Die Krönung des Pop

Gut, die Anreise ist semi-luxuriös – U-Bahn, S-Bahn, vollgestopfter Bus. Die Leibesvisitation am Eingang hat mehr mit Flughafen als mit Konzerthalle gemein (€1 Aufbewahrungsgebühr für mein Taschenmesser – naja, wenigstens keine Extrawurst für den Blinden). Aber sonst: die Krönung des Pop!

The Cure waren Freitag in Hamburg. Sarih – die erste Blind-PR-Kommentiererin und meine Begleitung an diesem Abend- und ich waren weit vorn, hatten die besten Stehplätze, die überhaupt die besten Plätze in der Colorline-Arena sind. Hier ist der Sound am besten, von der Stimmung ganz zu schweigen. Na gut, die Stimmung brauchte auch am Freitag ein Bisschen Zeit, aber als sie erstmal da war, wollte sie sich bis zum Exzess steigern. Robert Smith singt wie vor 30 Jahren. Seine Stimme lässt meinen Magen kribbeln. Die Band kommt mal gruftig, mal überraschend funky daher. Wie in der Musik von the Cure, geben sich auch in mir Melancholie und Euphorie die Klinke in die Hand. Und spätestens bei „Boys don’t cry“ fühl ich mich steinalt und jung wie noch nie – und das gleichzeitig. Dreieinhalb Stunden spielen Smith und Band, umwerfend, großartig, genial.

Wovor mir nur graut: wie soll ich nach diesem grandiosen Gig das Konzert einer anderen Band genießen? Diese ganzen Nachwuchs-Melancholiker können doch einpacken. Ich hoffe nur, dass meine Cure-Begeisterung bis zum Konzert der Editors ein Wenig gesackt ist – schon allein, um dann nicht enttäuscht zu sein.

Offizielle deutschsprachige Cure-Homepage: http://www.the-cure.de.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und ist selbst blind.

2 Kommentare zu „Die Krönung des Pop“

  1. jaaa…jetzt mal mein kommentar zu dem grandiosen abend:
    in der „colina“ angekommen (bahn fahren kann ich schon mit heiko ;-)durfte ich mit heiko erstmal wieder durch menschen mengen, prompt vergaß ich in der eile, dass der gute ja nich gucken kann. schwups, eine frau angerempelt, aber nix passiert. daraufhin hab ich heiko erstmal mit meinem arm „abgeschirmt“, was natürlich übertrieben war…
    aber dann waren wir drin! so vier reihen vor der bühne. ganz nebenbei, die lichtshow war auch großartig!
    wer sagt the cure ist ein altherrenverein, die nur „softe“ sachen spielen, der hat sie noch nicht live erlebt! das rockt!

    ja heiko…wir müssen es echt sacken lassen…aber eines ist sicher, the cure stellt so manche in den schatten…

    thanks für den wunderschönen abend

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  2. Hey Sarih,
    ich hab zu danken: für inzwischen 2 Kommentare und den duften Abend!
    Mit dem Arm abschirmen musst Du mich in der Tat nicht. Ich bin ja nicht aus Watte:-) Obwohl: vor einigen Jahren – ich ging am Arm eines Freundes – rempelte ich einmal jemanden an, der mir dann „die Fresse polieren“ wollte. Kurz vorm Zuschlagen realisierte er, dass ich blind war. Eine Tirade voller Entschuldigungen folgte, und der Rüpel war plötzlich zahm wie ein Kuscheltier.
    CU, Heiko

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