Blogs und Bilder

Das WWW ist wahrlich ein weites Web. Inhalte über Inhalte. Wo wir beim Stöbern hängen bleiben, ist oft zufällig und abhängig von unseren persönlichen Vorlieben. Vielleicht spricht uns ein Layout besonders an, das Bild eines Bloggers erscheint uns sympathisch. Aber wie ist es, wenn man ohne Augenlicht surft? Wenn eine synthetische Sprachausgabe die Inhalte der Websites vorliest und Punkte auf der Braillezeile unter den Fingerkuppen hochschnellen?

Schöne Bilder können mich nicht in ihren Bann ziehen. Im Gegenteil: sie schrecken mich meist eher ab. Die Onlineangebote der öffentlichrechtlichen Rundfunkstationen haben in der Regel Bildbeschreibungen im Alternativtext, so dass ich von meiner Sprachausgabe zumindest knappe Beschreibungen vorgelesen bekomme. Viele Online-Angebote von Zeitungen – so z.B. Abendblatt.de – bieten ebenfalls Alternativ-Texte. Kaum ein Blogger nutzt diese Möglichkeit. In der Regel kann ich mit Schnappschüssen nichts anfangen. Wenn ich sie überhaupt bemerke, dann als kryptische Zeichenfolgen ohne Sinn und Verstand. Statt des witzigen Bildes lese ich dann z.B. „flickr-photo { border: none; } .flickr-yourcomment { } .flickr-frame { text-align: center; padding: 3px; } .flickr-caption {font-size: 0.8em;
margin-top: 0px; }“. Ein kurzer ergänzender Satz wie „Gunnar isst Schnitzel“ oder „Karla tanzt Tango“ würde schon reichen, um Surfern mit einer Sehbehinderung den Weballtag zu erleichtern und Seiten für sie übersichtlicher zu gestalten. Ein außergewöhnliches Beispiel für eine tolle Beschreibung findet sich im „UnendlicheWeiten“-Beitrag im J.A.-Blog.

Was lässt mich bei einem Blog stoppen, wenn nicht die Bilder? Es sind tolle Überschriften, die Lust auf Mehr machen. Manchmal ist es ein Name, zu dem ich positive Assoziationen habe – völlig willkürlich. Und dann ist es im zweiten Schritt vor allem die Sprache. Schreibt der Autor spannend, humorvoll, interessant? Benutzt er kluge oder originelle Metaphern? Schreibt er ausführlich, wenn es sinnvoll, und pointiert, wenn es möglich ist? Und schließlich – das gilt letztlich für sehende wie blinde Surfer gleichermaßen: Sind die Themen ansprechend, haben die Beiträge Informations- und Unterhaltungsgehalt?

Mehr Infos zu barrierefreier Webgestaltung finden Sie auf den seiten des BIK-Projektes

Und warum lesen Sie Blind-PR? Die virtuosen Bilder sind es wohl nicht.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und ist selbst blind.

5 Kommentare zu „Blogs und Bilder“

  1. Zuerst die letzte Frage beantworten: Weil es mich interessiert, wie ein Blinder das WWW und das Leben sieht. Ähm, erlebt 😉

    Kurzer Einschub: Wie ist das eigentlich mit Smileys?

    OK, nun zum eigentlichen Thema: Schon vorher – d.h. bevor ich hier angefangen habe zu lesen – habe ich darauf geachtet, dass meine Bilder einen alternativen und aussagekräftigen Text haben, denn das ist nunmal standardkonformes HTML. Und auch die Titel meine Blogbeiträge sollen genau das sein: ein Titel! Ich hasse es, wenn da nur steht „Gestern“ oder „Möp“ oder „Ratet mal!“. Damit kann ich nichts anfangen und überspringe den Beitrag in meinem Feedreader. Insofern handele ich nur so, wie ich es von anderen verlangen würde.

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  2. Hallo Heiko, zur letzten Frage kann ich mich meiner Vorleserin nur anschließen: weil es mich interessiert. Und ich deinen Schreibstil mag!

    Ansonsten vielen Dank für den Link. Ich würde dich gerne in die Blogroll aufnehmen, wenn das okay ist.

    Bei Flickr ist es so, dass sie immer einen automatischen Link generieren, den man dann ohne darüber nachzudenken ins Blog übernimmt. Schwupps- vergisst man dabei die Titel oder Beschreibungen! Durch dich weiß ich aber jetzt, dass sie sehr wichtig sind.

    Also viele Grüße und weiterhin viel Spaß bei der Arbeit und dem Blog, Julia

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  3. Dann freut es mich natürlich, bist Du irgendwann mal auf meinem Blog gelandet. Trotz vielen Fotos. Aber das war schliesslich auch ein themenbezogener Beitrag damals. Ich mache Titel absichtlich nicht Posting-bezogen, damit ich bei Google nicht auftauche. Vielleicht aber sollte ich es ab und zu tun. Dein Beitrag stimmt mich gerade etwas nachdenklich…

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