Die Wecker klingeln. Die Taschenlampen leuchten. Die Wunderkerzen brennen. Mit Glühwein wird auf Hans Pfeiffer – mit drei f – angestoßen. Gestern war es wieder Zeit für das allvorweihnachtliche Ritual: die Feuerzangenbowle im Audimax. Ratzfatz waren die Vorstellungen auch diesmal wieder ausverkauft. Tausende Studierende und deren Anhang pilgern in die Uni. Dabei ist der Sound übersteuert. Es ist stickig. Und gestern ging sogar ein Licht nicht aus. Das macht aber nichts. Die allerallermeisten Besucher haben den Film eh schon ‚zigmal gesehen und sind wegen des Spaßes hier. Und für 3,20 Euro kann man ja auch nicht meckern. Der Film von 1944 ist wirklich immer wieder großartig: humorvoll, nostalgisch, einfach witzig. Für mich gehören Heinz Rühmann und die Feuerzangenbowle in die Weihnachtszeit. 2009 bin ich wieder dabei!
Kategorie: Kulturelles
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Ü30 in Concert
Tomte geben ein ausverkauftes Konzert in der Großen Freiheit. Die bezauberndste Anna und ich waren dabei. Am gestrigen Freitag spielten Thees Uhlmann und Band satte zwei Stunden Songs vom aktuellen Album Heureka und ihre modernen Klassiker. Sie und ihr Publikum zelebrieren die Mischung aus Melancholie und Voran-Voran. Der Sound ist klar, perfekt abgemischt. Die Große Freiheit ist akustisch immer noch eine der besten Live-Locations der Stadt. Tomte und Fans freuen sich darüber, dass Obama Präsident wird, dass man sich auch mit über 30 noch für Rockmusik interessiert, und darüber, dass man gerade in Hamburg ist. Wer kann, sollte heute zum Zusatz-Konzert, für das es noch Karten gibt, gehen.
Dazu auf Blind-Pr:
Von rauhen Gesellen und verträumten Frauen – oder umgekehrt?
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Abgründe des Bösen
Dieser Claude Chabrol. Der hat es echt drauf, die Abgründe der bürgerlichen Gesellschaft exzellent zu verfilmen. Was soll man bei diesem Wetter tun, wenn nicht einen französischen Film Noire anschauen? So legten die bezaubernde Anna und ich heute „die Blume des Bösen“ in den DVD-Player. Auch wenn ich den Film schon mehrfach gesehen – obwohl ich blind bin, sage ich nicht gehört – hatte, fand ich ihn auch heut großartig. Wie in jedem oberflächlichen Satz die gegenseitige Verachtung der Familienmitglieder mitschwingt, wie die Risse in der Fassade immer größer werden, wie die Geschichte zeitlos immer wieder zuschlägt, ist packend und dennoch ganz ruhig inszeniert. „Die Blume des Bösen“ ist vielleicht nicht der beste Chabrol, aber besser als viele andere Filme – und für einen November-Sonntag besser geeignet als ein langweiliger „Tatort“.
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Blinde Gucken
Am Samstag war ich mal wieder im Kino. Wie Rheinhold Messbecher so schön sagte: „lasst uns Blinde gucken!“ „Die Stadt der Blinden“ stand auf dem Abaton-Programm. Ich war gespannt. Erstens hatte ich die deutsche Hörspielfassung (NDR 2001) dereinst erschütternd famos gefunden, und zweitens hatte kein Geringerer als Fernando merielles Regie geführt, dessen „ewigen Gärtner“ ich liebe. Gut, es waren alle wesentlichen Szenen auch im Film vorhanden. Es war dem brasilianischen Regisseur gelungen, den als unverfilmbar geltenden Roman-Stoff auf die Leinwand zu bringen. Einige Male – so habe ich mir von sehender, zuverlässiger Begleitung flüstern lassen – wurde das Thema Nicht-Sehen-Können mit filmischen Mitteln intelligent verarbeitet. Die Schauspieler – insbesondere Julianne Moore – waren gut. Aber mehr war es auch nicht. Mir war „die Stadt der Blinden“ nicht grausam genug, dem schonungslosen Stoff nicht angemessen. Wie kann man diesen Stoff mit einem leichten Soundtrack unterlegen, der eher in einen Wim-Wenders-Film gepasst hätte? Und der gleichnishafte Charakter der Vorlage kam kaum noch zur Geltung. Vielleicht ist das insgesamt schwer in einem so eindeutigen Medium wie dem Spielfilm. Die Menschen wurden blind, stolperten durch die Gegend, hilflos, verirrt, allein, isoliert. Und dabei konnten wir ihnen ein bisschen zuschauen, ein bisschen ängstlich und bewegt sein. Ob der Zuschauer mehr in diesem Streifen erkennen kann? Kann der Zuschauer erkennen, dass es Saramago um den Kampf zwischen Menschlichkeit und Egoismus in gesellschaftlichen Krisenzeiten ging? Ich bezweifle es und empfehle daher doch Hörspiel und Buch.