Eine Erfolgsgeschichte: Dialog im Dunkeln in Ruanda

Es ist eine Erfolgsgeschichte: Der Dialog im Dunkeln. In den vergangenen 25 Jahren wurde das Konzept in über 37 Ländern und 170 Städten weltweit umgesetzt. Und nun führen blinde Menschen das sehende Publikum auch in Ruanda in völlig abgedunkelten Räumen durch eine Ausstellung.

Angebot für gehörlose Menschen: Zahnärzte mit Senator-Neumann-Preis ausgezeichnet

Am vergangenen Donnerstag, 21. November 2013, hat der Hamburger Senat den Senator-Neumann-Preis im Rathaus verliehen. Drei Projekte wurden für Ihr Engagement für eine inklusive Gesellschaft ausgezeichnet: Das Stadtentwicklungsprojekt Q8 Altona und das Angebot für gehörlose Menschen des Ernst-Deutsch-Theaters haben den alle fünf Jahre vergebenen Preis erhalten. Dritter Preisträger waren das MVZ Dentologicum Hamburg und die Zahnärztin Marianela von Schuler Alarcón. Als Jury-Mitglied hatte ich die wundervolle Aufgabe, die Laudatio für das letztgenannte Projekt halten zu dürfen. Im Folgenden dokumentiere ich meine Laudatio:

Eine reibungslose Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist entscheidend für den Erfolg einer Behandlung. Dass das nicht immer ganz einfach ist, kennt jeder, der bereits einmal im Auslandsurlaub gezwungen war, eine Arztpraxis aufzusuchen, ohne die Landessprache zu verstehen. Den rund 80.000 gehörlosen Menschen in Deutschland geht es bei fast jedem Arzt-Besuch so.

Denn nur eine verschwindend kleine Zahl von Medizinern beherrscht die Deutsche Gebärdensprache. Zwar haben die Betroffenen in der Regel einen Rechtsanspruch auf einen Dolmetscher, die Hemmschwelle ist aber gerade beim sensiblen Thema der eigenen Gesundheit sehr hoch. Die Folge: Viele gehörlose Menschen gehen zu selten zum Arzt. Krankheiten werden zum Teil verschleppt. Medizinisch sinnvolle Eingriffe erfolgen unnötig spät oder gar nicht.

Die Hamburger Zahnärztin Marianela von Schuler Alarcón ist mit diesem Problem vertraut. Die hörende Medizinerin beherrscht die Gebärdensprache und kann somit direkt mit ihren gehörlosen Patientinnen und Patienten kommunizieren. Seit 2011 arbeitet sie so – zunächst als Assistenzärztin im MVZ Dentologicum Hamburg Bahrenfeld, seit Oktober dieses Jahres in einer eigenen Praxis am Hamburger Mittelweg. Inzwischen hat sie mehrere Hundert Patienten, die teilweise Hunderte von Kilometern Anfahrt auf sich nehmen, um dieses Angebot zu nutzen, das einzigartig in Norddeutschland ist.

Um dieses Angebot gewährleisten zu können, hat das Dentologicum folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Die Mitarbeiter an der Rezeption und die zahnmedizinischen Fachangestellten mussten Grundbegriffe der Gebärdensprache erlernen, zudem wurden Sie für den Umgang mit gehörlosen Patienten sensibilisiert und geschult.
  • Die weiteren Zahnärzte, Ärzte und Mitarbeiter wurden in Gesprächen und Teambesprechungen auf die Kommunikation und den Umgang mit gehörlosen Patienten eingestellt und sensibilisiert.
  • Für die gehörlosen Patienten wurde eine eigene Internetseite sowie eine eigene Facebook-Seite erstellt. Hier finden sie alle Informationen, die für einen erfolgreichen und barrierefreien Zahnarztbesuch wichtig sind.
  • Für die gehörlosen Patienten wurde zusätzliches Informationsmaterial für die Zahnarztbehandlungen entwickelt, wie z.B. Schautafeln und Videos.
  • Marianela von Schuler Alarcón hält regelmäßigen Kontakt zur Gehörlosen Community, den zuständigen Behörden sowie Gehörlosen Verbänden und anderen maßgeblichen Institutionen.
  • Die Gesellschafter des MVZ Dentologicum haben sowohl die erforderlichen finanziellen Mittel als auch die nötige personelle Unterstützung möglich gemacht, um diese Abteilung ins Leben rufen zu können.

Von Schuler Alarcón, die aus Venezuela stammt, ist aber noch einen Schritt weiter gegangen. Sie bildet seit 2012 eine gehörlose und eine schwerhörige Frau zu staatlich geprüften Zahnmedizinischen Fachangestellten aus. Somit haben sie und das Dentologicum das Prinzip der Inklusion nicht nur gegenüber ihren Patienten umgesetzt, sondern Menschen mit einer Hörbehinderung auch noch neue Berufschancen ermöglicht.

