Blinde Fotografie in der SZ: Ein beeindruckendes Experiment

Kilian Foersters Foto-Projekt „blind“ stößt immer wieder auf mediales Interesse. Zuletzt war es Alex Rühle, der es in der Süddeutschen Zeitung aufgriff. Ein beeindruckendes Experiment nennt er es. Das freut mich gleich zweifach: einmal für den engagierten Hamburger Fotografen Kilian Foerster und auch ein klein wenig für mich – habe ich doch selbst ein Bild zu der Reihe beigetragen. Unter der Überschrift „Das Unsichtbare im Fokus“ hatte bereits im August Marc-Oliver Rehrmann auf NDR.de über das Projekt berichtet, bei dem Foerster blinde Menschen porträtiert und diese anschließend ihre Lieblingsorte fotografieren und beschreiben lässt. Das Projekt wird übrigens fortgesetzt. Interessierte können sich weiterhin bei Kilian Foerster melden.

Andalusischer Herbst: Sonne, Geschichte, Flamenco

Heiko in Almunecar, im Hintergrund die Berge
Heiko in Almunecar, im Hintergrund die Berge

Während der Herbst in Deutschland allmählich in den Winter überging, gönnten die bezaubernde Anna und ich uns eine Woche Sonnenschein. Wir machten Urlaub in Andalusien, genauer in Almuñécar, einer kleinen Stadt im Herzen der Costa Tropical. Bei rund 20° konnten wir vormittags den starken spanischen Kaffee trinken, danach barfuß am Strand spazieren und durch die alten, engen Gassen schlendern. Das Leben spielt sich im südlichen Teil des spanischen Festlandes auch im Herbst maßgeblich unter freiem Himmel ab. Fröhlich geht es zu. Laut schnattern die Leute durcheinander. Die angenehmen Temperaturen – von durchschnittlich 18° im Winterhalbjahr und meist nicht mehr als 26° im Sommer – und die scheinbare Leichtigkeit des Alltags haben viele Nordeuropäer angelockt: Der Betreiber des kleinen Supermarktes, in dem wir unsere Besorgungen machten, war ein Schotte, ein Engländer verkaufte handgefertigten Schmuck, ein Frazösisches Pärchen betrieb das Mexikanische Restaurant, selbst ein Schwedisches Café fanden wir.

Und selbst wenn das Wetter einmal etwas kühler ausfiel (sprich: Regen, 16°), bot unser Urlaubsort Abwechslung: Die Maurische Burg San Miguel ließ Geschichte lebendig werden, Überreste eines Römischen Aquäduktes konnten besichtigt werden, im Vogelpark plauderten wir mit Kakadus.

Almuñécar liegt rund eine Autostunde von Málaga und Granada entfernt. Während wir von Málaga nur einen kurzen Eindruck des prunkvollen neuen Zentrums und einen etwas ausführlicheren Eindruck des wenig sehenswerten Flughafens erhaschen konnten, konnten wir Granada mit mehr Ruhe genießen: Das turbulente Leben auf den Straßen, die spannende Geschichte, der Duft von süßem Tabak aus orientalischen Wasserpfeifen, das Panorama der verschneiten Sierra Nevada. Die Sehenswürdigkeit schlechthin ist hier die Alhambra. Die Stadtburg ist der Inbegriff der einst so blühenden Islamischen Kultur der Mauren in der Region. Sie gehört seit 1984 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Apropos: Just in unserer Urlaubswoche wurde der Flamenco ebenfalls zum Weltkulturerbe ernannt. Und Spanien ist stolz. Wie wir live erleben durften, auch vollkommen zurecht. Eine Woche war – wie man so sagt – viel zu kurz. Etwas melancholisch flogen wir zurück in den deutschen Winter. Aber wir kommen wieder, bestimmt.

Kultur-Woche in Hamburg: Kunst für alle Sinne

Kultur verbindet. Über 130 blinde, sehbehinderte und sehende Künstlerinnen und Künstler werden sich in der kommenden Woche in Hamburg präsentieren. Das Spektrum reicht von klassischer Musik, über Jazz und Rock, über Lesungen und Musicals, bis zu Bilder-Ausstellungen. Die Kultur-Woche findet in so renomierten Häusern wie dem Ernst-Deutsch-Theater, der Fabrik oder der Markthalle statt. Hiermit erfährt die Kunst blinder und sehbehinderter Menschen eine Wertschätzung, die sie aus der sozialpädagogischen Wohlfühl-Ecke herausholt. Bisher ist es noch häufig so, dass das nichtbehinderte Publikum nicht die Werke sieht, sondern vor allem die Behinderung der Macher. Bewusst steht in der kommenden Woche der Gedanke der Inklusion im Mittelpunkt: sehende und blinde Menschen entdecken gemalte Kunst – mit Händen und Augen. Behinderte und nichtbehinderte Schauspieler stehen zusammen auf der Theater-Bühne oder machen gemeinsam Musik.

So haben Sie, geneigte Blind-PR-Leserschaft, auch letztmalig die Chance, das See-Musical „Blinde Passagiere“ in Hamburg zu erleben. Das Stück, in dem ich als blinder Schauspieler einen sehenden Capitano spiele, ist eine turbulente Geschichte um Fernweh, Sehnsucht und Liebe. Unser Musical mit neu arrangierten Schlagern der 50er Jahre spielen wir am kommenden Montag, 23. August 2010, in der Markthalle.

Im Louis-Braille-Center des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg (BSVH) wird am Dienstag, 24. August eine Ausstellung des Malers Horst W. Müller eröffnet. Das Motto: „Auch Hände können sehen“. Das Besondere an Müllers farbfrohen Bildern ist, dass sie nicht nur etwas für das kunstbegeisterte Auge sind, sondern ausdrücklich berührt werden sollen. Das wird sicherlich eine spannende Erfahrung für alle Besucher der öffentlichen Vernissage, mit Händen und Augen, als blinde, sehbehinderte oder sehende Menschen Müllers Werk zu erkunden. Schauen Sie doch auch rein, am Dienstag, 24.08. um 18 Uhr. Das Louis-Braille-Center finden Sie im Holsteinischen Kamp 26 in unmittelbarer Nähe zur U3-Haltestelle Hamburger Straße. Mehr Infos zur Ausstellung finden Sie auf bsvh.org.

Das vollständige Programm der Kultur-Woche finden Sie auf den Internet-Seiten der Hamburger Blindenstiftung. Dort können Sie Eintrittskarten bestellen, und Sie finden auch Infos über das Sport- und Rahmen-Programm. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Kultur-Woche. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Theater: Blinde Passagiere auf der Bühne und bei Youtube

Die blinden Passagiere treten wieder auf. Vom 8. bis 11. Juli können Sie das See-Musical der 50er Jahre auf dem Museumsschiff MS Bleichen und am 23. August in der Markthalle erleben. Zu den Vorstellungen auf der MS Bleichen werden Sie mit einer Barkasse von den Hamburger Landungsbrücken gebracht. Die Markthalle liegt direkt am Hauptbahnhof. Einen Trailer können Sie bei Youtube sehen:

Wer Lust auf Mehr hat, kann hier…

…hier…

…hier…

…und hier mehr sehen und hören:

Oder Sie kommen im Sommer zu unseren Vorstellungen. Ihr Kapitän würde sich freuen, Sie an Bord begrüßen zu dürfen.