Der Regierungssprecher und die Behinderten: Vage, unverbindlich – aber immerhin

Seit einigen Monaten twittert Regierungssprecher Steffen Seibert – und das mit zunehmender Freude, wie mir scheint. Und ich finde, er macht es immer besser. Seibert hat seinen eigenen Stil. Er folgt zwar kaum zurück. Aber er antwortet auf die eine oder andere Frage. In einem Zeit-Beitrag nannte er folgendes Motiv für’s Twittern:

Mit Twitter bin ich Chefredakteur und kann weniger beachteten Themen wenigstens die kurzzeitige Aufmerksamkeit meiner Follower verschaffen.

Dieses Zitat nahmen Ina, Claudia, Hans und Inga vom Netzwerk der Blogpaten zum Anlass, Seibert zu schreiben:

Mithilfe von Twitter und einem hohen Vernetzungsgrad ist es tatsächlich möglich, weniger beachteten Themen zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Prof. Dr. Peter Kruse sagt dazu: „In Netzwerken entfaltet nur Wirkung, was Resonanz erzeugt.“ (Quelle: Revolution 2.0: Wie die Netzwerkkultur die Gesellschaft verändert, Folie 51)

Ihr Twitter-Account hat inzwischen über 27.000 Follower und ist damit wie geschaffen dafür, Resonanz zu erzeugen. Und im ZEITmagazin haben Sie eindrucksvoll beschrieben, dass Ihnen das in Ihrer recht kurzen Twittererfahrung bereits bewusst geworden ist.

Ein weiterer, entscheidender Aspekt im Netz sind Synergien. Wir möchten daher Sie, den @RegSprecher, dafür gewinnen, einmal monatlich ein Thema aus unserem Netzwerk über IhrenTwitter-Account zu verbreiten.

Seit 2008 experimentieren wir als offenes Netzwerk damit, wie man öko-soziale Nischenthemen mithilfe des Internets besser bekannt machen kann. Außerdem vermitteln wir dabei Internetkompetenz und Web 2.0-Wissen an weniger netzaffine Personenkreise und testen neue Formen der Zusammenarbeit.

Herr Seibert, twittern Sie mit uns! Experimentieren Sie weiter mit den soeben von Ihnen entdeckten neuen Kommunikationsmöglichkeiten. Eine Nachricht, die Sie über Ihren Twitter-Account weiter verbreiten, könnte den von uns unterstützten Nischenthemen zu sehr viel mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Und das wäre großartig!

Als erstes schlagen wir folgendes Nischenthema für einen Retweet vor: Wer denkt bei Pflegebedürftigkeit schon an Kinder? Das ist eines der Themen, die uns sehr am Herzen liegen, aber viel zu wenig Beachtung finden.

Und Steffen Seibert hat nach einigen Tagen geantwortet:

http://twitter.com/#!/RegSprecher/status/77032421412978689

Das ist vage, unverbindlich – aber immerhin eine Reaktion. Und es ist ja auch klar, dass Seibert in der Funktion als Regierungssprecher twittert und nicht als Sprecher der Blogpaten. Dennoch dürfte es dem Ansehen von Seibert und der Regierung sicherlich nicht schaden, wenn sie via Twitter Menschen und Themen unterstützen, die zu häufig durch den Rost des Mainstreams gefallen sind.

Ich bin auch gespannt, ob der folgende Twitter-Dialog zwischen der gehörlosen Julia vom Augenschmaus-Blog und Seibert zu einem positiven Ergebnis fürht:

http://twitter.com/#!/EinAugenschmaus/status/74396617784041472
http://twitter.com/#!/RegSprecher/status/74766845978230784

Hoffen wir mal, dass es nicht nur beim Nachdenken bleibt.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und selbst blind. Er ist Vorstandsmitglied der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen, der Stiftung Centralbibliothek für Blinde, der Norddeutschen Blindenhörbücherei und der Erich-Quenzel-Stiftung. Er ist freier Journalist und engagiert sich für Inklusion und Barrierefreiheit.

3 Kommentare zu „Der Regierungssprecher und die Behinderten: Vage, unverbindlich – aber immerhin“

  1. Nun ja, der Herr Regierungssprecher twittert offensichtlich NICHT als Privatperson, sondern als Regierungssprecher. Das heißt, seine persönliche Meinung ist zweitrangig. Somit dürfte klar sein, dass er erst besprechen muss, was erwähnenswert ist und was nicht. Er ist zwar „Chefredakteur“, muss sich aber trotzdem den Zielen und Vorgaben seiner „Zeitung“ beugen.

    Ich empfinde seine Aussagen auch als eher schwammig aber vielleicht geht auch einfach nicht mehr. Ich denke, wir sollten da mehr den REGIERUNGssprecher und nicht den Herrn Seibert sehen. Er ist „nur“ der Sprecher – hinterfragen wir lieber die, für die er spricht.

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