Das Dentologicum Hamburg hat hiermit Pionierarbeit geleistet. Bis dahin hatte in ganz Deutschland noch kein gehörloser Mensch diese Ausbildung absolviert.

Das Dentologicum hat geeignete Bewerber mittels eines selbstgedrehten Videos angesprochen. Dafür wurden das Internet und Facebook für die Kommunikation mit den hörbehinderten Bewerbern genutzt. Ergebnis: Eine gehörlose und eine schwerhörige Bewerberin haben einen Ausbildungsplatz bekommen. Zuvor waren sie arbeitslos.

Der Weg war nicht immer leicht.

Über Monate hinweg hat das Dentologicum bei deutschen und Hamburger Behörden Informationen zur Ausbildungsmöglichkeit und möglicher staatlicher Unterstützung und Förderung gesammelt. Es gab für den Beruf der gehörlosen ZFA keine gesonderten Ausbildungsrichtlinien. Auch musste sich das Team durch die verschiedenen Institutionen in Hamburg durchfragen, da es keinen konkreten Ansprechpartner für das Anliegen gab. Schließlich konnte sich das Dentologicum aber mit unterschiedlichen Ansprechpartnern (z.B. Berufsschule, Zahnärztekammer und Behörden) auf einen Ausbildungsweg einigen.

Durch dieses inklusive Projekt veränderte sich auch in der Berufsschule „die Kultur des Miteinanders“. Die Schule hat die Dimension der „sozialen Inklusion“ in den Berufsschul-Klassen betont. Die Mitschüler in der Berufsschule erfahren, dass hörbehinderte Menschen im Beruf und in der Schule gut einbezogen werden können.

Eine weitere Herausforderung: Für viele Fachbegriffe der Zahnmedizin gab es bis dahin gar keine Gebärden. Diese entwickelte von Schuler Alarcón gemeinsam mit ihren Auszubildenden. Die temperamentvolle Zahnärztin präsentiert sie in Videos, und sie arbeitet an einem Buch zum Thema. Somit schafft sie die Basis dafür, dass auch in der Zukunft weitere gehörlose Menschen eine Ausbildung in der Zahnmedizin machen können.

Und schließlich wirkt das Pilotprojekt auch auf eine inklusive Gesellschaft hin, in dem alle nichtbehinderten Patienten in der Praxis erfahren, dass die Inklusion hörbehinderter Menschen als Patienten und als Beschäftigte „ganz unkompliziert“ möglich ist.

Ein Projekt, das Menschen mit einer Behinderung einen besseren Zugang zur medizinischen Versorgung ermöglicht, ein Projekt, das auf dem ersten Arbeitsmarkt Ausbildungsplätze für bis dahin arbeitslose Menschen mit Behinderung schafft, ein Projekt, das den Grundstein für zukünftige Ausbildungen legt, ein Projekt, dass Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung im Alltag schafft, ein solches Projekt hat den Senator-Neumann-Preis wahrlich verdient. Das MVZ Dentologicum und Marianela von Schuler Alarcón handeln vorbildlich und wegweisend – in Richtung einer inklusiven Gesellschaft.

Seminar für Blinde und Sehbehinderte: Social Media in der PR

Nach knapp vier Jahren ging es am Sonntag wieder nach Frankfurt, an den Ort meiner PR-Ausbildung in die Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Ich war eingeladen, ein zweitägiges Seminar zum Thema „Social Media und Public Relations“ zu halten. Eine Gruppe von acht zukünftigen PR-Juniorberatern – alle sehbehindert oder blind – diskutierte engagiert und interessiert über Chancen und Risiken von Facebook und Co. Ich lieferte Grundlagen-Wissen und gab den Teilnehmern Tipps für den Umgang mit Barrieren im Web.

Ein bisschen aufgeregt war ich schon: Allein diese zwei kompakten Tage zu gestalten, war eine Herausforderung, zumal die Seminar-Teilnehmer sehr unterschiedliche Vorkenntnisse mitbrachten. Aber der Feedback-Runde zufolge haben alle viel gelernt und mitgenommen. Einige der zukünftigen PR-Profis haben sich bereits während des Seminars Blog-Adressen gesichert und Twitter-Profile eingerichtet. „Du hast mir ein Teil meiner großen Skepsis gegenüber Social Media genommen und mir gezeigt, welch große Bedeutung das Thema für die Unternehmenskommunikation hat“, sagte mir einer der Teilnehmer nach den zwei Tagen. Das freut mich sehr.

