Perspektiven (16): Vom Reisen und der Liebe

Der Hamburger Robbie Sandberg ist blind und reist um die ganze Welt: Skandinavien, Nordamerika, Indien. Und er lebte fünf Jahre in Irland. TAZ-Journalist Timo Robben porträtiert Robbie in einer spannenden Reportage:

Navigieren muss Robbie mehr als die meisten Menschen. Als er noch in Dublin gelebt hat, war er oft auf den menschenleeren irischen Inseln unterwegs. Eine Software für sein Smartphone hat ihm das möglich gemacht: Loadstone. Mit dem App lassen sich „elektronische Brotkrümel“ legen. Wegpunkte, die Robbie dann durch die Sprachausgabe des Handys zurückverfolgen kann. „Wenn ich einen Strand betrete, dann muss ich ja auch wissen, an welcher Stelle. Sonst finde ich ja gar nicht mehr zurück“, erklärt Robbie. Auf einem Strand bringen ihn weder akustische Signale noch sein Blindenstock weiter. „Ohne das GPS wäre das gar nicht möglich.

Eine Geschichte fürs Herz hat Meike Lorenzen geschrieben. Sie schildert die Lebensgeschichte eines blind-sehenden Pärchens. Der Artikel erschien bereits im Dezember 2009 im Weserkurier und ist im Blog der Journalistin nachzulesen:

Es ist ein stiller Moment an diesem Vormittag, an dem Bernt und Helgard von ihrem Leben erzählen. Eigentlich sind ihre Geschichten voller Fröhlichkeit. Auch wenn Helgard von schwierigen Momenten spricht, von denen, in denen ihr Mann unterschätzt und diskriminiert worden ist, klingt ihre Stimme energisch, doch stets freundlich. Nie verbittert. Mit leicht geneigtem Kopf hört Bernt seiner Frau dann zu, die zurückgelehnt im roten Sessel im Wohnzimmer sitzt. In ihre Stimme hat er sich verliebt, vor über 40 Jahren. Ihren Klang liebt Bernt noch heute.

In „Perspektiven“ stelle ich lesenswerte Beiträge vor. Viele weitere Linktipps erhalten Sie vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg via Twitter.

April-Urlaub: Portugal zum Hören

Zehn Tage Urlaub, Kontemplation, sich treiben lassen, durch die engen Kopfsteinpflastergassen Lissabons, bergauf und -ab, der Geruch alter Häuser, in der Sonne trocknender Wäsche und von gebratenem Fisch in der Nase, die frühlingshafte Luft auf der noch blassen Haut, die Fado-Klänge allerorten. Und nach der portugiesischen Hauptstadt folgten fünf Tage an der Algarve, die uns zunächst windig empfing und uns dann am rotsandigen Strand mit Sonne und blauem Himmel beglückte, eine Bootsfahrt durch die Felsenlandschaft der Bucht von Lagos als besonderes Highlight. In der kleinen Stadt – ganz im Südwesten Europas – hörten die bezaubernde Anna und ich das Rufen der Möwen und das Piepsen der Spatzen – und dazu der Duft von Jasmin-Blüten.





Amrum: Strandurlaub im April

Die Weite des Amrumer Kniepsandes
Die Weite des Amrumer Kniepsandes

Kein Mensch weit und breit. Nur Sand, feiner Sand. Die bezaubernde Anna und ich stapfen durch ihn, in Richtung der Wellen und Möwen. Schon seit einer dreiviertel Stunde spüren wir mal kalten, mal warmen, mal feuchten, meist trockenen Sand unter unseren schuhlosen Füßen. Mal türmt er sich auf, dann spürt man wieder die Spuren der Wellen, die irgendwann einmal hier gewesen sein müssen. Hin und wieder können wir unser Tempo beschleunigen, wenn der Boden fest ist, dann wieder versinken wir bei jedem Schritt bis über die Knöchel im Kniepsand, einem der breitesten Sandstrände Nordeuropas. Wir sind auf Amrum. Eine Woche Nordsee-Urlaub im April.

