Dem Karibu sei Dank

Manchmal ist das Abonnieren von Newslettern doch sinnvoll. Im Kampnagel-Verteiler lautete die Gewinnspiel-Frage, welches Tier

Sarah Palin dereinst erschossen hat. Wer googelt, der findet: „Karibu“ lautete die Antwort. Ich wurde ausgelost und war am

Donnerstag im Konzert von Micah P. Hinson. Die zauberhafte Anna und ich hatten

zuvor nichts von diesem Texaner gehört. In der Kampnagel-Ankündigung stand was von Country, Americana, Cohen, Cash und Waits. Der

Myspace-Einsteiger klang nach bestuhltem Songwriter-kuschel-und-besinne-Dich-Konzert. Und so schien es zunächst auch. Friedlich

klimperte die Gitarre dahin, im stile des späten Cash sang Hinson. Doch schon bald wurde klar, dass dies kein gewöhnliches Konzert

sein würde. Immer häufiger und zunehmend radikaler brachen Hinsons Band und sein Gesang die einlullende Beschaulichkeit

amerikanischer Folk-Musik. Das Schlagzeug hämmerte in punkigem Vier-Viertel-Takt, die Gitarre wurde zur quietschenden E-Gitarre,

Hinson thronte tief, düster und mächtig über dem Sound. Und doch war es wunderschön anzuhören. Hier wurde ein Stil nicht nur

zerlegt, sondern auf kluge Weise neu zusammengesetzt. Harmonien, Rhythmen und Klang spannten sich bis ins Unerträgliche, um sich im

genau richtigen Moment aufzulösen. Und wenn man dann dachte, jetzt geht es Easy-Going weiter, krachte es erst richtig. Eine im

wahrsten Wortsinn spannende Entdeckung dieser Micah P. Hinson. Ein CD-Kauf ist Pflicht.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (40) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und ist selbst blind.

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