Und ich hoffe, dass alle acht Auszubildenden nach bestandener Prüfung eine berufliche Chance erhalten. Sie hätten es verdient. Sprich: Wenn Sie Arbeitgeber sind und einen PR-Profi suchen, dann stellen Sie doch einmal einen Mitarbeiter mit einer Sehbehinderung ein.

Die Presseagentur DAPD hat uns übrigens bei unserem Seminar besucht und einen ausführlichen Artikel veröffentlicht. Mehr Infos zur PR-Ausbildung erhalten Sie auch direkt bei der Stiftung für Blinde und Sehbehinderte.

Inklusionsblog: Eine Übersicht meiner bisherigen Posts

Seit Juli 2011 schreibe ich Beiträge für das Inklusionsblog der Aktion Mensch. Aus drei Autoren zu Beginn sind inzwischen neun Blogger geworden. Viele ganz persönliche Texte wechseln sich mit Sachinfos rund um Inklusion ab. Schauen Sie doch einmal rein. Im Folgenden finden Sie hier eine Übersicht der Artikel, die ich bisher im Inklusionsblog veröffentlicht habe:

  • Theater inklusiv: Die Randgruppe in der Abstellkammer – Alles wird gut. So heißt ein Theaterstück, das im Mai 2011 Premiere in Köln hatte. Das Besondere: Das Ensemble bestand aus Menschen mit und ohne Behinderung… Mehr
  • Studieren als Blinder: Das Unausgesprochene aussprechen – Geballte Unsicherheit schlug mir entgegen, immer wenn ich mich mit einer Referatsgruppe bekannt machte. Meine Kommilitoninnen und Kommilitonen konnten sich nicht vorstellen, wie „der Blinde“ mitarbeiten sollte… Mehr
  • PR-Ausbildung für Blinde und Sehbehinderte: Endlich ein „normaler“ Job – Public Relations (PR) – deutsch: Öffentlichkeitsarbeit – ist für blinde und sehbehinderte Menschen ein recht neues Berufsfeld. Seit Ende der 90er Jahre bildet die Stiftung für Blinde und Sehbehinderte Frankfurt/Main (SBS) PR-Assistenten und PR-Berater aus… Mehr
  • Endlich selbstbestimmt: Eigene Wohnung statt Heim – Wie will ich wohnen? Diese Frage ist zentral in unserem Leben. In der Wohnung können wir uns verwirklichen… Mehr
  • Blind wohnen: Über Füße im Futter und verschollene Korkenzieher – „Benutzt Du den weißen Stock auch in Deiner Wohnung?“, „Kannst Du als Blinder kochen und putzen?“, „Hast Du einen Betreuer?“ – Fragen wie diese stellen mir sehende Menschen… Mehr
  • Judo mit Behinderung: Wenn sich Vereine öffnen – Behindertensportler bleiben häufig unter sich. Sie haben ihre eigenen Olympischen Spiele, die Paralympics. Häufig trainieren sie in speziellen Vereinen… Mehr
  • Kunst für alle: Auch Hände können sehen – Meine Hände gleiten über das Relief. Mal ist es glatt, mal rau – aber nie fühlt es sich unangenehm an… Mehr
  • Rollstuhl-Karate: Schön und elegant – Karate und Behinderung, das ist für viele Menschen unvereinbar. Sie denken bei diesem Kampfsport an fitte Menschen, die sich messen – unter Einsatz ihres gesamten Körpers… Mehr
  • Urlaub inklusiv: Gemeinsam mehr entdecken – Sanft legt sie meine Hand auf das weiche Holz. So fühlt sich also eine ausgewachsene Palme am andalusischen Strand an… Mehr
  • Beruf inklusiv: Fester Job im Hotel – Während im ganzen Land über schulische Inklusion diskutiert wird, ist Inklusion auf dem Arbeitsmarkt bisher eher selten ein Thema. Wenn Medien darüber berichten, dann ist es häufig die Lokalpresse, die von ersten Positivbeispielen berichtet… Mehr
  • Blind im Internet: Kommunizieren auf Augenhöhe – Immer mehr Menschen mit einer Behinderung nutzen das Internet, um sich zu informieren und zu kommunizieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Erhebung der Aktion Mensch, die im Frühjahr dieses Jahres veröffentlicht wurde… Mehr
  • Inklusion in der Schule: Das Verschiedensein ist normal – „Wer als Kind schon früh und intensiv erlebt, wie normal das Verschiedensein ist, der wird in aller Regel auch später als Erwachsener Menschen mit Behinderung offen und ungezwungen begegnen“, sagte Bundespräsident Christian Wulff dem Tagesspiegel. Dass er recht hat, beweisen drei Kinder – Laura, Maike und Josia. Mehr
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