Die Bürgerschaft – Hamburgs Landesparlament – hat gestern einstimmig beschlossen, das Blindengeld rückwirkend zum 1. Juli zu erhöhen. Es wird zukünftig an die Renten-Entwicklung gekoppelt. Bisher war der Betrag eingefroren. Die Entscheidung ist positiv für die knapp 3000 blinden Hamburgerinnen und Hamburger. Die Politik hat sie zumindest nicht ganz vergessen. „Das ist zwar eine gute Nachricht, aber zu wenig“, sagt Uwe Grund von der SPD. Die CDU habe das Blindengeld 2004 „dramatisch um fast ein Viertel“ gekürzt. Die jetzige Anpassung werde „nicht einmal die Inflationsrate ausgleichen „, so Grund im Hamburger Abendblatt. Recht hat der Mann. Und wie die drohenden Kürzungen in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, müssen die Blinden- und Sehbehindertenvereine in Deutschland auch zukünftig sehr wachsam und handlungsfähig sein.
Schlagwort: Hamburg
-
Sommer in Hamburg
Durchnässt durchstoße ich heute Morgen den Regen. Es donnert kurzatmig. Ein Gewitter leutet das Sommer-Ende ein – kein Gewitter, das Schwüle Hitze vertreibt. Es sind Schläge, die eine Jahreszeit vernichten: den Sommer in Hamburg. Ich kann gar nicht genau sagen, wann er begann. Am 21. April war noch Frühling. Doch schon sehr bald waberte die Schwere durch die Stadt – eine sinnliche Schwere, geschwängert vom dampfenden Boden der Alster-Wiesen, von den wilden Beats, die aus geöffneten Auto-Fenstern hämmerten, und von Haut, die in der Sonne glühte. Die Schwere des Sommers legte sich wohlig auf unsere Seelen, sie kribbelte im Bauch. Und keiner kann sagen, wann sie begann, uns zu erdrücken. Als wir sie realisierten, war es zu spät. Da half kein Regenschauer oder Donnerschlag. Wir konnten die Schwere in keinem See mehr abstreifen. Irgendwann weiß der Hamburger, dass nur noch der Herbst helfen kann.
-
Eine zweite Chance
Viel zu selten erhalten wir eine zweite Chance im Leben. Sowas gibt es nur im Theater. „Wir brauchen Dich“, sagte Jörn mir am Telefon. Ein blinder Laien-Schauspieler war aus dem Projekt ausgestiegen. Seine Rolle war plötzlich unbesetzt. Und jetzt bin ich doch noch dabei und spiele den Leiter einer blinden Schauspieltruppe. Text hab ich nicht so viel. Das Komplizierteste scheinen mir die Auf- und Abgänge zu sein. Das bedarf klarer Ansagen und kluger Koordination. Schließlich müssen sieben blinde und hochgradig sehbehinderte Schauspieler ihre Einsätze und Wege finden. Da geht viel nach Geräusch – von wo kommt die Musik, die Stimmen der anderen Protagonisten – und Gefühl – wo steht in welcher Szene der Hocker, welcher Teil der Bühne wird wann bespielt? Aber bis zur Premiere am 18. September werden die Wege sitzen.
-
Es regnet Jaya the Cat
Der Herbst hielt am vergangenen Wochenende Einzug in die Hansestadt. Zwei Tage Dauerregen. Gut, dass sich diese Stadt nicht auf ihr Klima verlassen muss. Wenn man die Sommer-Abende halt nicht auf einer Decke im Stadtpark verbringen kann, dann geht man halt auf den Rathausmarkt und hört Livemusik. Am Freitag Abend waren Michi und ich beim Rockspektakel-Konzert von Jaya the Cat. Die Bostoner – mit Wahlheimat Amsterdam – machten einfach Party. Ich kannte vor dem Konzert nur den Hit Closing Time. Da war ein Konzert für lau genau das Richtige, um einmal mehr kennenzulernen. Die Mischung aus Reggae mit E-Gitarre, Psychedelic und Ska hat mich vollkommen überzeugt. Bei einem so schrecklichen Wetter ein Publikum zu rocken, das kaum einen Song kennt, das schafft nicht jeder. Sehr gut möglich, dass ich mir die Jungs im September noch einmal anschaue. Dann spielen sie im Logo. Hier kommt es auch manchmal nass von oben, dann aber, weil es so heiß ist.