Wir hatten mit frischen Temperaturen, rauem Wind, dem einen oder anderen Regenschauer gerechnet. Stattdessen sieben Tage Sonnenschein, kaum ein Lüftchen, 20 Grad. Glück gehabt, würd ich mal sagen. Aber eigentlich kann man hier nur Glück haben, ganz gleich wie das Wetter ausfällt. Die endlosen Strände, die weiten Wege durch die Dünen, Wald- und Heidelandschaft bieten Ruhe und Entspannung. Die salzige, klare Nordsee-Luft ist eine wahre Wohltat für die von der Großstadt gebeutelten Bronchien. Überall trifft man Tiere, insbesondere bietet die Insel vielen Vogelarten ein Zuhause. Wenn auch vorm Osterwochenende immer mehr Touristen anreisten, war es auf Amrum nie überlaufen, weder am Strand, noch in Cafés und Restaurants.

Blick aus der Ferienwohnung: Kaninchen beim Chillen
Blick aus der Ferienwohnung: Kaninchen beim Chillen

Anna und ich hatten eine kleine, schöne Ferienwohnung in Wittdün. Hier kommen täglich mehrere Fähren an. Es gibt noch zwei weitere Orte auf der Insel: Nebel und Norddorf, in denen man ebenso gut ein Quartier beziehen kann. Prima Gastronomie (überwiegend deutsche Küche mit Schwerpunkt Fisch), gut ausgestattete, aber recht teure Edeka-Märkte und Klamotten- und Souvenir-Shops findet man in allen drei Dörfern. Und in allen Ortschaften – und vor allem um sie herum – findet man Ruhe und Erholung.

Und wer jetzt Lust auf Meer bekommen hat, kann noch unsere Audioboos anhören und sich akustisch an einen See inmitten der Dünen, an einen einsamen Ort im Kniepsand, in die rauschenden Wellen der Nordsee und in den frühlingshaften Wald entführen lassen. Viel Vergnügen!

Andalusischer Herbst: Sonne, Geschichte, Flamenco

Heiko in Almunecar, im Hintergrund die Berge
Heiko in Almunecar, im Hintergrund die Berge

Während der Herbst in Deutschland allmählich in den Winter überging, gönnten die bezaubernde Anna und ich uns eine Woche Sonnenschein. Wir machten Urlaub in Andalusien, genauer in Almuñécar, einer kleinen Stadt im Herzen der Costa Tropical. Bei rund 20° konnten wir vormittags den starken spanischen Kaffee trinken, danach barfuß am Strand spazieren und durch die alten, engen Gassen schlendern. Das Leben spielt sich im südlichen Teil des spanischen Festlandes auch im Herbst maßgeblich unter freiem Himmel ab. Fröhlich geht es zu. Laut schnattern die Leute durcheinander. Die angenehmen Temperaturen – von durchschnittlich 18° im Winterhalbjahr und meist nicht mehr als 26° im Sommer – und die scheinbare Leichtigkeit des Alltags haben viele Nordeuropäer angelockt: Der Betreiber des kleinen Supermarktes, in dem wir unsere Besorgungen machten, war ein Schotte, ein Engländer verkaufte handgefertigten Schmuck, ein Frazösisches Pärchen betrieb das Mexikanische Restaurant, selbst ein Schwedisches Café fanden wir.

Und selbst wenn das Wetter einmal etwas kühler ausfiel (sprich: Regen, 16°), bot unser Urlaubsort Abwechslung: Die Maurische Burg San Miguel ließ Geschichte lebendig werden, Überreste eines Römischen Aquäduktes konnten besichtigt werden, im Vogelpark plauderten wir mit Kakadus.

Almuñécar liegt rund eine Autostunde von Málaga und Granada entfernt. Während wir von Málaga nur einen kurzen Eindruck des prunkvollen neuen Zentrums und einen etwas ausführlicheren Eindruck des wenig sehenswerten Flughafens erhaschen konnten, konnten wir Granada mit mehr Ruhe genießen: Das turbulente Leben auf den Straßen, die spannende Geschichte, der Duft von süßem Tabak aus orientalischen Wasserpfeifen, das Panorama der verschneiten Sierra Nevada. Die Sehenswürdigkeit schlechthin ist hier die Alhambra. Die Stadtburg ist der Inbegriff der einst so blühenden Islamischen Kultur der Mauren in der Region. Sie gehört seit 1984 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Apropos: Just in unserer Urlaubswoche wurde der Flamenco ebenfalls zum Weltkulturerbe ernannt. Und Spanien ist stolz. Wie wir live erleben durften, auch vollkommen zurecht. Eine Woche war – wie man so sagt – viel zu kurz. Etwas melancholisch flogen wir zurück in den deutschen Winter. Aber wir kommen wieder, bestimmt.