ICE-Menschen

Mitmenschen im ICE nach Frankfurt sind immer wieder eine Überraschung, zumal in der familiären Atmosphäre eines Sechser-Abteils.

Drei dynamische Damen im Gespräch: „Ein Möhrchen zum Abendbrot reicht mir.“ „Ich brauch zwei Becher Kaffee und drei Zigaretten zum

Frühstück.“ „Ich habe gestern ein Viertel Paprika eingefroren. Da hab ich Sonntag noch eine Gemüsepfanne zuhaus.“ „In Nagelstudios

arbeiten nur schlecht ausgebildete Personen.“ „Ich wohne in Frankfurt im Hotel Hamburger Hof. Ich dachte, das klingt nach

Heimat.“

In Hannover kommt der hessische Geschäftsmann mit reichlich Gepäck. Ein Gepäck-Stück fällt von der Ablage – auf eine der drei

dynamischen Damen. Der Herr: „Darf ich Ihnen eine Salbe anbieten, die ich auf Reisen immer dabei habe, weil man sich dabei immer

einmal verletzen kann. Ich hole Ihnen Eiswürfel aus dem Bistro.“

Schließlich noch der vietnamesische Loi, der seit sechs Wochen in Hamburg lebt. „Als Ingenieur für Schiffsbau finde ich in

Frankfurt keinen Job. Im Juni gehe ich nach Shanghai – Chinesisch ist für mich einfacher als deutsch.“

Und der blinde PR’ler auf dem Weg zum Seminar: „Mein Handy spricht. Mein PC auch…“ Mal schauen, was die Rückfahrt am Dienstag

so zu bieten hat.

Durchblick mit kranken Augen

Patienten von altersabhängiger Makula-Degeneration (AMD), Grünem Star (Glaukom) oder anderen Augen-Erkrankungen können sich am

Mittwoch beim Infotag „Durchblick“ kompetent informieren. Optiker, Hilfsmittel-Hersteller und Selbsthilfe-Gruppen stellen die

neuesten Produkte und Dienstleistungen rund um vergrößernde Sehhilfen vor. „Durchblick“ findet zwischen 10 und 17 Uhr im

Louis-Braille-Center, Holsteinischer Kamp 26 (Nähe U2 Hamburger Straße) statt.

Die Erfahrungen unserer Sehhilfen- und hilfsmittel-beraterinnen zeigen, dass Menschen, die neu mit einer Sehbehinderung

konfrontiert sind, häufig nicht wissen, wie viel sie mit den passenden Hilfsmitteln doch noch sehen können. Mit „Durchblick“ bieten

wir ein Forum für Information und Gedankenaustausch. Fälle wie die beinahe Erblindung mehrerer

AMD-Patienten nach einer scheinbar unsachgemäßen Behandlung zeigen, dass man kompetent in eine Behandlung gehen sollte. Um den

mündigen Patienten zu fördern, haben wir u. A. die Landesaugenärztin zu „Durchblick“ eingeladen. Frau Dr. Hanke wird über

Behandlungsmethoden und Krankheitsverlauf von AMD sprechen. Hankes Vortrag gehört zu einer Reihe, die am Mittwoch im Holsteinischen

Kamp gehalten wird. Die AMD ist die häufigste Ursache für eine schwere Sehbehinderung bei Menschen über 50 Jahren. Sie betrifft ca.

30 % der 75-85 jährigen. Ca. 2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an der altersabhängigen Makula-Degeneration. Mit der

Alterung der Gesellschaft steigt Jahr für Jahr die absolute Zahl der Erkrankten an.

„Durchblick“ findet im Rahmen der „Woche des Sehens“ statt. Sie macht alljährlich auf die Situation blinder und sehbehinderter

Menschen aufmerksam. Alle Termine und Hintergrund-Infos finden Sie auf www.woche-des-sehens.de. Der BSVH veranstaltet „Durchblick“ inzwischen zum zweiten Mal,

nachdem der Infotag im vergangenen Jahr mit weit mehr als 200 Besuchern auf sehr große Resonanz stieß.

Vortragsreihe am 15.10.2008 im Louis-Braille-Center, Holsteinischer Kamp 26, Raum Elbe:

  • 11.00 Uhr: Aktiv zuhause und sicher unterwegs, Herr Köwing, Schweizer Optik
  • 11.45 Uhr: Kantenfilter und Beleuchtung, Herr Kurzhals, Schröder Optik
  • 12.45 Uhr: Die Orthoptistin – ein Beruf stellt sich vor, Frau Sossidi-Petersen, Orthoptistin
  • 14.00 Uhr: Altersbedingte Makula-Degeneration – Krankheit und Therapien, Dr. Med. Hanke, Augenärztin
  • 14.45 Uhr: „Mein Sehen bekam ich nicht zurück, aber meine Zuversicht“ – mit der Sehbehinderung leben, Frau Schacht, Blinden-

    und Sehbehindertenverein Hamburg

Nachfolgende Aussteller werden informieren und vergrößernde Sehhilfen sowie spezielle Leuchten vorstellen:

