Bergman-Krimis: Schmöker-Literatur der besseren Sorte

Es gibt bessere Tage, um krank zu sein. Statt der Abschlussveranstaltung des KOSmos-Projektes, statt eines After-Work-Treffens mit den alten Haudegen Dudel und Petrus, statt einer testweisen Hörfilm-Vorführung bei einer großen Kino-Kette, statt des BSVH-Infotages Rundblick, statt der Geburtstagsfeier der eigenen Mutter und statt der Audiodeskriptionspremiere an einem Hamburger Theater gab es vier Tage im heimischen Bett. Und darüber soll ich jetzt bloggen?

Krankheitsdetails möchte ich Ihnen in der Tat ersparen. Auch ein Bericht über die – im Übrigen wenig zur Genesung beitragende – Radio-Übertragung des Fußballspiels Leverkusen / HSV schenke ich mir. Bleibt eigentlich nur noch das Hörbuch, das ich gerade höre.

Besser zwei Hörbücher. Denn als ich gestern „Der Mann, der kein Mörder war“ – den ersten Band der Krimis rund um Sebastian Bergman – beendet hatte, habe ich mir gleich den Folge-Roman „Die Frauen, die er kannte“ heruntergeladen. Wohlwollende Besprechungen und böse Verrisse findet man reichlich im Netz. Verfilmt wurden die Romane ebenfalls. Und man kann sich sicherlich fragen, ob es noch einer weiteren Krimi-Reihe aus Schweden bedarf, noch eines heterogenen Ermittlerteams, noch mehr Morden an Schülern, noch mehr bestialischen Serien-Killern. Vielleicht nicht, aber unterhaltsam sind die Bücher von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt dann doch.

Gut, das Beziehungsgeflecht wirkt teils schon etwas sehr konstruiert. Aber wenn man sich hierauf erst einmal eingelassen hat, sind die unterschiedlichen Handlungsstränge in der Tat spannend. Das gilt für die eigentlichen Kriminalfälle. Und das gilt für die Auseinandersetzungen im Ermittler-Team und besonders für die inneren Konflikte der Protagonisten. Letztere sind vielschichtig. Selbst die Ermittler sind dem Leser nicht nur sympathisch. Vor allem die Hauptfigur Sebastian Bergman ist ein wirklich ekelhafter Typ – arrogant, überheblich, sexistisch. Und doch ist es spannend, ihn beim Lösen seiner Fälle zu beobachten, ihn und seine Lebensgeschichte kennen zu lernen.

Die Krimis von Hjorth & Rosenfeldt sind Schmöker-Literatur, Schmöker-Literatur von der besseren Sorte. Ich jedenfalls werde mir auch den dritten Band „Die Toten, die niemand vermisst“ anhören.

Alle drei Bände gibt es übrigens als ungekürzte Hörbuch-Lesungen bei Audible. Manchmal gelingt es dem Sprecher Douglas Welbat nicht, den einzelnen Figuren konsequent eine Tonfärbung zu verleihen, so dass sie in manchen Dialogen schwer auseinander zu halten sind. Die sonore Stimme Welbarts ist aber angenehm und passt hervorragend zum Stoff.

Autor: Heiko Kunert

Heiko Kunert (41) ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und selbst blind. Er ist Vorstandsmitglied der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen, der Stiftung Centralbibliothek für Blinde, der Norddeutschen Blindenhörbücherei und der Erich-Quenzel-Stiftung. Er ist freier Journalist und engagiert sich für Inklusion und Barrierefreiheit.

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