Es regnet Jaya the Cat

Der Herbst hielt am vergangenen Wochenende Einzug in die Hansestadt. Zwei Tage Dauerregen. Gut, dass sich diese Stadt nicht auf ihr Klima verlassen muss. Wenn man die Sommer-Abende halt nicht auf einer Decke im Stadtpark verbringen kann, dann geht man halt auf den Rathausmarkt und hört Livemusik. Am Freitag Abend waren Michi und ich beim Rockspektakel-Konzert von Jaya the Cat. Die Bostoner – mit Wahlheimat Amsterdam – machten einfach Party. Ich kannte vor dem Konzert nur den Hit Closing Time. Da war ein Konzert für lau genau das Richtige, um einmal mehr kennenzulernen. Die Mischung aus Reggae mit E-Gitarre, Psychedelic und Ska hat mich vollkommen überzeugt. Bei einem so schrecklichen Wetter ein Publikum zu rocken, das kaum einen Song kennt, das schafft nicht jeder. Sehr gut möglich, dass ich mir die Jungs im September noch einmal anschaue. Dann spielen sie im Logo. Hier kommt es auch manchmal nass von oben, dann aber, weil es so heiß ist.

Schwarz-Grün hält Wort

GAL und CDU halten Wort. Während des Wahlkampfes hatte sich der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg für eine Anhebung und eine Dynamisierung des Blindengeldes in der Hansestadt stark gemacht. Im Koalitionsvertrag versprachen die Parteien eine Kopplung der Leistung an die Renten. Heute gibt die Grün-Alternative Liste in einer Presse-Erklärung bekannt:

„Auf Initiative der GAL-Fraktion wurde gestern gemeinsam mit der CDU ein Antrag zur Änderung des Hamburgischen Blindengesetzes in die Bürgerschaft eingebracht. Die Änderung beinhaltet, dass  Blinde Menschen rückwirkend zum 1. Juli 2008 eine Erhöhung des Blindengeldes auf 453 Euro erhalten. Zukünftig wird zudem regelmäßig zum 1. Juli eines Jahres die Höhe des Betrages an die Rentenentwicklung angepasst.

Bei der letzten Änderung des Blindengesetzes 2005 war diese Dynamisierung gegen die Stimmen der GAL abgeschafft und das Blindengeld erheblich gekürzt worden.
Fortan wurde ein einheitlicher Betrag für Kinder und Erwachsene ausbezahlt. Die Folge davon war, dass Menschen über 18 Jahre erhebliche Kürzungen hinnehmen
mussten und dass Inflationsschwankungen nicht berücksichtigt wurden.

 

Martina Gregersen, Sprecherin der GAL-Bürgerschaftsfraktion für Menschen mit Behinderung: „Ich freue mich, dass nun das Blindengeld wieder leicht steigt
– und dieses nun auch jährlich. Denn blinde Menschen haben einen höheren finanziellen Aufwand als Sehende. Durch das Blindengesetz von 2005 mussten sie
eine starke Kürzung hinnehmen. Dass ist nun anders, denn jetzt werden jährliche Anpassungen vorgenommen.“

 

Das Blindengeld dient dazu, Nachteile und Folgekosten einer Erblindung oder Sehbehinderung auszugleichen: Das können Kosten für eine Putzhilfe, Taxifahrten,
Schreib- und Lesehilfen, Texte in Braille-Schrift und vieles mehr sein.“

 

Zwei Hafen-Geburtstage

Hafen-Geburtstag ist eigentlich nicht so meine Welt. Zugegeben: auch ich hab mich schon mal mit Freunden durch die Menschenmassen drücken lassen, um ein Konzert zu sehen oder am Rande des alkoholisierten Treibens im Park Fiction einen Geburtstag zu feiern. Über eine Millionen Besucher auf engstem Raum, das ist trotzdem entbehrlich. Es hatte aber durchaus etwas, am Freitag Nachmittag mit der Fähre nach Övelgönne zu schippern und danach am Elbstrand zu sitzen: ständig fuhren Kreuzfahrt-, Container- und Segelschiffe an Sarah und mir vorbei. Die Hupen tönten mal hoch, mal vibrierend tief, mal kurz, mal lang. Salut-Schüsse donnerten über den Strand. Dazu schlugen die Elbwellen mal leise, mal laut ans Land. Und die Sonne rief: „Genieße das Leben!“

Noch eindringlicher tat sie dies am Samstag. Tante Trevor, Michi und ich fuhren mit dem Zug an die Ostsee. Das ist ein grandioser Vorteil, den Hamburg gegenüber vielen anderen Städten zu bieten hat: Man ist in eineinhalb Stunden am Meer. Schon als wir in Travemünde ausstiegen rochen wir die klare, leicht salzige Luft. Die Sonne strahlte auf unsere Creme-verschmierte Haut. Ein leichtes Lüftchen sorgte für Frische. An der Steilküste liefen wir nach Niendorf. Es war herrlich, dort barfuß durch den Sand zu stapfen und mit den Zehen den ersten Kälteschock am Meeresrand zu erleben. Aber nach knapp zwei Stunden Braten in der Sonne, mit der einzigen Sorge, wie rum man sich denn nun hinlegt, waren wir reif für das Meer. 16-19 Grad hat die Ostsee zurzeit. Und es war archaisch schön, das Meer auf der Haut zu spüren, unbeschwert herumzuplantschen und das Hier und Jetzt zu zelebrieren. Nur ein Mensch fehlte, dann wäre der Augenblick perfekt gewesen. Als Krönung noch ein frisches Krabbenbrötchen, einen Bummel über den Niendorfer Hafengeburtstag (nicht ganz so voll wie sein Hamburger Pendant, aber auch nicht ganz so ausgelassen), einen Spaziergang zum Timmendorfer Bahnhof und schließlich entspannt und zufrieden mit dem Zug nach Hamburg und mit zwei Flaschen Rotwein an die Alster. Als ich gegen Mitternacht nach Haus kam, war ich insgesamt gut neun Stunden unter freiem Himmel gewesen. Und ich habe den Verdacht, da gehört der Mensch auch hin.

Frühling in Hamburg

Wie wundervoll Hamburg ist, merke ich besonders, wenn es Frühling wird. Und Frühling wird es in diesen Tagen endlich. Die Vögel durchdringen die Stadt mit ihrem Gezwitscher und übertönen – scheinbar spielend – den Lärm der Autos. Im Stadtpark weht der mal sanfte, mal fordernde Wind durch vollere Baumkronen, deren Rauschen immer kräftiger wird. Die Erde duftet nach Leben und Zukunft. Am Hafen strömen Hunderte auf die HVV-Fähren, um immer wieder von den Landungsbrücken nach Finkenwerder und zurück zu fahren und an Deck die Sonne zu genießen. Das Hupen der Dampfer, das Rauschen der Elbwellen, die Gischt auf der Haut, lassen die zarten Pflanzen der Hoffnung und Sehnsucht um so schneller wachsen. Auf den Steinen am Elbstrand zu sitzen, während sich Wolken und Sonne abwechseln – so wie Tränen und Lächeln – ist in dieser Jahreszeit wundervoll. Im Frühling liegt noch nicht die Sattheit eines heißen Grilltages auf den Gemütern der Stadtbewohner, sonder die Leichtigkeit eines langen Spaziergangs. Wenn doch nur immer Frühling wär…