Behinderung, Medien und Gesellschaft: Blogger-Themen-Tage vom 1. bis 3. März

Morgen beginnen die Blogger-Themen-Tage „#EinfachSein Behinderungen, Medien und die Gesellschaft„. Hinter der Aktion stehen die Macherinnen und Macher von Quergedachtes, Autzeit und Aspergerfrauen. Sie schreiben zu ihrer Idee:

Einzelne Stimmen werden selten gehört, viele Stimmen finden Gehör! Viele Stimmen finden Gehör, wenn einzelne untergehen! Mit diesem Gedanken starteten vor einigen Tagen Überlegungen, einen Aktionstag zum Medien- und Gesellschaftsbild von Behinderungen zu machen. Herausgekommen ist die Idee der Blogger-Themen-Tage 2013! Viele Blogger möchten an mehreren Tagen zu einem Leitthema einen Beitrag leisten und so dazu beitragen, dass auch Themen und Blogger, die weniger „massentauglich“ sind, Gehör in der Gesellschaft und den Medien finden. Damit kein Chaos entsteht, haben wir uns entschlossen, ein Programm dazu zu machen. An den Themen-Tagen werden die Blogposts zu bestimmten, vorab festgelegten Uhrzeiten veröffentlicht. So kann man als Leser den ganzen Tag über immer wieder neue Eindrücke sammeln und neue Blogs kennenlernen. Natürlich sind die Blogposts auch nach den Themen-Tagen noch einsehbar.

Und hier können Sie das Programm der Blogger-Thementage nachlesen:

Das Programm klingt vielversprechend. Ich wünsche den Leserinnen und Lesern der Posts viele anregende Gedanken und Informationen und den Organisatorinnen und Organisatoren viel Erfolg mit ihrer tollen Aktion.

Behinderung in den Medien: vorurteilsbeladen, mitleidserregend, klischeehaft

Wie wird über Menschen mit Behinderung in den Medien berichtet? Zumeist „vorurteilsbeladen, mitleidserregend, klischeehaft oder einfach falsch“. Zu diesem Schluss kommen Christiane Link und Martin Ladstätter. Gemeinsam haben sie ein Medien-Watch-Blog gestartet. „Aufgerollt“ heißt es. In ihm dokumentieren und kommentieren die beiden Journalisten – sie sitzen selbst im Rollstuhl – Medien-Beiträge über Menschen mit Behinderung.

„Aufgerollt“ ist nach Leidmedien.de ein weiterer Versuch, für ein neues Bild von Behinderung in den Medien zu werben. Ist der Ansatz von Leidmedien.de aufklärerisch, ohne erhobenen Zeigefinger, so ist der „Aufgerollt“-Ton eher kritisch und kämpferisch. Sicherlich können Ladstätter und Link nicht für alle Menschen mit Behinderung sprechen. Ihre Texte sind „völlig subjektiv“, aber anregend sind ihre Posts allemal.

Der Spiegel und die Behinderten (2): Sie sprechen mit uns

An anderer Stelle habe ich die unzeitgemäße Berichterstattung des Nachrichten-Magazins „Der Spiegel“ über Menschen mit Behinderung kritisiert. Mich hat insbesondere gestört, dass primär über uns und nicht mit uns gesprochen wurde. In zwei kürzlich erschienenen Beiträgen war dies endlich einmal anders.

Da war zum einen ein Artikel über Menschen mit Glasknochen. Und es gab in einer Titel-Geschichte (digital leider nur im Abo) ein Interview mit Samuel Koch und Philippe Pozzo di Borgo. Sicherlich, ich könnte jetzt kritisieren, dass Behinderung von den Redakteuren immer noch sehr stark medizinisch und nicht gesellschaftlich verstanden wird. Ich könnte auch anmerken, dass der Fokus auf dem „Schicksalsschlag“ liegt und nicht auf dem alltäglichen Leben mit einer Behinderung. Und ich könnte auch darauf hinweisen, dass ein Spiegel-Titel über Behinderung wohl nur im Sommerloch und mit Promi-Gästen denkbar ist. Aber ich kann mich auch einfach mal über erste Schritte in die richtige Richtung freuen: Endlich sprechen sie mit uns – und nicht über uns.

Perspektiven (7): Depressionen, Eifersucht und Pornographie

Wir alle haben im Bio-Unterricht gelernt, wie das menschliche Auge funktioniert. Wie komplex das Sehen aber wirklich ist, zeigen immer wieder wissenschaftliche Studien. Dabei wird immer klarer, dass das Seelenleben massiven Einfluss auf die visuelle Wahrnehmung hat.

Wer depressiv ist, meint häufig, alles grau in grau zu sehen. Dass dies nicht nur seelisch bedingt ist, sondern tatsächlich auf einer geringeren Kontrastempfindlichkeit der Netzhaut beruht, haben jetzt deutsche Forscher herausgefunden. In Ableitungen zeigten die Sehzellen von Depressiven dramatisch niedrigere Reaktionenauf Kontrastreize. Die jetzt im Fachjournal„ Biological Psychiatry“ vorgestellte neue Methode könnte zukünftig sogar als ein zusätzliches Diagnoseverfahren eingesetzt werden.

(scinexx.de)

Eifersucht macht wirklich blind. Zu diesem Schluss kommen Psychologen der University of Delaware. Sie haben entdeckt, dass Frauen, die im Labor künstlich eifersüchtig gemacht wurden, sich emotional so unwohl fühlten, dass sie nicht in der Lage waren, bestimmte Objekte in visuellen Tests zu erkennen.   Die Ergebnisse der Studie erschienen in der April- Ausgabe des Fachmagazins Emotion, die von der American Psychological Association publiziert wird.

(vienna.at)

Ein anderes Thema, das eine Vielzahl der Medien dankbar aufgreift, ist der erste Tast-Porno für blinde Menschen. In einem Interview mit der kanadischen Macherin Lisa J. Murphy erfahren wir mehr über den Schaffensprozess – und nebenbei etwas darüber, wie die Medien funktionieren.

Verrückt, ich habe das Buch vor fast zwei Jahren veröffentlicht, aber keine Zeitung hat sich dafür interessiert. Ich nehme an, dass viele den Band für einen Scherz hielten. Jetzt hat doch einer mal was geschrieben, und innerhalb von zwei Tagen dreht die halbe Welt durch. CBS hat mich im Bus angerufen, gleich muss ich mit Neuseeland telefonieren. Haben Sie sich mal selbst im Fernsehen gesehen? Ich werde nun kein Foto mehr von mir herausgeben.

(sueddeutsche.de)

In „Perspektiven“ stelle ich lesenswerte Beiträge rund um Augenerkrankungen, Sehbehinderung und Blindheit vor. Viele weitere Linktipps erhalten Sie von mir via Twitter.

Ihre Perspektive: Braucht die Welt Pornos für blinde Menschen?