Kurzweilige Langeweile

Die Buddenbrooks sind ein deutscher Mythos. Thomas Manns Familiensaga ist ja auch wirklich ein Meisterwerk. Die Verfilmung von Heinrich Breloer ist aber reichlich unspektakulär. Gelecktes und kitschiges Prunkkino, ohne Gefühl und Humor. Das kann man doch mit dem grandiosen Ironiker Mann nicht machen. Selbst der Geck und erste Ehemann von Tochter Toni, Grünlich, ist nicht witzig gespielt. Statt mit einem Schmunzeln auf die Komik in der Tragik zu blicken, dominiert betonte Ernsthaftigkeit. Untermalt wird das Stelldichein der deutschen Filmprominenz – Armin Müller-Stahl, Jessica Schwarz, August Diehl u. A. – mit beinah durchgehender Filmmusik – und selbst die ist langweilig. Das Einzige, was gelingt, ist, dass die Zeitlosigkeit des Stoffes deutlich wird: Angst vor wirtschaftlichem Abschwung, finanziellem Verlust und unerfüllte Liebe sind bis und gerade heute aktuell. John von Düffels Theater-Adaption der Buddenbrooks machte dies allerdings auch deutlich, undzwar mit sehr viel mehr Witz. Von Düffel gelang es sogar, den Mann’schen Stoff neu zu beleuchten. Davon ist bei Breloer kaum etwas zu merken, denn vor lauter Kitsch und schönen Menschen ist an Reflektieren kaum zu denken. Die zweieinhalb Stunden sind dennoch schnell herum, denn der Film ist durch und durch professionell produziert – aber leider nur das.

Bürgerliche Pflichten und bürgerliches Scheitern

Inspiriert durch die eigene Bühnenerfahrung und durch die zauberhafte Anna mache ich gerade Theater-Wochen. Am vergangenen Mittwoch sahen wir die Buddenbrooks im Thalia-Theater. Die Wieder-Aufführung der John-von-Düffel-Adaption des Thomas-Mann-Klassikers war witzig, schlicht und gelungen. Auf zwei Buddenbrooks-Generationen musste von düffel verzichten. Er konzentrierte sich auf die ökonomischen Zwänge, denen das bürgerliche Leben unterworfen ist. Das war in sich stimmig und klug gelöst, wenngleich die Vielschichtigkeit und breite Anlage des Romans sich nicht auf der bühne fand. Die Schauspieler waren mit enormem Spielwitz dabei und brachten dynamische, kurzweilige, humorvolle und nicht zu nachdenkliche zweieinhalb Stunden Theater auf die Bühne. Sie werden das am 8. Dezember wieder tun

Bedrückender als die Buddenbrooks kam am Samstag Michael Kramer im Ernst-Deutsch-Theater daher. Aber auch bei Gerhart Hauptmann stehen bürgerliche Werte im Zentrum: Pflichterfüllung und Disziplin. Diese fordert der Kunstprofessor Kramer von seinem Sohn Arnold, der sich sein Leben lang dagegen auflehnt und dabei seine Talente verschenkt. Das Scheitern des Sohnes kulminiert in einer unglücklichen Liebe, dem Spott der Gesellschaft und schließlich im Selbstmord des Sohnes. Erst dieser Selbstmord führt zur Reflektion durch den Vater. Uwe Friedrichsen spielt diese viel zu späte Reflektion erschütternd und bewegend. „Michael Kramer“ ist kein schönes, aber ein gutes Stück, das Stoff zum Nachdenken an einem Herbstabend liefert. Vorstellungen finden noch bis zum 15. November statt.

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