinde, der Norddeutschen Blindenhörbücherei und der Erich-Quenzel-Stiftung. Er ist freier Journalist und engagiert sich für Inklusion und Barrierefreiheit.

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