  1. Eschenbach
  2. Optiker Bode
  3. Optiker Kelb
  4. Schröder Optik
  5. Schweizer Optik
  6. Reinecker GmbH, deutscher Vertrieb für The Daylight Company Ltd.
  7. Pro-Retina
  8. Glaukom-Selbsthilfe

Das müssen Sie gelesen haben

Welche zehn Bücher muss man meiner Meinung nach gelesen haben? Das fragt zurzeit eine Blogparade. Eine schwierige Frage,

die ich vielleicht in einem Monat wieder ganz anders beantworten würde. Aber was soll’s?

  • Hermann Hesse: Demian. Damals im Deutsch-LK gelesen, ist es für mich elementar. Es ist wohl eines der klügsten Bücher, die

    ich kenne. Schöner und anschaulicher kann man Psychoanalyse nicht in Prosa verwandeln – außer vielleicht Hermann Hesse in „Narziß

    und Goldmund“.

  • Erich Maria Remarque: Im Westen nichts neues. Literarisch vielleicht nicht erste Wahl. Inhaltlich und in Sachen

    Eindringlichkeit aber ungeschlagen. Wer endlich alle Illusionen zum Thema Krieg verlieren möchte, der sollte das Buch lesen.

  • Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Klingt jetzt vielleicht stereotyp, aber „Faust“ ist zurecht ein Klassiker.
  • Nikolaus Lenau: Faust. Zu unrecht kein Klassiker ist die Faust-Fassung von Nikolaus Lenau, dabei ist sie so wundervoll düster

    und pessimistisch.

  • Nick Hornby: High Fidelity. Mal etwas leichtere Kost. Liebe, Pop und die Suche nach Glück in einem swingenden Schreibstil. Nach

    der Lektüre werden auch Sie beginnen, eine Laura fürs Leben zu suchen.

  • Thomas Mann: Buddenbrooks. Da ich an dieser Stelle nicht das Gesamtwerk des Meisters empfehlen kann, beschränke ich mich auf

    seinen berühmtesten Roman. Er handelt vom Untergang einer Kaufmannsfamilie und deren Eintauchen in künstlerische, philosophische

    und existenzielle Fragen des Lebens. Im übrigen grandios in der Hörbuchfassung, die vom einzigartigen Gerd Westphal gelesen

    wird.

  • Theodor Fontane: Stechlin. Selten habe ich bei einem vermeintlich schweren Buch soviel gelacht. Das launische Spätwerk Fontanes

    hat soviel geistreiche Komik, soviel Liebe zum Menschen und zum Brandenburger Land – ein Spitzenbuch für ein Herbstwochenende (gibt

    es übrigens auch von Gerd Westphal gelesen).

  • John Irving: Gottes Werk und Teufels Beitrag. Schön, wie Irving die großen Fragen nach Menschlichkeit und Liebe in die

    amerikanische Provinz stellt. Die Personen sind einfach zum Liebhaben, obwohl sie mir – begegneten sie einem im wirklichen Leben –

    wahrscheinlich schnell auf die Nerven gehen würden.

  • Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis. Physik, Philosophie und großartiger britischer Humor. Ich empfehle alle fünf

    Bände.

  • Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch. Darf man heutzutage noch Marcuse empfehlen? Vielleicht ist nicht alles tragbar,

    was der Philosoph schreibt. Dennoch ist seine Konkretisierung der Kritischen Theorie mitreißend und anregend zugleich. Im Idealfall

    (sprich: bei dauerhafter Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit oder Lust am Denken) sollte die Lektüre durch die Schriften Adornos

    und Horkheimers ergänzt werden.

Das war’s dann wohl

Das war’s dann wohl. Gestern war die Dernière von „Blindfische und Sehfische“. Sie war chaotisch, innovativ,

angespannt und fröhlich. Sie brachte den größten Applaus. Gut, der Herr Stromberg-Autor

und sein funkiger Bruder im Geiste sind in der Pause gegangen: „Wir sind

entsetzt darüber, wofür Du Dich hergibst!“ Aber sonst war das Publikum gekommen, um sich zu amüsieren. Es lachte und beklatschte

beinah jede Szene – ein schönes Gefühl. Danach feierten Schauspieler und Crew bei Pizza und Bier. Bei einigen Teilnehmern flossen

Tränen. Andere planten bereits eine Blindfische-Tournee. Schauen wir mal, was die Zukunft in Sachen Theater so bringt. Ich bin

jedenfalls froh über die Erfahrung der letzten Monate und über die Menschen, die ich kennenlernen durfte.