Am Samstag, 8. November 2014, 10 bis 17 Uhr, veranstalten wir vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) den Infotag „Rundblick“. Im Louis-Braille-Center, Holsteinischer Kamp 26 (U3 Hamburger Straße), präsentieren Aussteller nützliche Produkte aus ihrem Hilfsmittelangebot, die direkt vor Ort gekauft werden können – auch eine gute Gelegenheit, Geschenke für sehbehinderte Angehörige und Freunde mit Seheinschränkung zu finden. Die Messe rund um Haushalt, Freizeit, Gesundheit und Mobilität findet alljährlich im November statt. Die Aussteller-Liste finden Interessierte auf der Seite des BSVH.
Schlagwort: Sehbehinderung
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Fragwürdiges Happy End: Blindheit in Literatur und TV
Die Darstellung von Blindheit in Literatur, TV und medialer Berichterstattung bewegt sich zwischen Mitleid und Bewunderung. Und sie ist immer noch nicht frei von Stereotypen. Da sind die „Superblinden“, die auf keinerlei Hilfe angewiesen sind, deren verbleibende Sinne extrem geschärft sind, die überaus musikalisch und frei von jeder Oberflächlichkeit sind. Und auf der anderen Seite gibt es die hilflosen Blinden, die keinen Schritt allein gehen können, die ein Leben in absoluter Dunkelheit führen, die traurig und wütend sind und sich nach ihrem Sehen sehnen.
Oft wird die mit Blindheit verbundene Ausgangslage in Filmen, Serien und Büchern in einem Happy End aufgelöst. Ulrike Backofen vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg hat 266 Romane und Kurzgeschichten und 433 Spielfilme und Serien, in denen blinde Figuren auftauchen, systematisch nach Happy Ends durchforstet. Ihr spannendes Ergebnis können Sie in dem Artikel „Zwischen Mitleid und Happy End: Blindheit in Literatur und TV“ nachlesen, den Ulrike Backofen und ich verfasst haben. Der Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift „Horus“ (Heft 2/2013), die vom Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf und der Deutschen Blindenstudienanstalt herausgegeben wird.
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Blindes Kochen: Effilee über „Essen im Dunkeln“
Wie ist das eigentlich mit dem Kochen? Können blinde Menschen kochen? Und wenn ja, wie funktioniert das? Hierzu hat mich vor – ich glaube – zwei Jahren einmal das Magazin Effilee interviewt. Nun habe ich den Beitrag mit Hilfe der Suchmaschine aus den Untiefen des Internets geborgen. Sie finden den ausführlichen Artikel „Essen im Dunkeln“ auf der Effilee-Website. Viel Spaß beim Lesen und guten Appetit.
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Don Giovanni mit Audiodeskription: Hoffentlich nicht die letzte Party im Thalia Theater
Mein kulturelles Highlight in dieser Woche war die Aufführung von „Don Giovanni. Letzte Party“ im Hamburger Thalia-Theater. Wenn ich auch vorher dort schon häufig Stücke genossen hatte, war es diesmal etwas ganz Besonderes. Denn am vergangenen Dienstag – 10. Dezember 2013 – zeigte das Thalia erstmals eine Aufführung mit Live-Audiodeskription. Sprich: blinde und sehbehinderte Zuschauer konnten sich am Einlass einen Ohrhörer mit einem kleinen Empfänger leihen. Über den Ohrhörer konnten sie während des Stückes hören, was auf der Bühne geschah.
Kostüme wurden beschrieben, Gesten, Mimik und Handlungen der Schauspieler, die nur visuell wahrzunehmen waren. Aber auch das Bühnenbild, der Einsatz der Scheinwerfer und sogar der Theater-Saal wurden beschrieben.
Das war für mich ein ganz tolles Erlebnis, konnte ich doch so die Inszenierung und das Stück noch wesentlich intensiver wahrnehmen als nur über Sprache, Musik und Geräusche auf der Bühne. Da der Beschreibungstext nach intensiver Vorarbeit entstand und die Macher bereits vorab das Stück mehrfach gesehen hatten, fiel die Beschreibung sehr viel detaillierter aus als es eine sehende Begleitperson hätte leisten können.
„Don Giovanni. Letzte Party“ war bestimmt eine große Herausforderung für die Texter und Sprecherin der Audiodeskription: Herrschte auf der Bühne doch ein turbulentes Durcheinander von Schauspielern, Musikern und sogar Zuschauern. Das Publikum wurde überhaupt immer wieder in das Geschehen eingebunden. Die Schauspieler haben permanent improvisiert. Das Beschreiber-Team und die Sprecherin haben die Herausforderung aber mit Bravour gemeistert. Für mich war es ein wunderbarer Abend. Und ich hoffe sehr, dass Aufführungen mit Audiodeskription zukünftig immer selbstverständlicher werden – am Thalia-Theater und an allen Bühnen im Land.
Update (16.12.2013): Das NDR-Hamburg-Journal hat in einem Fernsehbeitrag über das Thema berichtet. Aktuell ist das Video noch in der Mediathek abrufbar.