Bundesliga und Barrierefreiheit: ARD hui, Sport1 pfui

Saison-Start in der Fußball-Bundesliga. Blinde und sehbehinderte Fans hatten dies Wochenende einen Grund zur Freude. Es gibt aber in Sachen Barrierefreiheit auch neue Probleme.

Am Freitag gab es eine Premiere im deutschen TV. Die ARD hat erstmals eine Fußball-Übertragung mit Audiodeskription ausgestrahlt. Blinde und sehbehinderte Zuschauer konnten so den Sieg der Bayern gegen Mönchengladbach am Fernseher verfolgen. ARD und ZDF haben unterdessen angekündigt, dass zukünftig häufiger Fußball-Vollreportagen via Hörfilm-Spur ausgestrahlt werden. Was ich hieran besonders positiv finde: Endlich werde ich entspannt mit sehenden Freunden zusammen Länderspiele schauen können. Während auf dem Bildschirm das Spielgeschehen zu sehen sein wird, wird über die Lautsprecher der ausführliche Audiokommentar, wie man ihn aus dem Radio kennt, laufen. Bisher war es so, dass ich bei einer WM so manches Mal die Spielreportagen via Kopfhörer aus dem Radio gehört habe, während die sehenden Freunde das TV-Programm anschauten. Hierbei gab es das Problem, dass der Radioton der Fernsehübertragung etliche Sekunden voraus war, so dass ich mich schwer zusammenreißen musste, beim Elf-Meter-Schießen nicht zu früh „Toooooor“ zu rufen, während meine Freunde noch gespannt den Schützen beim Anlaufnehmen beobachteten.

In Sachen Bundesliga und Barrierefreiheit habe ich mich dieses Wochenende aber auch ärgern müssen. Grund ist die iPhone-App von Sport1.FM. Der Radiosender Sport1.FM überträgt ab dieser Saison alle Spiele der Bundesligen. Während der Vorgänger 90Elf es zuletzt geschafft hatte, eine auch für blinde Menschen bedienbare App anzubieten, ist dies bei Sport1.FM nicht der Fall. So konnte ich die Übertragung von Schalke gegen HSV nicht eigenständig starten. „Da ist eine Play-Taste“, sagte meine sehende Freundin, als sie auf meinen iPhone-Screen schaute. Nur schade, dass die App so gestaltet ist, dass VoiceOver diese Play-Taste nicht erkennen kann. Barrierefreiheit ist leider immer noch nicht selbstverständlich.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und ist selbst blind.

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