58 Stunden Hörgenuss: „Die Elenden“ von Victor Hugo

Geschafft. 57 Stunden und 46 Minuten dauerte das Hörbuch, und es hat sich gelohnt. In Zeiten, in denen Sachverhalte in 140 Zeichen via Twitter gepostet werden, in denen ständig neue Push-Benachrichtigungen unsere Aufmerksamkeiten von einem Thema zum nächsten, von WhatsApp zu Facebook lenken, in solchen Zeiten ist es ein wohltuendes Gegenprogramm, wenn man mehrere Wochen mit einem Hörbuch verbringt.

Victor Hugos Meisterwerk „Die Elenden / Les Misérables“ ist in der Tat hörenswert. Über rund 20 Jahre erstreckt sich der epochale Roman. In aller Ruhe und Ausführlichkeit werden die vielen handelnden Personen eingeführt, ihre Lebensgeschichten und Verflechtungen ausgeschmückt. Zusätzlich nimmt sich Hugo immer wieder auch die Zeit über mehrere Kapitel hinweg über den Verlauf der Geschichte zu philosophieren, Napoleons Schlachten en Detail zu schildern oder die Geschichte der Kanalisation von Paris zu erläutern.

Das mag vielen Hörern langatmig erscheinen, zumal wenn sie an gekürzte Hörbücher gewöhnt sind. Ich aber fand die Lektüre von „Die Elenden“ enorm unterhaltsam. Denn das Buch ist auch ein echter Schmöker mit allem, was dazu gehört: Verbrechen, Verschwörungen, Missgunst, Selbstzweifel, Läuterungen, Rückschläge, unglückliche und glückliche Liebe.

Und schließlich ist der Sprecher schuld daran, dass die knapp 58 Stunden immer kurzweilig waren. Gert Westphal ist einfach ein ganz Großer. Wie er allen Figuren ihre ganz eigene Klangfarbe verleiht, wie er mal leicht, mal energisch, mal ruhig, mal temporeich liest, das ist schon wirklich einzigartig.

Also, kurz und knapp: Ich kann dieses lange und großartige Werk nur wärmstens empfehlen. Und wer Hörbücher mag, sollte dringend zuschlagen. Mit Audible-Abo bekommen Sie Victor Hugos „Die Elenden“ schon für lumpige 9,95 € – es lohnt sich.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und selbst blind. Er ist Vorstandsmitglied der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen, der Stiftung Centralbibliothek für Blinde, der Norddeutschen Blindenhörbücherei und der Erich-Quenzel-Stiftung. Er ist freier Journalist und engagiert sich für Inklusion und Barrierefreiheit.

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